Drei starke Frauen

Aus Kenia und Togo ins Seniorenzentrum nach Wolfhagen

Sind begeistert von ihrer Ausbildung zur Krankenpflegefachkraft: Die Kenianerinnen Irine Owuor (von links) und Lora Okado sowie Ami Keya aus Togo. Ausbildungsbetrieb ist das Seniorenzentrum Karlstraße in Wolfhagen. Geschäftsführer Klaus Tschentscher (links) und Pflegedienstleiter Gerrit von Stockhausen freuen sich über den Nachwuchs.
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Sind begeistert von ihrer Ausbildung zur Krankenpflegefachkraft: Die Kenianerinnen Irine Owuor (von links) und Lora Okado sowie Ami Keya aus Togo. Ausbildungsbetrieb ist das Seniorenzentrum Karlstraße in Wolfhagen. Geschäftsführer Klaus Tschentscher (links) und Pflegedienstleiter Gerrit von Stockhausen freuen sich über den Nachwuchs.

Drei junge Frauen sind aus Kenia und Togo nach Deutschland gekommen, um in Wolfhagen und Bad Arolsen eine Ausbildung zur Krankenpflegefachkraft zu absolvieren.

Wolfhagen – Für die drei Frauen ist es ein Sprung ins kalte Wasser. Ami Keya (32) lebte bis vor wenigen Wochen in Togo, Irine Owuor (35) und Lora Okado (29) haben Anfang Herbst ihre Familien in Kenia verlassen. Die studierten Lehrerinnen wollten ins Seniorenzentrum Karlstraße nach Wolfhagen. Dort sind sie nun angekommen und absolvieren eine dreijährige Ausbildung zur Krankenpflegefachkraft.

Für Klaus Tschentscher, Geschäftsführer der Gesellschaft, ist es ein Glücksfall. Denn der Fachkräftemangel in der Branche ist eklatant. Locker könnte er allein am Standort Wolfhagen fünf, sechs Mitarbeiter in der Pflege einstellen. Die drei Afrikanerinnen sorgen bereits in ihren ersten Tagen für Entlastung.

Jeweils in mehrwöchigen Blöcken, erstmals von Mitte November bis Ende Dezember, unterstüzen die Auszubildenden die Pflegekräfte und sammeln praktische Erfahrungen. Im Anschluss geht es wieder an die Altenpflegeschule nach Bad Arolsen, wo ihnen zusammen mit 19 Mitschülern das theoretische Wissen für den Beruf vermittelt wird, der sie auf Jobs in der Kinderkrankenpflege, in Krankenhäusern oder der Altenpflege vorbereitet. „Wenn die drei Frauen ihren Abschluss in der Tasche haben, haben sie bei uns einen sicheren Arbeitsplatz“, sagt Tschentscher.

Owuor, Okado und Keya, die alle gut Deutsch sprechen, haben ein klares Ziel: Sie möchten in einem medizinischen Beruf arbeiten, gerne auch bei den alten Menschen im Wolfhager Seniorenheim bleiben. Die hätten sie ganz aufgeschlossen und interessiert begrüßt.

Irine Owuor wollte in Kenia Medizin studieren. „Doch das ist dort sehr teuer“, sagt sie. Also entschied sie sich für ein Lehrerstudium. Das Problem: Der Job ist in ihrer Heimat schlecht bezahlt. Sie und ihre Landsfrau Lora Okado verdienten im Monat etwa 150 Euro. Doch das Leben habe den Verdienst aufgefressen, am Ende des Monats hätten sie mit leeren Händen dagestanden. Bei Grundschullehrerin Ami Keya aus Togo lag das Salär sogar bei nur 45 Euro.

Über das Helenenheim in Bad Arolsen, das in Verbindung steht mit Vereinen in Togo und Kenia, kam der Kontakt zustande. Die Frauen, die sich zuvor nicht kannten, leben inzwischen in einer Wohngemeinschaft in Wolfhagen. „Wir wurden vom Seniorenheim unterstützt und haben alles erhalten“, sagt die 35-Jährige Owuor überschwänglich und mit strahlendem Lächeln. Mit „alles“ meint sie: Einrichtungsgegenstände, Klamotten – auch für den für sie ungewöhnlich kalten Winter, selbst für Internet ist gesorgt. Dinge wurden gespendet. Und sie bekamen einen Paten an die Seite, der sie mit dem Leben und Alltag in Deutschland vetraut machte.

Am Anfang, sagt Irine Owuor, hätten sie in der Schule Verständigungsprobleme gehabt. Gemeinsam arbeiten sie zu Hause die Inhalte nach. Das machen sie, wie alles andere auch, auf Deutsch. Die Sprache, sagen sie, sei der Schlüssel zum Erfolg. Das medizinische Fachwissen sei weniger das Problem, so die Auszubildenden, die sich sicher sind, die nächsten drei jahre gemeinsam zu meistern. „Wir sind starke Frauen“, sagt Irine Owuor.

Schnell hätten sie begriffen, dass sich die Kultur in Deutschland doch sehr von der in ihren Heimatländern unterscheidet. Das für sie naheliegendste Beispiel ist die Betreuung der alten Menschen. „Bei uns gibt es keine Pflegeheime. Die alten Menschen sind in den Familien“, sagt Lora Okado, die weiß, dass sehr viel Mut, aber auch eine Portion Toleranz nötig sind, um in ein fremdes Land zu gehen. (Antje Thon)

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