Bei Hitze verstärkt auf Tiere achten

Ausreichend Wasser und Schattenplätze zur Verfügung stellen

In der Transportbox im Auto: Wer Hunde mit auf lange Reisen nimmt, der sollte auch für Tiere Verschnaufpausen für Trinken und Laufen einplanen und auf keinen Fall das Tier im Auto lassen. Der Tierschutzbund rät dazu, morgens oder abends bei kühleren Temperaturen die Reise anzutreten.
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In der Transportbox im Auto: Wer Hunde mit auf lange Reisen nimmt, der sollte auch für Tiere Verschnaufpausen für Trinken und Laufen einplanen und auf keinen Fall das Tier im Auto lassen. Der Tierschutzbund rät dazu, morgens oder abends bei kühleren Temperaturen die Reise anzutreten.

Bei Hitze sollten Tiere ausreichend Wasser bekommen und einen Schattenplatz haben.

Wolfhager Land – Den Schatten suchen und viel trinken – die Strategien der Tiere bei hochsommerlicher Hitze sind den menschlichen recht ähnlich. Halter von Heim- und Nutztieren sollten daher immer die Temperaturen im Auge behalten. Gerade jetzt sagt der Deutsche Wetterdienst hohe Temperaturen und schwüle Hitze voraus.

Jährlich gibt es immer wieder Meldungen, in denen von Tieren berichtet wird, die aufgrund der Hitze starben. Damit eingeschlossen sind auch Hunde, die von ihren Haltern einfach im Auto zurückgelassen werden. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur im Wesentlichen nur über die Atmung. Daher sind die Tiere wesentlich hitzeempfindlicher als Menschen. Bereits Temperaturen um die 40 Grad können für einen Hund tödlich sein. Das Innere eines Autos kann sich in nur wenigen Minuten an einem warmen Sommertag auf bis zu 70 Grad aufheizen.

Gundula Utzinger: Amtstierärztin

Auch ein Schattenparkplatz oder leicht geöffnete Fenster sind kein ausreichender Schutz für Hunde. Selbst an kühleren Frühlings- oder Herbsttagen kann die unterschätzte Temperatur in einem Auto schlimme Folgen für die Tiere haben. Neben Haustieren leiden auch Nutztiere unter großer Hitze. „Vor allem Wasser ist lebenswichtig. Es muss den Tieren in ausreichender Menge zur Verfügung stehen“, betont Amtstierärztin Gundula Utzinger vom Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Kassel. Bei der Weidehaltung sei es für alle Tiere wichtig, ausreichend Schattenplätze zu schaffen, um die körperliche Belastung für die Tiere zu mindern. „Halter, die beruflich mit Tieren umgehen, wissen durch ihre Ausbildung, was die Tiere brauchen. Private Halter sind verpflichtet, sich die notwendigen Kenntnisse für die Bedürfnisse der Tiere anzueignen und dementsprechend zu handeln“, so Utzinger weiter.

„Bei Temperaturen über 30 Grad suchen Pferde bis zu zweimal die Stunde die Tränke auf“, erklärt die Amtstierärztin. „Die Tränke muss daher für die Tiere immer leicht erreichbar und gut gefüllt sein.“ Das gelte auch für sonst eher anspruchslose Tiere. „Bei Hitzeperioden kann sich der Wasserbedarf von Schafen von vier Litern am Tag auf bis zu 18 Liter steigen. Bei Ziegen beträgt der Wasserbedarf abhängig vom Gewicht bei hohen Temperaturen rund vier Liter am Tag“, so Utzinger.

Matthias Mänz: Polizei Kassel

Wer sich informieren will: Von Behörden, den Berufsverbänden und Fachverbänden gibt es in Büchern, Zeitschriften und dem Internet vielfältige Veröffentlichungen und Ratgeber, wie insbesondere Weidehaltung bei Tieren bedürfnisgerecht gestaltet werden kann. Für spezielle Fragen stehen auch die Mitarbeiter des Fachbereichs Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Wolfhagen unter der Telefonnummer (werktags) 0561-1003 3308 zur Verfügung.

Die Polizei Nordhessen bittet jährlich darum, bei Hitze niemanden im Auto zurück zulassen. Wer jemanden bei großer Hitze im Auto entdeckt und Schlimmeres befürchtet, sollte einiges beachten. Polizeisprecher Matthias Mänz rät: „Holen Sie sich Unterstützung von anderen anwesenden Menschen und beurteilen sie gemeinsam weitere Schritte. So haben Sie auch gleich Zeugen mit dabei.“ Zudem sollte man sich nach dem Fahrer umsehen und ihn zum Beispiel ausrufen lassen. Auf jeden Fall die 112 oder 110 anrufen. Den Einsatzkräften sollte der Zustand des Kindes/Tieres beschrieben werden und dann Hinweisen der Feuerwehr/Polizei am Telefon gefolgt werden. Dann heißt es: Warten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder der Polizei am Telefon.

Einfach die Scheibe einschlagen? „Das Einschlagen einer fremden Scheibe ist strafrechtlich gesehen tatsächlich eine Sachbeschädigung (§ 303 StGB) und kann auf Strafantrag des Geschädigten verfolgt werden. Es gibt jedoch den „rechtfertigenden Notstand“ (§ 34 StGB), weshalb das Einschlagen einer fremden Scheibe in solch einer Situation straflos bleiben kann. Dies muss jedoch die Justiz im jeweiligen Einzelfall beurteilen“, sagte Matthias Mänz. (Monika Wüllner)

Tierschutzbund: So vemeidet man einen Hitzschlag

Spaziergänge und sportliche Betätigungen mit dem Hund sollten in die Morgen- und Abendstunden verlegt werden, wenn die Temperaturen gemäßigter sind. Andernfalls können – vor allem bei älteren Tieren – Kreislaufprobleme auftreten.

Den Boden zur Sicherheit testen, insbesondere heißen Asphalt, mit der eigenen Handfläche testen, damit der Hund sich nicht seine empfindlichen Pfoten verbrennt. Auch Hunde können auf unbehaarten Stellen einen Sonnenbrand bekommen, deshalb sollten sie nicht zu kurz geschoren werden. Ausreichend Trinkwasser muss den Tieren immer zur Verfügung stehen. Ideal ist es, wenn die Mitbewohner auf vier Pfoten selbst entscheiden können, wann sie in der Wohnung, im Keller, auf dem Balkon oder im Garten ein kühles Plätzchen aufsuchen.

Schatten brauchen auch Katzen. Sie sollten immer die Möglichkeit haben, sich in den Schatten zurückzuziehen. Tieren, die keinen Zugang ins Freie haben, sollte in der Wohnung oder im Haus ein kühler Platz zur Verfügung stehen. Es können auch feuchte Handtücher aufgehangen werden. Im Gegensatz zum Menschen können sich Hunde und Katzen nicht durch Schwitzen über die Haut Kühlung verschaffen und sind deshalb gegenüber Hitze sehr empfindlich.

Starkes Hecheln und Unruhe sind bei Hunden oft erste Anzeichen von Überhitzung. Lebensgefährliche Kreislaufprobleme können sich durch stark gerötete oder sehr blasse Schleimhäute, flache Atmung, verlangsamte Reaktionen und apathisches Verhalten äußern. Dringende Warnsignale sind auch: Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Zittern und schließlich Bewusstlosigkeit. Anzeichen eines Hitzschlags erkennt man bei Katzen daran, dass sie unruhig auf und ab gehen, Herzschlag und Körpertemperatur sich erhöhen oder die Tiere stark hechelnd auf dem Bauch liegen. Wenn Symptome auftreten, ist so schnell wie möglich ein Tierarzt aufzusuchen – rät der Tierschutzbund. tierschutzbund.de

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