„Machen das Gleiche wie jetzt auch“

Ausschuss rät: Grundstück in Wolfhagen an Hausarztgemeinschaft zu verkaufen

Der ehemalige Hof Waßmuth an der Kurfürstenstraße: Dort will sich das Medizinische Versorgungszentrum niederlassen.
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Der ehemalige Hof Waßmuth an der Kurfürstenstraße: Dort will sich das Medizinische Versorgungszentrum niederlassen. Wolfhagens Haupt-und Finanzausschuss hat nun die Empfehlung zum Verkauf erteilt.

Die erheblichen Bedenken, die Wolfhagens Ärzteschaft einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an der Kurfürstenstraße entgegenbringt, haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit.

Wolfhagen – Da war am Donnerstag von fehlendem Vertrauen die Rede. Der Umgang mit der Hausarztgemeinschaft sei in den letzten Jahren sehr schwierig gewesen. Viel konkreter wurde Dr. Jörg Emmel am Donnerstagabend nicht, als er für das Ärztenetz Wolfhager Land begründete, warum dieses sich kein MVZ am Stadtrand wünscht, das dann drei Mal so groß sein würde wie am jetzigen Standort an der Mittelstraße.

Und wer die Debatte verfolgte, spürte, dass sich zwischen der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land und den übrigen niedergelassenen Ärzten Gräben auftun. Versuche der Annäherung in der Vergangenheit scheinen zur Verbesserung des Miteinanders nicht wirklich viel beigetragen zu haben. Und so entstand am Donnerstag zwischen den Erklärungen des Geschäftsführers der Hausärztegemeinschaft, Jörg Feldmann, der sich aus unternehmerischen Gründen auch nicht tiefer in die Karten blicken lassen wollte, und den wenig greifbaren Bedenken der Ärzteschaft eine Art Vakuum.

„will keine Konkurrenz machen“

Nach zwei Stunden fasste der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Jens Kühle, die Erkenntnisse, die er aus der Debatte gezogen hat, zusammen: Das MVZ beabsichtige lediglich eine Standortverlegung und „will keine Konkurrenz machen“. Die Kreisklinik, deren Erhalt für alle Anwesenden oberste Priorität genießt, habe kein Problem mit einer Hausarztpraxis. Gegen den Vorschlag, die GmbH möge doch am Kleinen Ofenberg eine Fläche vom Kreis kaufen, habe der Landkreis zwar nichts einzuwenden, komme für die Hausarztgemeinschaft aber nicht infrage.

Diese, so hatte es Feldmann zuvor gesagt, habe sich in das Grundstück an der Kurfürstenstraße verliebt. Von den mehr als 2000 Quadratmetern Fläche werde nur ein kleiner Bereich bebaut. Zum einen gebe es auf dem Gelände eine Bauverbotszone, zum anderen müssten Parkplätze geschaffen werden. Am Ende werde man bei 400 Quadratmetern auf zwei Ebenen herauskommen.

Zentrale des MVZ

Ob eine dritte Etage mit Büros auf das Gebäude aufgesetzt werde, stehe noch nicht fest. Er könne sich aber vorstellen, dass in Wolfhagen eine Art Zentrale des MVZ entstehe, die unter anderem auch die Lagerhaltung einschließe. Detaillierte Pläne gebe es noch keine, weil bislang noch keine Architekten beauftragt worden seien. „Wir wissen ja nicht, ob wir das Grundstück bekommen“, so Feldmann, der noch einmal beteuerte, „wir werden dort das Gleiche machen wie jetzt auch“.

Den zuletzt angeführten Argumenten, wonach sich mit dem MVZ an der Kurfürstenstraße die ärztliche Versorgung in Wolfhagen verbessern würde, stellte sich das Ärztenetz entgegen. Wolfhagen habe eine hervorragende ambulante Versorgung. Andere Kommunen würden sich freuen, wenn sie in dieser Situation wären. Noch 0,5 Sitze mehr und die Kassenärztliche Vereinigung würde Wolfhagen dichtmachen, sagt Jörg Emmel.

Entscheidung beim Wolfhager Parlament

Das würde bedeuten, dass sich kein Hausarzt mehr am Standort niederlassen dürfte. Zwölf Kollegen würden derzeit praktizieren, und von denen hätten sieben noch 25 Jahre zu arbeiten. Also könne auch von einer Überalterung keine Rede sein.

Nach der Empfehlung des Ausschusses obliegt die Entscheidung über den Grundstücksverkauf dem Wolfhager Parlament. Das kommt voraussichtlich am Donnerstag, 9. September, wieder zusammen. (Antje Thon)

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