Ausstellung über den Raub von Kultur vom 18. Januar bis 23. Februar in Sand

Kriminalfall Himmelsscheibe Nebra: Raubgräber hatten die wertvolle, etwa 4000 Jahre alte Plakette aus der Frühbronzezeit in einer Steinkammer bei Nebra gefunden. Die Scheibe wurde mehrfach verkauft. In der Schweiz wollte ein Hehler die Himmelsscheibe, die dem Land Sachsen-Anhalt gehört, erneut veräußern. Doch die Polizei vereitelte das Geschäft. Foto: dpa

Bad Emstal. Der Schutz von Kulturgütern ist dem Vorsitzenden des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal, Hartwin Neumann, ein wichtiges Anliegen. Und der beginnt vor der eigenen Haustür.

Die Wanderausstellung „Kriminalarchäologie“ des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und des Hessischen Landeskriminalamtes möchten das Thema bebildern. Gezeigt wird die Schau von Montag, 18. Januar, bis Dienstag, 23. Februar, in der Christine-Brückner-Schule in Sand.

Die Dokumentation zeigt am Beispiel von 24 Exponaten die Arbeit von Archäologen und Kriminalisten, die in spektakulären Kriminalfällen Raubgräbern und Antikhehlern das Handwerk gelegt haben. Einer der populärsten Fälle ist die Geschichte um die Himmelsscheibe von Nebra, die im Sommer 1999 von Grabräubern entdeckt worden war. Die Sondengänger waren mit Metalldetektoren ausgerüstet. Statt die kreisförmige Bronzeplakette mit Applikationen aus Gold dem Land Sachsen-Anhalt zu übergeben, wurde mit dem etwa 4000 Jahre alten Fundstück illegaler Handel betrieben. Erst im Jahr 2002 konnte die Polizei die Hehler festnehmen und die Himmelsscheibe sichern.

Wer annimmt, die Plünderung und Zerstörung archäologischer Stätten sei eine Unart, die nur an Orten mit herausragender historischer Bedeutung stattfindet, der irrt. „Es gibt einige Sondengänger, die zum Beispiel in der Ruine Falkenstein unterwegs sind“, sagt Neumann. „Ich bin davon überzeugt, dass sich in einigen Haushalten der Region Objekte von der Burg finden lassen.“

Die Ausstellung will Schüler und Erwachsene dazu bringen, sich mit der eigenen Kultur und den Kulturgütern auseinander zu setzen. Sie will aufzeigen, welcher Werteverlust mit dem Verhökern von archäologischen Funden einhergeht. Dabei, so Heumann, sei es egal, ob wie in der Ausstellung dargestellt, antike Münzen aus Gold, Silber und Kupfer plötzlich bei einer Polizeikontrolle in Alsfeld zum Vorschein kommen, über deren Herkunft es aber keine Dokumente gibt, oder ob es sich um Raubgrabungen im Wolfhager Land handelt.

Neumann glaubt, dass sich insbesondere Kinder zu wenig mit der eigenen Geschichte und Kultur beschäftigen, und dass es gerade unter jungen Leuten große Wissenslücken gibt. Der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins möchte mehr außerschulische Lernorte etablieren, etwa im Klostermuseum Merxhausen.

Die Vernissage zur Ausstellung „Kriminalarchäologie“ ist am Donnerstag, 14. Januar, um 16 Uhr in der Aula der Christine-Brückner-Schule in Sand. Ein Vertreter vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz wird in die Thematik einführen. Eckhard Laufer vom Hessischen Landeskriminalamt hält einen Vortrag unter dem Motto „Funde haben (k)eine Herkunft“. Die Ausstellung ist geöffnet vom 18. Januar bis 23. Februar, jeweils montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. Um eine Anmeldung im Sekretariat oder bei einem Hausmeister wird gebeten.

 

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