Heimatforscher auf der Suche nach Vergessenen

Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in Burghasungen in Planung

Auf Spurensuche: Karl Schäfer hat schon manch Schätzchen für seine geplante Ausstellung zum Ersten Weltkrieg zusammengetragen. Fotos:  Hoffmann

Burghasungen. Zum 100. Mal jährt sich im November das Ende des Ersten Weltkrieges. Obwohl die letzten Zeitzeugen längst verstorben sind, sollen einige im Herbst in Burghasungen im Rahmen einer Sonderausstellung noch mal zu Wort kommen.

„Sie werden aus alten Dokumenten zu uns sprechen“, sagt Karl Schäfer vom Museumsverein, der sich seit einigen Wochen gemeinsam mit Josef Sprenger auf Zeitreise befindet, um an den ersten industriell geführte Massenkrieg in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und dessen Rolle insbesondere im heutigen Zierenberger Stadtteil zu erinnern.

Fehlender Name gesucht: Neben Ludwig Reinhold und August Scholibo auf der linken Seite, zeigt ein altes Foto rechts oben Wilhelm Reinhold. Um auch das Rätsel um Nummer vier zu lösen, hoffen die Burghasunger Heimatforscher auf Hinweise.

Als Basis ihrer Recherchen dient neben einer in der Kirche hängenden, unvollständigen Gefallenenliste auch ein altes Buch, vollgepackt mit Überlieferungen aus den Kriegsjahren. Die Zeit von Kriegsbeginn bis Ende nämlich hat Lehrer Justus Wiegand in einer Schulchronik festgehalten, die sich Josef Sprenger nun im Detail vorgenommen und den in altdeutscher Schrift verfassten Text Wort für Wort übersetzt hat. Während unzähliger Stunden, die er mit den Aufzeichnungen verbracht hat, sah er sich emotional gefordert. „Jedes Einzelschicksal löst die Frage nach dem Sinn und Unsinn von Kriegen aus, das lässt einen nicht kalt.“

JosefSprenger

So wichtig die Chronik für die Aufarbeitung auch sei, alle Fragen könne selbst sie nicht beantworten. „Wir stoßen immer wieder auf Namen, die weder in den Überlieferungen von Lehrer Wiegand auftauchen, noch auf der Gefallenentafel in der Kirche“, sagt Schäfer, dessen detektivischer Spürsinn gerade dann geweckt ist. Ludwig Reinhold sei ein solcher, ein urgebürtiger Burghasunger, der zwar drei Jahre vor seinem Tod noch bei Lehrer Wiegand die Schulbank gedrückt habe, in der Chronik aber nicht auftauche. „Das hat mich ein wenig erschüttert. Über die Gründe ist uns nichts bekannt“, sagt Schäfer, der dank Heinz Pirali, ein Nachkomme Reinholds, aber doch einiges rekonstruieren konnte. 

Sogar Fotos liegen ihm vor. Eines zeigt den 1897 in Burghasungen Geborenen allein als jungen Soldat, ein weiteres gemeinsam mit Freunden. „Ich gehe davon aus, dass wir die jungen Männer darauf nach ihrer Musterung im Jahr 1916 sehen“, sagt der Heimatforscher, der allen auf dem Foto zu Sehenden Namen zuordnen konnte, bis auf einen. Neben Ludwig Reinhold und August Scholibo auf der linken Seite sehe man rechts oben Wilhelm Reinhold. Um bis zur Ausstellung auch das Rätsel um Nummer vier zu lösen, hofft Schäfer auf Hinweise aus der Bevölkerung, die er zur Mitarbeit motivieren will, „schließlich geht es ums Bewahren der Burghasunger Geschichte.

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