Autodiebe ausbremsen: Mit Lenkradkralle Fahrzeug vor Diebstahl schützen

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Schutz vor Autoklau: Kriminaloberkommissar Markus Gebauer von der Präventionsabteilung erklärt dem Dörnberger Unternehmer Sascha Bollerhey wie die Lenkradkralle funktioniert.

Dörnberg. Die Tricks der Kriminellen werden immer raffinierter, die Opferzahlen steigen. In Kooperation mit der Polizei klären wir auf und geben Tipps zur Prävention. Heute: Schutz vor Autodiebstahl.

Müde von der langen Fahrt kam die Mutter von Sascha Bollerhey aus dem Urlaub nach Hause. Weil es schon mitten in der Nacht war, stellte sie ihren BMW X5 voll mit Gepäck vor dem Haus in Ehlen ab und ging ins Bett. Am Morgen bekam Bollerhey einen Anruf von seiner aufgelösten Mutter. Das Auto war geklaut - samt hochwertigem Inhalt und wichtigen persönlichen Dingen. „Wir haben es nie wieder gesehen“, erzählt Bollerhey. Anlass für den Steinmetz aus Dörnberg, sich rund um das Thema Diebstahlschutz besser zu informieren.

Für Kriminaloberkommissar Markus Gebauer von der Präventionsabteilung ist die Geschichte nicht ungewöhnlich. „Dahinter stecken meistens organisierte Banden.“ Möglicherweise hätten die Diebe Bollerheys Mutter bereits auf der Autobahn im Auge gehabt und seien ihr gefolgt. Viele Täter klauen auf Bestellung.

Mehr Autodiebstähle

Die Auto-Mafia ist auf dem Vormarsch. „Die Zahlen der Diebstähle von Kraftwagen im Dienstbezirk des Polizeipräsidiums Nordhessen lagen in den Jahren 2014 bis 2016 bei jeweils gut 200 Fällen“, sagt Gebauer. Besonders hochwertige Pkw, SUV-Modelle und Kleintransporter stehen zurzeit im Fokus der Diebe. Vermehrt beschäftigtet die Polizei auch der Diebstahl von Oldtimern und sogenannten Youngtimern.   „Autodiebe sind heute hoch qualifiziert und arbeiten in professionell organisierten Banden arbeitsteilig zusammen“, erklärt der Präventionsbeamte. Diese Tätergruppen seien in der Lage mit spezieller Software Wegfahrsperren zu deaktivieren.

Markus Gebauer zeigt dem 31-jährigen Dörnberger wie man mittels einer Lenkradkralle die Firmenfahrzeuge sichern kann. Effektiv seien auch elektronische Sicherungen, die beispielsweise bei einer Bewegung des Fahrzeugs einen Alarm auf dem Smartphone des Eigentümers auslösten. Auch für Baumaschinen gibt es das sogenannte GPS-Tracking. Das System schlägt per SMS Alarm, sobald die damit ausgerüsteten Maschinen und Fahrzeuge einen zuvor definierten Bereich verlassen, der sich für jede Tageszeit individuell einrichten lässt. Wichtig sei natürlich, alle Sicherungen auch scharf zu stellen, betont der Polizeibeamte.

Ausspäher, Diebe und Hehler arbeiten eng zusammen

Beim Autoklau gibt es Hehler, Diebe und Fahrer: Das erklärt Markus Gebauer von der Präventionsabteilung der Polizei. Hinzu kämen Ausspäher, die Wohngebiete durchstreiften und registrierten, wo wertvolle Autos abgestellt seien. Gebauer appelliert, auf solche verdächtigen Personen zu achten, die möglicherweise sogar das Fahrzeug fotografierten. Wer eine solche Beobachtung macht, soll das Kennzeichen notieren und die Polizei informieren. Die beste Sicherung sei jedoch, Fahrzeuge in eine Garage oder zumindest an eine gut beleuchtete und belebte Straße zu stellen. 

Weitere Tipps:  

• Ziehen Sie den Zündschlüssel immer ab – auch bei kurzer Abwesenheit. Nur so ist im Regelfall auch die Wegfahrsperre aktiviert.

• Lassen Sie das Lenkradschloss immer einrasten.

• Ist Ihr Fahrzeug mit einer Diebstahlwarnanlage ausgestattet, nehmen Sie diese auch in Betrieb.

• Schließen Sie Fenster, Türen, Kofferraum, Schiebedach, Tankdeckel/-klappe, auch wenn Sie sich nur kurz vom Fahrzeug entfernen. Ein abgeschlossener Tankdeckel erschwert einem Dieb das Tanken zum Nulltarif.

• Achten Sie darauf, dass Ihr Fahrzeug das Verriegeln der Türen durch ein optisches Signal quittiert. Funkblocker können das Funksignal Ihrer Fernbedienung stören, sodass Ihr Fahrzeug dann offen ist.

• Verstecken Sie Ersatzschlüssel nicht am oder im Fahrzeug. Nach der Rechtsprechung ist das Zurücklassen eines Zweitschlüssels im Fahrzeug eine grobe Fahrlässigkeit, die den Versicherer im Falle des Auto-Diebstahls von der Leistung befreit.

• Lassen Sie keine Schlüssel unbeaufsichtigt in Jacken- und Manteltaschen zurück, wenn Sie diese in Gaststätten an der Garderobe oder in Umkleidekabinen aufhängen.

• Wenn Ihnen ein Autoschlüssel entwendet wurde oder Sie ihn verloren haben, fahren Sie umgehend zu Ihrer Fachwerkstatt. Dort gibt es Möglichkeiten, den Schlüssel sofort zu sperren.

• Professionelle Autodiebe brechen auch in Häuser oder Wohnungen ein, um in Besitz des Fahrzeugschlüssels zu gelangen. Legen Sie den Schlüssel nie in der Nähe der Haustür ab bzw. versuchen Sie das Funksignal durch geeignete Maßnahmen (Aluminiumhüllen) abzuschirmen. Machen Sie den Selbsttest. Nur wenn das Fahrzeug sich nicht einmal dann öffnet, wenn Sie den „abgeschirmten“ Schlüssel direkt neben die Fahrzeugtür halten, haben auch die Diebe keine Chance.

• Achten Sie beim Aussteigen aus dem Wagen auf Personen mit Aktenkoffern in Ihrer unmittelbaren Nähe. Dabei könnte es sich um professionelle Autodiebe handeln.

•· Fragen Sie bei dem Hersteller Ihres Fahrzeuges, ob der Komfortzugang temporär deaktiviert werden kann. Manche Hersteller bieten am Schlüssel die Funktion, durch zweimaliges Drücken auf die Verriegelungs-Taste, die Keyless Funktion ganz auszuschalten. Fragen Sie bei Ihrer Fachwerkstatt nach, welche Möglichkeit es für Ihr Fahrzeug gibt. 

Quelle:  Polizei

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