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Bad Emstaler Helfergemeinschaft war mehrfach an der ukrainischen Grenze

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Von: Sascha Hoffmann

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Bad Emstaler organisieren Umsonstladen für ukrainische Flüchtlinge
Bad Emstaler organisieren Umsonstladen für ukrainische Flüchtlinge: Liubov Leis (von links), Marina Kimmer und Sabine Schwarzer. © Sascha Hoffmann

Gemeinsam stark für die Menschen in und aus der Ukraine: In Bad Emstal haben sich gut 100 Menschen zusammengefunden und kümmern sich um etwa ebenso viele Flüchtlinge.

Bad Emstal – Ganz Bad Emstal packt mit an. Über 100 Menschen hat Sabine Schwarzer seit Kriegsbeginn in ihrer Whatsapp-Gruppe. Menschen, die helfen, jeder so, wie er es kann.

„Das klappt einfach supergut“, freut sich die Gemeindemitarbeiterin und akquiriert über die Gruppe nicht nur Personal für den gerade am früheren Thermalbad eröffneten Umsonstladen für Flüchtlinge aus der Ukraine, sondern sorgt darüber auch für Nachschub dringend benötigter Spendengüter.

„Geht die Milch aus, schreibe ich eine Nachricht und kann mir sicher sein, dass sich irgendwer kümmert.“

Sabine Schwarzer

Dass es den Umsonstladen überhaupt gibt, haben die Kriegsflüchtlinge Marina Kimmer zu verdanken. Die Emstalerin war schon nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sehr aktiv und bringt ihre Erfahrung vom vergangenen Sommer nun in die aktuelle Ausnahmesituation mit ein.

Mit mehreren Lieferwagen voller Spenden ging es mehrfach von Bad Emstal gen polnisch-ukrainischer Grenze.
Mit mehreren Lieferwagen voller Spenden ging es mehrfach von Bad Emstal gen polnisch-ukrainischer Grenze. © René Hartung/Repros Sascha Hoffmann

„Sogar aus Niedenstein und Schauenburg waren schon Flüchtlinge hier“

„Wir alle profitieren hier ungemein von ihrem Wissen“, sagt Schwarzer und ist froh, Kimmer an ihrer Seite zu wissen. Jede helfende Hand ist hier willkommen, denn kaum war der Laden da, hatte sich die frohe Kunde in der ukrainischen Gemeinschaft bereits herumgesprochen.

„Sogar aus Niedenstein und Schauenburg waren schon Flüchtlinge hier“, berichtet Schwarzer und schätzt die Zahl der mittlerweile in Bad Emstal untergekommenen Menschen auf um die 100.

Viele von Ihnen haben die Emstaler selbst an der polnisch-ukrainischen Grenze abgeholt, auch wenn das anfangs gar nicht so geplant war.

Eigentlich nämlich hatte Sebastian Sokolowskis vorgehabt, lediglich einen Transporter voll Spenden gen Kriegsgebiet zu bringen.

Spendenlager ist voll bis unters Dach

„Nach dem ersten Spendenaufruf war mein Lager im Nu voll bis unters Dach“, sagt der Unternehmer und ist voller Freude über das „unglaubliche Engagement“ eines sich schnell zusammengefundenen Helferteams.

Auch René Hartung hat kräftig mit angepackt und tut es bis heute. Er schwärmt von einem „extremen Gemeinschaftsgefühl“, obwohl sich viele von ihnen zuvor nicht einmal gekannt hätten, man habe sich einfach gefunden und das Ding zusammen durchgezogen

Mit mehreren Lieferwagen voller Spenden ging es mehrfach von Bad Emstal gen polnisch-ukrainischer Grenze.
Mit mehreren Lieferwagen voller Spenden ging es mehrfach von Bad Emstal gen polnisch-ukrainischer Grenze. © René Hartung/Repros Sascha Hoffmann

„Diese Verzweiflung in den Augen all der Frauen und Kinder zu sehen, das ist Trauer pur.“

„Sebastian Sokolowskis hat es angestoßen, alle anderen haben sich angeschlossen, bis bei unserer ersten Tour sieben Sprinter samt Anhänger vollgepackt waren“, freut sich auch Martin Holzhauer, der stolz seinen Helfer-Team-Button in den ukrainischen Landesfarben am Hemd trägt.

Sokolowski ist froh über die viele Unterstützung, allein, so sagt er, hätte er das gar nicht stemmen können, nicht zuletzt, weil auch ihm die Situation vor Ort ganz schön unter die Haut gehe.

„Diese Verzweiflung in den Augen all der Frauen und Kinder zu sehen, das ist Trauer pur.“ Jasmin Simon-Heeß, die als einzige Frau mit an der Grenze war, kann das nur bestätigen.

„Ich denke, ich konnte auf viele beruhigend einwirken, von Frau zu Frau fällt es in einer solchen Notsituation oft doch leichter, zu vertrauen“, so die Emstalerin noch immer tief bewegt und mit Tränen in den Augen.

Viele Geflüchtete sind in privaten Unterkünften untergekommen

Über 100 Menschen haben Sokolowski, Hartung, Holzhauer, Simon-Heeß und all ihre Helferfreunde mittlerweile nach Deutschland geholt.

Einige sind bei Bekannten oder Verwandten in allen Teilen Deutschlands untergekommen, andere direkt in Bad Emstal. Nicht in Sammellagern, sondern in privaten Unterkünften oder Ferienwohnungen, das war ihnen wichtig.

Auch ein Willkommensfest war da längst organisiert, von den Helfern vor Ort und mit Stefan Frankfurth ausnahmsweise als Grill statt Bürgermeister - in schweren Zeiten packt eben ganz Bad Emstal mit an. (Sascha Hoffmann)

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