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Baubeginn für Hydrogen Valley erst 2024

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Von: Antje Thon

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Die Unternehmer Christoph und Jan-Hendrik Lübcke (von links), Marek Grimmelbein und Werner Schmidt wollen vor den Toren des Gewerbegebietes Hiddeser Feld entlang der A 44 einen 74 Hektar großen Solarpark errichten. Aus Sonnen- und Windenergie soll Wasserstoff erzeugt werden.
Hoffen auf Baugenehmigung im Sommer: Die Unternehmer Christoph und Jan-Hendrik Lübcke (von links), Marek Grimmelbein und Werner Schmidt wollen vor den Toren des Gewerbegebietes Hiddeser Feld entlang der A 44 einen 74 Hektar großen Solarpark errichten. Aus Sonnen- und Windenergie soll Wasserstoff erzeugt werden. © Antje Thon

Mit der Produktion des grünen Wasserstoffs im Gewerbegebiet Hiddeser Feld bei Niederelsungen hätte es Anfang dieses Jahres losgehen sollen. Doch das Vorhaben verzögert sich.

Wolfhagen - Längst ist den vier Köpfen, die hinter der Idee vom Energiepark Hydrogen Valley an der A 44 stehen, klar, dass ihr Zeitplan Ende 2020 zu ambitioniert war. Die BLG Projekt GmbH aus Istha und Werner Schmidt, Geschäftsführer von Elektro Gante in Niederelsungen, halten dennoch am Ziel fest, Sonnen- und Windenergie zu kombinieren und für die Wasserstofferzeugung zu nutzen.

„Das dauert alles sehr lange“, sagt Marek Grimmelbein, der neben Christoph Lübcke und Jan-Hendrik Lübcke Geschäftsführer der BLG Projekt GmbH ist und den hohen Verfahrensaufwand beklagt, der der von ihnen ersehnten Baugenehmigung vorausgeht. Letztlich könne das Stadtparlament nur den Vorgaben im Baugesetzbuch folgen. Würde der Bund die Antragsverfahren vereinfachen, ginge es mit der Energiewende schneller.

Weitere Gutachten waren erforderlich

Nachdem das Stadtparlament Anfang 2021 den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan gefasst hatte, hätten nach der ersten Offenlage weitere Gutachten etwa zu Fragen der Jagd, des Naturschutzes und der Blendwirkung der Solarmodule eingeholt werden müssen, so Lübcke. Dies sei jetzt alles ergänzt worden, und so hoffen die Unternehmer, dass die Stadtverordneten in ihrer Februarsitzung einen weiteren Beschluss fassen werden, um die Unterlagen erneut der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Bei optimalem Verlauf soll im Frühsommer der Satzungsbeschluss folgen. Dieser kommt einer Baugenehmigung für den Energiepark Hydrogen Valley gleich. Bis 2025 sollen 160 Millionen Euro investiert werden.

Anfang 2024 könnten die Arbeiten beginnen. Zunächst steht der Aufbau des Solarparks südlich und nördlich der A 44 an – spätestens Ende 2024 soll die 74 Hektar große Fläche hergerichtet sein. Im Sommer 2024 sollen fünf Windräder bei Ehringen durch vier leistungsstärkere ersetzt werden. Das Gleiche ist für den Windpark bei Istha vorgesehen, dort sollen Ende 2024 neun Windräder mit einer Leistung von 50 Megawatt ans Netz gehen. Parallel entsteht bei Nothfelden ein Umspannwerk, das die Energie aus Wind und Strom von Mittel- in Hochspannung transformiert. Und schließlich wird im Gewerbegebiet eine Elektrolyseanlage gebaut, die Wasser in Wasserstoff umwandelt und Energie speichern kann.

Erst der Anfang einer großen Entwicklung

Die vier Unternehmer sind davon überzeugt, dass der Energiepark Hydrogen Valley Wolfhagen erst der Anfang einer bedeutsamen Entwicklung in Nordhessen und anderen Regionen sein wird. Sie erwarten für die kommenden Jahre einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien.

„Wir haben das für jede Kommune im Landkreis Kassel bezogen auf die Fläche einmal durchgespielt“, sagt Christoph Lübcke und wirft im Besprechungszimmer seiner Firma mittels Beamer die Zahlen für Wolfhagen an die Wand. 419 Gigawattstunden (GWh) an sauberer Energie müssten im Gebiet der Hans-Staden-Stadt, die flächenmäßig eine der größten im Landkreis ist, erzeugt werden. Darin enthalten ist nicht nur der eigene Energiebedarf, sondern auch ein Anteil, der den fehlenden Platz großer Kommunen für Windräder und PV-Anlagen kompensiert. „Derzeit liegen wir bei 54,3 GWh“, sagt Lübcke. Demnach müsste Wolfhagen bei der Energiemenge um fast das Achtfache zulegen. Windkraftanlagen steuerten aktuell mit 29,1 GWh den größten Anteil bei, gefolgt von PV-Anlagen mit 15,4 GWh und 9,8 GWh aus der Biogasanlage, die vor den Toren der Stadt Biomasse in Strom und Wärme verwandelt.

Der wachsende Energiebedarf hat mehrere Gründe. Zum einen werden fossile Energieträger zunehmend von der Bildfläche verschwinden und müssen ersetzt werden. Zudem läuft die Zeit für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ab, E-Mobilität wird immer gefragter. Habe sich der Energiebedarf eines Einfamilienhauses bislang bei durchschnittlich 4500 Kilowattstunden (KWh) bewegt, werde dieser künftig bei 14 000 KWh liegen, so Lübcke. Wärmepumpen und E-Fahrzeuge seien energieintensive Technologien.

Mit dem Hydrogen Valley soll der Zubau kohlendioxidneutraler Energie ein ordentliches, aber längst noch nicht auskömmliches Stück vorankommen. Die beiden Windparks bei Ehringen und Istha, die im kommenden Jahr vergrößert werden, sollen mit einer Leistung von zusammen 72 Megawatt ans Netz gehen.

Auf Dächern schlummert weiteres Potenzial

Der 74 Hektar große Freiflächen-Solarpark an der A 44 wird eine Leistung von 80 Megawatt Peak haben. Gerade bei den Fotovoltaikanlagen liege noch viel Arbeit vor der Region. Lübcke geht davon aus, dass der neue Solarpark bei Niederelsungen etwa ein Viertel der nötigen Sonnenenergie wird decken können. Auf Wolfhagens Dächern schlummerten weitere 38 GWh an Energie, die sich über PV erzeugen ließe. Der Unternehmer drückt es anders aus: „Im Landkreis Kassel müssen bis zum Jahr 2040 eine Milliarde Euro in Windkraftanlagen und 3,2 Milliarden Euro in PV-Anlagen investiert werden.“

Die emissionsfreie Wasserstoffproduktion spielt bei der wirtschaftlichen Nutzung der sauberen Energie eine wichtige Rolle, „sie federt Preisspitzen ab“, sagt BLG-Geschäftsführer Marek Grimmelbein. Der Wasserstoff dient dabei als Langzeitspeicher, der die aus Sonne und Wind gewonnene Energie flexibel nutzbar macht. Das wiederum spart Geld, weil der Strom auch dann ins Netz gegeben werden kann, wenn die Nachfrage groß ist. Im Verlauf eines Tages ist das in den Stunden nach Feierabend der Fall, wenn vermehrt elektrische Haushaltsgeräte in Betrieb genommen werden. Der Energiepuffer kann zudem angezapft werden, wenn die Sonne nicht scheint oder es windstill ist, also kaum Energie erzeugt wird.

Tankstellennetz

Doch darin allein erschöpft sich die Rolle des Wasserstoffs nicht. In Niederelsungen soll er zum einen als Fahrzeugtreibstoff bereitgestellt und als grünes Gas bei der Gasversorgung eingesetzt werden. An der A 44 sollen Tankstellen mit 15 bis 20 Ladepunkten errichtet werden, die Ladeenergie soll als Wind-, Solar- und Wasserstoffstrom fließen. Auch für Istha ist eine Tankstelle in Planung. „Eines unserer Ziele ist es, die Schnellladeinfrastruktur in der Region auszubauen“, sagt Lübcke. Tanken und Einkaufen gehörten künftig für ihn zusammen. Der Ausbau der Ladenetze hinke aber noch hinterher.

Die Herausforderungen, vor denen die Region stehe, seien groß. Doch sie seien auch eine riesige Chance für eine Wertschöpfung vor Ort. Die Projektentwickler wollen Bürger, Kommunen und Unternehmen für den regionalen Ausbau der erneuerbaren Energien begeistern. Lübcke: „Wir wollen das Feld nicht ortsfremden Investoren überlassen.“ Wie beim Bürgersolarpark solle es für die Bürgerinnen und Bürger eine Möglichkeit geben, sich finanziell zu beteiligen und „vom eingebrachten Kapital eine seriöse Rendite abzuschöpfen“, verspricht Grimmelbein.

Wichtiger Beitrag zur Energiewende

Der Bund misst Wasserstoff bei der Energiewende große Bedeutung zu. Das geht aus der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung hervor. Das Gas kann in Brennstoffzellen die wasserstoffbasierte Mobilität befördern und als Basis für synthetische Kraft- und Brennstoffe genutzt werden. Wasserstoff ist ein Energiespeicher, der angebotsorientiert und flexibel erneuerbare Energien speichert und einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage schafft. (Antje Thon)

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