Bedürftige im Restaurant Altes Rathaus: Einmal richtig schlemmen

Festessen ohne Sorgen: Kerstin Witting (von links), Elke Krolak, Ellen Prusios und Helga Reitz füllen sich die Teller. Foto:  S. Hoffmann

Wolfhagen. Auf dem Herd ist kaum noch Platz. Topf an Topf stehen sie hier, die munter vor sich hin köchelnden Leckereien, die Sabine und Horst Kohn am Sonntagmittag mit ihren fleißigen Küchenhelfern seit Stunden vorbereiten.

Rotkohl, Klöße und Entenbrust lassen einen verführerischen Duft durch das Restaurant Altes Rathaus ziehen, der sich im weihnachtlich geschmückten Gastraum breit macht und die Vorfreude aufs nahende Adventsmahl bei den knapp 50 Gästen noch größer werden lässt, als sie es seit Tagen ohnehin schon ist. Ein warmes Mittagessen dieser Qualität nämlich ist für sie alles andere als selbstverständlich, denn sie können es sich schlicht nicht leisten.

Während sich gerade in der Vorweihnachtszeit viele Menschen ganz besondere und nicht selten kostspielige Köstlichkeiten gönnen, müssen sich die im alten Rathaus sehnsüchtig aufs Essen wartenden Gäste an den übrigen Adventssonntagen und auch am Fest mit dem zufrieden geben, was ihnen die Tafel zur Verfügung stellt. Sie alle sind auf die Lebensmittel der Einrichtung angewiesen, können beim Einkauf im Supermarkt höchstens Kleinigkeiten hinzu kaufen, je nachdem, was der Geldbeutel gerade hergibt. Doch das ist am Sonntag zumindest für ein paar Stunden vergessen, denn hier werden sie von Familie Kohn rundum verwöhnt.

Zum vierten Mal schon haben die Gastronomen Bedürftige in ihr Restaurant eingeladen, in Kooperation mit der Tafel, die im Vorfeld die Plätze unter den knapp 90 Bewerbern verlost hat. „Wir sind in Wolfhagen so herzlich aufgenommen worden, uns geht es gut, und deshalb möchten wir mit dieser Aktion zumindest ein klein wenig zurückgeben“, sagt Christina Kohn, während sie die letzten Schüsseln Salat bringt und das große Buffet noch einmal final prüft.

Ihre Schwester Paula Regenbogen hilft schließlich, die Deckel der Warmhaltebehälter abzunehmen. Extra aus Koblenz ist sie angereist, um ihre Familie bei der guten Tat zum Fest zu unterstützen. „Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, schließlich ist Weihnachten. Wenn wir als Familie da nicht zusammenhalten, wann dann?“

Mit strahlenden Augen bedienen sich die Beschenkten am reichhaltigen Schlemmerbuffet. Ein Stückchen Entenbrust, eine Kleinigkeit Hähnchen, Gemüse, Klöße und eine ordentliche Kelle leckerer Soße - „die Auswahl ist einfach traumhaft“, schwärmt Elke Krolak, für die nicht nur das Essen eine willkommene Abwechslung ist, sondern auch die Tatsache, es in netter Gesellschaft genießen zu können.

„Ich bin allein, mache mir zuhause nur Kleinigkeiten und esse die dann auf dem Sofa vorm Fernseher“, sagt die Breunaerin, die dankbar und glücklich ist, an diesem Tag dabei sein zu dürfen. „Es ist so schön, was Familie Kohn hier tut, und ich kann mich dafür nur bedanken. Das Essen ist eine Wucht, der Tag wunderschön, und ich bin rundum glücklich.“

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