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Begegnungstreff für Geflüchtete im Wolfhager Kulturladen

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Über 62 Anmeldungen zum Deutschkurs freuen sich Jutta Hauck und Heiko Weiershäuser. Vor den Räumlichkeiten der Awo Wolfhagen in der Torstraße 5 zeigen sie stolz die vier vollen Anmeldelisten sowie das Arbeitsheft zum Deutschlernen nach dem „Thannhauser Modell“.
Über 62 Anmeldungen zum Deutschkurs freuen sich Jutta Hauck und Heiko Weiershäuser. Vor den Räumlichkeiten der Awo Wolfhagen in der Torstraße 5 zeigen sie stolz die vier vollen Anmeldelisten sowie das Arbeitsheft zum Deutschlernen nach dem „Thannhauser Modell“. © LEA-SOPHIE MOLLUS

Um den ukrainischen Geflüchteten im Wolfhager Land den Start zu erleichtern, haben Engagierte einen Begegnungstreff im Kulturladen organisiert.

Wolfhagen – Wie viele Menschen aus der Ukraine bereits in Wolfhagen angekommen sind, lässt sich nicht genau sagen. Auch nicht, wie viele noch folgen werden. Um denen, die hier bereits Zuflucht gefunden haben, den Start zu erleichtern, haben Engagierte, unter anderem von der Ukrainehilfe Wolfhagen, einen Begegnungstreff im Kulturladen organisiert.

Dabei konnten sich die Geflüchteten gegenseitig finden und austauschen. Auch weitere Angebote zur Erleichterung der Integration wurden an dem Nachmittag vorgestellt – darunter ein Deutschkurs.

Die Idee wurde spontan umgesetzt

„Sie sind nicht allein“, sagt Manuela Matthaei von der Stadt Wolfhagen, die erst in der vergangenen Woche die Idee zu dem Treffen hatte und das Ganze auf die Beine gestellt hat. „Wenn ich mir vorstelle, in einem anderen Land zu sein und keinen zu kennen, würde ich mir wünschen, andere zu treffen“, beschreibt Matthaei ihre Motivation dahinter.

Unterstützung bekam sie von Pfarrerin Katharina Ufholz, Anja Müller-Opfermann von der evangelischen Kirchengemeinde, Katharina Öhl, Gründerin der Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Ukraine Stadt und Landkreis Kassel“ und Natja Krug von der Stadt Wolfhagen.

Nach den Grußworten, an denen sich auch Bürgermeister Reinhard Schaake beteiligte – übrigens von der jungen ukrainischen Mutter Dobra Marianna übersetzt – stellt Heiko Weiershäuser, Sportcoach und Integrationskoordinator, der sich auch in der ökumenischen Flüchtlingshilfe engagiert, seinen ehrenamtlichen Deutschkurs vor.

Sprache wird mithilfe von Symbolen und Illustrationen vermittelt

Zwar gebe es auch offizielle Sprachkurse des Landkreises, bis diese starteten, dauere es jedoch noch, erklärt Weiershäuser. Zur Überbrückung und weil die Kenntnis der Sprache ein wichtiger Baustein im Zuge der Integration sei, brachte er diese ehrenamtliche Variante auf den Weg. „Das wird nicht wie in der Schule, sondern wie in einer großen Familie“, sagt er voller Vorfreude.

Bei dem Kurs sollen erste Vokabeln vermittelt werden, die für Behördengänge und Arztbesuche wichtig sind. Die Grundlage liefert das Arbeitsheft „Deutschkurs für Asylbewerber“ nach dem „Thannhauser Modell“, das mithilfe von Symbolen und Illustrationen die Sprache näherbringt.

62 ukrainische Geflüchtete, überwiegend Frauen, haben sich für den Deutschkurs angemeldet

Wie es der Zufall so will, waren im Kulturladen auch zwei ukrainische geflüchtete Deutsch-Professorinnen anwesend. „Besser hätte es nicht kommen können“, freut sich Weiershäuser, nachdem ihm die Frauen ihre Unterstützung zugesichert hatten.

Während des zweistündigen Begegnungstreffens füllten sich die Anmeldelisten für den Kurs schnell. 62 ukrainische Geflüchtete, überwiegend Frauen, haben sich für den Deutschkurs angemeldet, erzählt Weiershäuser stolz.

Bereits in der Flüchtlingskrise 2015 Erfahrungen gesammelt

Der Integrationskoordinator ist kein Neuling auf dem Gebiet: Bereits in der Flüchtlingskrise 2015 hat er mit einem solchen Angebot gute Erfahrungen gemacht. In zwei Wochen soll es losgehen. Die Räumlichkeiten haben die Awo und der Vfl Wolfhagen zur Verfügung gestellt – als kleine Geste der Solidarität, so Jutta Hauck, Erste Vorsitzende der Awo.

Wenn es ihre Zeit zulässt, will sie zu den Kursen Waffeln backen und Kaffee zur Verfügung stellen.

Finanziert wird das Ganze bisher aus Spendenaktionen der Ukrainehilfe Wolfhagen. Wer spenden möchte, kann sich an die Awo, den Vfl oder Heiko Weiershäuser, Tel. 01 72/5 63 82 41, wenden.

Hilfe auf verschiedenen Wegen

Kontakte knüpfen: In den Kulturladen waren alle ukrainischen Geflüchteten eingeladen, die im Altkreis untergekommen sind. Die Begrüßung von Manuela Matthaei (hinten, Mitte, links) wurde von der Ukrainerin Dobra Marianna (hinten, Mitte, rechts) übersetzt.
Kontakte knüpfen: In den Kulturladen waren alle ukrainischen Geflüchteten eingeladen, die im Altkreis untergekommen sind. Die Begrüßung von Manuela Matthaei (hinten, Mitte, links) wurde von der Ukrainerin Dobra Marianna (hinten, Mitte, rechts) übersetzt. © Lea-Sophie Mollus

„Die Hilfsbereitschaft in dieser Stadt ist unglaublich“, sagt Heiko Weiershäuser im Kulturladen freudestrahlend. Der Deutschkurs ist nicht sein einziges Angebot für die ukrainischen Geflüchteten.

Als Sportcoach sieht er die Möglichkeiten, die gemeinsame sportliche Aktivitäten für die Integration mit sich bringen, und macht darauf aufmerksam. Unter anderem bietet er ab Mai einen Schwimmkurs für Frauen an.

Mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht

Von der Stadt hingegen wünsche man sich mehr Einsatz, sagt Carsten Röhl, der sich für die Ukrainehilfe Wolfhagen engagiert. Vor allem was die Kita-Plätze angeht: Derzeit gebe es keine Kapazitäten für ukrainische Kinder (wir berichteten). Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake äußert sich dazu insofern, als dass „Lösungen her müssen“. Es sei eine Analyse erstellt worden, wo Platz geschaffen werden könne – die Diskussion laufe weiterhin.

An alles gedacht: Für die vielen Kinder gab es eine Spielecke – die Spielsachen durften mitgenommen werden.
An alles gedacht: Für die vielen Kinder gab es eine Spielecke – die Spielsachen durften mitgenommen werden. © Lea-Sophie Mollus

Bei dem Treffen im Kulturladen war auch die Firma „Sogo“ für Gebäude- und Gartenservice vor Ort, um Arbeitskräfte anzuwerben und den Ukrainern einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. „Wir sind für alle Arbeitskräfte offen“, sagt Mitarbeiterin Clarissa Rohde, die als Ansprechpartnerin im Kulturladen war. Berufliche Vorkenntnisse seien wünschenswert aber kein Muss. (Lea-Sophie Mollus)

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