Begeistert von eleganten Beizvögeln

Falkner Stefan Weikert aus Niederelsungen ist Jäger und hilft verletzten Wildtieren

Früh übt sich: der dreijährige Jonas mit seinen Eltern Sandrina Barth und Stefan Weikert. Auf der Hand hält er den Sakerfalken Pieper.
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Früh übt sich: der dreijährige Jonas mit seinen Eltern Sandrina Barth und Stefan Weikert. Auf der Hand hält er den Sakerfalken Pieper.

Sie werden gerne dort eingesetzt, wo keine Jagdwaffen verwendet werden dürfen: Greifvögel. Der 45-jährige Falkner Stefan Weikert aus Niederelsungen arbeitet seit vielen Jahren mit diesen Tieren.

Niederelsungen – Wenn Stefan Weikert von der Beizjagd spricht, kommt er leicht ins Schwärmen. Von Eleganz und Ästhetik spricht er dann und beschreibt damit seine Jagdgefährten: Greifvögel. Der 45-jährige Niederelsunger ist Falkner und hat damit eine Leidenschaft, die einst Kaisern und Königen vorbehalten war.

Mit gekrönten Häuptern hat der VW-Mitarbeiter nun wahrlich wenig am Hut. Und auch, wenn die Falknerei, die der Mensch schon seit gut 3500 Jahren ausübt, bei arabischen Prinzen traditionell hoch im Kurs steht, ist es längst eine Beschäftigung, die nicht nur für gut Betuchte erschwinglich ist. Zumindest, wenn man bei der Auswahl der Tiere auf noch unausgebildete Greifvögel von seriösen Züchtern zurückgreifen kann. Um dann aber selbst den Vogel abzutragen, wie in der Jägersprache das Ausbilden genannt wird, braucht es eine gehörige Portion Erfahrung.

Und die hat Weikert ohne Zweifel in den vergangenen gut 15 Jahren gesammelt. Über seinen Schwiegervater, erzählt er, sei er damals zur Jagd gekommen. Er habe zunächst ganz normal den Jagdschein erworben. „Aber mir war damals schon klar, dass ich den Falknerschein auch machen würde.“ Er hat beide innerhalb eines Jahres geschafft.

Die Laufbahn als Waidmann begann wie bei so vielen: Mitarbeit und Mitjagen in kleinen Revieren – noch ohne Beutegreifer. Das änderte sich bald, und Stefan Weikert machte seine Erfahrungen mit den gängigen Beizvögeln. Zuerst kaufte er sich einen amerikanischen Wüstenbussard, später flog er Gerfalken und Lannerfalken. Auch mit Habichten ging er auf die Jagd nach Hasen, Kaninchen und Krähen.

Die gut ausgebildeten Beizvögel sind oft die einzige Möglichkeit, vor allem in den Städten, in denen keine Jagdwaffen eingesetzt werden dürfen, die Population von Tauben und Krähen zu dezimieren oder auch auf den Friedhöfen eine Kaninchenplage einzudämmen.

Drei Jahre lang besaß Stefan Weikert gar einen Alpensteinadler, den sein österreichischer Züchter von einem Käufer aus Frankreich zurücknahm und der für den Niederelsunger Jäger angesichts der unmittelbaren Vorgeschichte des Tiers zu einem günstigen Preis zu haben war.

„Ein Steinadler“, sagt Weikert, „ist dann das Maximum an Zeitaufwand und auch eine extreme Herausforderung, dass Jäger und Hund gesund bleiben“. Mit Atilla, so hieß der Adler, „habe ich hauptsächlich Füchse gefangen“. Von dem Tier ist er heute noch beeindruckt: „Ein Adler kann einem in die Seele schauen. Wenn man schlecht drauf ist, merkt der das und spiegelt es einem wider“. Ein Adler habe seinen ganz eigenen Charakter. „Wenn man da Fehler macht, dann tut das nicht nur weh, dann wird das richtig gefährlich.“

Und noch etwas sei beim Adler anders als bei anderen Beizvögeln: „Nicht ich gehe mit dem Vogel raus, sondern er nimmt mich mit zum Jagen.“ Üblicherweise gelte: „Der Adler stirbt mit dem Falkner“, beide bleiben über lange Zeit ein Team. Bei Stefan Weikert kam es anders. Der Adler sei „der zeitintensivste Vogel. Der muss rund ums Jahr gearbeitet werden, damit sich keine Aggressionen aufstauen“.

Aber dann musste Stefan Weikert wieder Schicht arbeiten, und ehe Atilla zu kurz gekommen wäre, entschied sich der Niederelsunger, ihn abzugeben. Heute geht sein Steinadler mit einem furchtlosen Engländer in Schottland auf Schneehasenjagd, sagt Weikert. Die beiden hätten sich auf Anhieb verstanden.

(Norbert Müller)

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