Reinhard Schaake (parteilos) ist einziger Kandidat

Bei Wolfhager Bürgermeisterwahl zeichnet sich mäßige Beteiligung ab

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Probesitzen für die Bürgermeisterwahl: Stella Jakob, Auszubildende der Wolfhager Stadtverwaltung, in der Wahlkabine des Rathauses. Hier haben Briefwähler die Möglichkeit zur Stimmabgabe.

Wolfhagen. Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl macht sich im Wolfhager Rathaus die Befürchtung breit, dass es am Sonntag Kasseler Verhältnisse geben könnte.

Dort hatte es bei der Wahl des Stadtoberhauptes am ersten Märzwochenende trotz sechs Kandidaten mit 36,7 Prozent eine extrem niedrige Wahlbeteiligung gegeben.

Und auch in Wolfhagen spricht einiges für eine schwache Beteiligung. Für Wahlleiter Frank Nagelschmitt ist die aktuelle Zahl bei der Briefwahl ein deutlicher Hinweis: Bislang haben 675 Wolfhager ihr Votum per Brief abgegeben. Bei der letzten Bürgermeisterwahl vor sechs Jahren waren es 1652 Briefe, die im Wahlbezirk eingegangen waren. Damals kam man am Ende des Wahltages auf eine Wahlbeteiligung von 57,8 Prozent.

Amtsinhaber Reinhard Schaake (parteilos) holte sich da den Sieg souverän mit 73,3 Prozent der Stimmen. Er hatte einen Konkurrenten, und am selben Tag fand zudem die Kommunalwahlen statt.

Zusätzliche Wahlanreize fehlen

In diesem Jahr fehlen diese zusätzlichen Anreize: Keine Wahlen zu den Ortsbeiräten und der Stadtverordnetenversammlung, und vor allem tritt Schaake ohne Gegenkandidaten an. Die Wahl ist deshalb aber durchaus nicht gelaufen, auch wenn Viele das nach den Wahlergebnissen Schaakes glauben, der 1999 mit 50,9 Prozent ins Amt gewählt, 2005 mit 66,8 erstmals bestätigt und 2011 mit fast dreiviertel der Stimmen wiedergewählt wurde.

Am kommenden Sonntag haben die Wolfhager Bürger – 10 320 sind zur Stimmabgabe berechtigt – die Möglichkeit, für oder gegen Schaake zu stimmen. Damit es am Ende ein gutes und vor allem deutliches Votum für ihn wird, hat der 57-Jährige auch nicht auf Werbung verzichtet: 65 Plakate wurden gehängt, rund 7500 Flyer verteilt, dazu gab es Hausbesuche und Bürgerveranstaltungen in allen Stadtteilen. Schaake: „Ich will gewählt werden und deutlich machen, es fehlt nicht an Engagement.“

Mit gepackten Kisten ins Wahllokal

Kisten für die Wahllokale: Wahlleiter Frank Nagelschmitt und Natja Krug vom Fachbereich Sozialwesen und Wahlen mit den Transportbehältern für die Stimmzettel. 

Die Wahlzettel sind gebündelt und für die einzelnen Wahllokale gepackt. Am Sonntag gehen sie in einheitlich grauen Plastik-Kisten vom Wolfhager Rathaus aus auf eine kurze Reise in die Stadtteile beziehungsweise in die Stadthalle, eben überall dorthin, wo am Sonntag eine Stimmabgabe zur Bürgermeisterwahl möglich ist.

Keine große Auswahl: Frank Nagelschmitt, Wahlleiter der Stadt Wolfhagen, mit dem Muster eines Wahlzettels. Einziger Kandidat ist Bürgermeister Reinhard Schaake.

Die Stadtverwaltung hat genügend Zettel drucken lassen, damit alle 10.320 Wolfhager Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben können. Die meisten, befürchtet Wahlleiter Frank Nagelschmitt, werden aber wohl unbenutzt im Schredder landen, eine Wahlbeteiligung deutlich unter 50 Prozent zeichnet sich derzeit ab. Und selbst wenn der Fall einträte, dass der einzige Kandidat, Amtsinhaber Reinhard Schaake (parteilos) wider Erwarten mehr Nein- als Ja-Stimmen einfahren würde und das gesamte Verfahren zur Bürgermeisterwahl komplett neu ablaufen müsste, wären die Zettel nicht mehr zu gebrauchen: Auf ihnen steht nämlich unter anderem das Datum des Wahltages.

Dazu aber auch gleich drei Mal der Name des Solisten, der antritt, um eine vierte Sechsjährige Amtszeit als Wolfhager Stadtoberhaupt zu absolvieren: Schaake wird als Kandidat genannt, mit Berufsbezeichnung (Bürgermeister), Alter (57 Jahre) und Wohnort (Wolfhagen-Viesebeck) ein weiteres Mal als Träger des Wahlvorschlags, denn hat er sich selbst beworben und schließlich steht sein Name in jenem Feld, in dem sonst das Kürzel einer Partei steht – aber Schaake ist parteilos.

"Ja" oder "Nein"

Dann gibt es natürlich die beiden Kreise. Für einen von beiden gilt es, sich zu entscheiden. Ja oder Nein. Für eine weitere Amtszeit reichen Schaake 50 Prozent der Ja-Stimmen plus eine weitere. Eine Mindeswahlbeteiligung gibt es nicht.

Am Sonntag treffen sich die Wahlvorstände der jeweiligen Bezirke um 7.30 Uhr in den üblichen Wahllokalen der Stadtteile, erläutert Wahlleiter Nagelschmitt den Ablauf, die Wahlhelfer – je nach Ort sind es sieben oder acht – teilen sich in zwei Schichten. Um 8 Uhr öffnen die Wahllokale, bis 18 Uhr haben die Wahlberechtigten Zeit, ihre Stimme abzugeben.

Briefwahl noch möglich

Briefwahl ist derzeit auch noch möglich. Die Unterlagen kann man noch bis Freitag, 17. März, 13 Uhr im Rathaus beantragen. Selbst am Samstag und auch am Sonntag besteht noch in begründeten Ausnahmefällen die Möglichkeit, die Stimme per Briefwahl abzugeben (siehe Hintergrund).

Ausgezählt wird unmittelbar nach Schließung der Wahllokale vor Ort, und zwar öffentlich. „Nur zugucken, nichts anfassen“, bringt Frank Nagelschmitt auf den Punkt, wie sich die Zaungäste zu verhalten haben. Die Ergebnisse aus den Stadtteilen und den vier Wahlbezirken in der Stadthalle werden telefonisch ins Rathaus gemeldet. Dort werden im Foyer per Beamer die Zahlen für alle Interessierten an die Wand geworfen.
Mit dem vorläufigen Endergebnis rechnet der Wahlleiter bis spätestens 19.15 Uhr, abrufbar auf www.hna.de/wolfhagen.

Bis dahin sind auch die grauen Kunstoff-Kisten längst wieder zurück im Rathaus. In ihnen werden die unbenutzten Stimmzettel transportiert und – sauber getrennt – die Blätter mit den Kreuzen.

Die Kisten werden schon am 24. September wieder gebraucht, dann sind auch die Wolfhager Wähler wieder gefordert – bei der Bundestagswahl. 

Wahl kostet die Stadt 13 276 Euro

Bei der Bürgermeisterdirektwahl in Wolfhagen am Sonntag, 19. März, gibt es 15 Wahlbezirke. Für die Kernstadt sind es vier in der Stadthalle. Philippinenburg/-thal sind zu einem gemeinsamen zusammengefasst, ebenso Ippinghausen und Leckringhausen.

Wahllokale haben zwischen 8 und 18 Uhr geöffnet

Gewählt werden kann in den Wahllokalen in der Zeit von 8 bis 18 Uhr. Briefwahl ist regulär bis Freitag möglich. Der letzte Zeitpunkt für die Antragstellung für Wahlberechtigte, die ins Wählerverzeichnis eingetragen sind, ist am Freitag um 13 Uhr im Briefwahlbüro im Einwohnermeldeamt des Rathauses. Für Fälle nachgewiesener plötzlicher Erkrankung hat das Briefwahlbüro am Samstag von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Da die Bürgermeisterdirektwahl eine Angelegenheit der Selbstverwaltung der Stadt ist, werden die Kosten von der Stadt getragen. Laut Natja Krug vom Fachbereich Sozialwesen und Wahlen der Wolfhager Stadtverwaltung liegen die Kosten bei 13.276 Euro. 2226 Euro entfallen davon auf die Entschädigung der Wahlhelfer. Sie erhalten jeweils ein sogenanntes Erfrischungsgeld in Höhe von 21 Euro. Für Büromaterial sind 2000 Euro eingeplant, für Porto und Versandkosten 3700 Euro, für Datenübertragungskosten 5100 Euro und für Fachliteratur 250 Euro.

Schaake lässt weitere Bewerbung offen

Für Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) geht es am Sonntag um seine vierte Amtszeit als Wolfhager Verwaltungschef. Die aktuelle Amtszeit läuft noch bis zum 31. Juli.

Derzeit in der Wahl um vierte Amtszeit: Bürgermeister Reinhard Schaake. 

Im Falle seines Wahlsieges würde der 57-Jährige vom Wolfhager Stadtverodnetenvorsteher im Rahmen einer Parlamentssitzung zu Beginn der neuen sechsjährigen Amtszeit vereidigt.

Auf HNA-Anfrage wollte er sich nicht festlegen, ob er in sechs Jahren, mit dann 63 Jahren, erneut zur Wahl antreten würde. Ausschließen wolle er es nicht, „es wird sich dann zeigen“.

Früher, so Schaake, habe es in Hessen eine Altersbegrenzung für Bürgermeister gegeben, sie habe bei 65 Jahren gelegen. Der Verwaltungschef: „Die gibt es aber nicht mehr.“ Er wolle jetzt aber nicht über die ferne Zukunft spekulieren, derzeit konzentriere er sich auf seine Wiederwahl am Sonntag mit einem möglichst guten Ergebnis, so Schaake.

Anregungen

Dafür habe er in den vergangenen Wochen in allen Wolfhager Stadtteilen geworben, habe mit Unterstützung von Bekannten und Freunden 65 Plakate aufgehängt, Flyer seien an die Haushalte verteilt worden. Er habe verstärkt das Gespräch mit den Bürgern gesucht und die Anregungen, die er dabei aus den Stadtteilen mitgebracht habe, auch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Zum Tage von Norbert Müller: Kampf um Stimmen

Soll keiner sagen, ihm sei die vierte Amtszeit wie ein reifer Apfel in den Schoß gefallen. Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake gibt sein Bestes, damit sich nicht der Eindruck durchsetzt, die Bürgermeisterwahl am Sonntag in Wolfhagen sei gelaufen, ehe sie überhaupt begonnen hat.

Und er hat gute Gründe, Plakate zu hängen, die Haushalte mit insgesamt gut 7500 Flyern zu bestücken, sich die Zeit für Hausbesuche und Bürgertreffs zu nehmen. Selbstverständlich und an erster Stelle: Er will die Wahl gewinnen. Nichts wäre für ihn schlimmer, als wenn er – konkurrenzlos an den Start gehend – am Ende mehr Nein-Stimmen auf dem Konto hätte, weil seine Anhänger zu sicher waren und sich den Urnengang schenkten.

Aber auch eine Wiederwahl mit miserabler Wahlbeteiligung wäre eine Hypothek. Schaake würde Gefahr laufen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit von seinen Kritikern darauf gestoßen zu werden, dass es mit äußerst sparsamer Legitimation und nicht mit breiter Unterstützung durch die Bürger das Amt ausübe.
nom@hna.de

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