Beim Verkehr ist viel Luft nach oben

Klimaschutz in Wolfhagen: Weniger Treibhausgase sind das Ziel

Die Sonne liefert die Energie: Die Dächer der Kitas Liemecke. Klimaschutzmanager Markus Huntzinger möchte die Kohlendioxidemissionen in Wolfhagen weiter reduzieren.
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Die Sonne liefert die Energie: Die Dächer der Kitas Liemecke wurden mit Fotovoltaikmodulen ausgestattet.

Weniger Treibhausgasemissionen – das ist das Ziel des Klimaschutzmanagements, das die Stadt Wolfhagen seit Herbst 2018 betreibt. Für die ersten Jahre gibt es eine positive Bilanz.

Wolfhagen – Sauberer, grüner, klimaneutraler: Die Ansprüche an die Entwicklung Wolfhagens sind hoch. Die globale Erderwärmung muss gestoppt werden. Und das geht nur, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Klimaschutzmanager Markus Huntzinger hat den Abschluss der ersten dreijährigen Projektphase des kommunalen Klimaschutzmanagements Ende Oktober 2021 nun zum Anlass genommen für eine Bilanz.

So habe der Kohlendioxid(CO2)ausstoß in Wolfhagen von 102 600 Tonnen im Jahr 2016 auf 94 900 Tonnen im Jahr 2019 reduziert werden können. Detaillierte Zahlen für die vergangenen zwei Jahre liegen noch nicht vor, Huntzinger geht aber anhand zahlreicher positiver Effekte, etwa in den Bereichen Erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und Mobilität, von einem Wert von mittlerweile knapp 90 000 Tonnen aus. Damit sei die Emission von Treibhausgasen in Wolfhagen pro Kopf von mehr als acht Tonnen im Jahr 2016 auf nunmehr etwa sieben Tonnen gesunken. Damit stehe die Stadt im deutschlandweiten Ranking gut da: Bundesweit sei der Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als neun Tonnen auf acht Tonnen gesunken. Allerdings zeigen die aktuellen Zahlen für 2021 erstmals wieder einen Anstieg freigesetzter Treibhausgase in der Bundesrepublik.

Wolfhagens positiver Trend sei freilich nicht allein sein Verdienst, sagt Huntzinger. Es sei eine Entwicklung, die sich auch in anderen Kommunen beobachten lasse. Menschen wechseln beim Heizen von Öl zu Pellets oder Wärmepumpen, regenerative Energien leisten ihren Beitrag, der Anteil von Fahrzeugen mit E-Antrieb nimmt zu.

Der 49-Jährige sieht sich als Klimaschutzmanager in der Rolle des Koordinators. „Ich stoße Dinge an, treibe sie voran.“ Huntzinger nennt ein Beispiel aus dem Bereich Kommunalverwaltung, der eines von sechs Handlungsfeldern ist, in denen sich die Stadt auf den Weg in Richtung Klimaneutralität begeben hat. Neuerdings orientiert sich das Beschaffungswesen der Verwaltung an den Kriterien der Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit, erst danach kommt der Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Die Abteilungen im Rathaus seien gut ausgelastet, neue Verfahrensweisen umzusetzen, gerieten da schnell aus dem Blick. „Ich setze die Prozesse auf, die sich dann später verselbstständigen sollen“, sagt der Betriebswirt.

Huntzinger nutzt sein Fachwissen, seine Kontakte und bringt Menschen zusammen. Als im vergangenen Jahr die Kitas Landgrafenstraße und Liemecke sowie das Rathaus mit Fotovoltaik ausgestattet werden sollten, stand zunächst das Problem der Finanzierung. Als klar war, dass die Kommune die Investition nicht würde stemmen können, nahm er zur Bürgerenergiegenossenschaft Kontakt auf und fand in ihr eine Partnerin. Sie kaufte die Anlagen, die von der Stadt betrieben werden. Das Ergebnis: 32 Tonnen CO2 pro Jahr werden eingespart.

Weil die Stadtverordneten den Beitrag des Klimaschutzmanagements für Wolfhagen erkannt haben, haben sie das Projekt um zwei Jahre verlängert. Bis zum 31. Oktober 2023 läuft nun das Anschlussvorhaben, das zu 50 Prozent gefördert wird. Die Förderquote für die ersten drei Jahre hatte bei 90 Prozent gelegen. Der Schwerpunkt sollte aus Sicht Huntzingers in den kommenden Jahren im Bereich Verkehr, einem weiteren Handlungsfeld, liegen. „Dort hat Wolfhagen seine größten Probleme.“ 85 Prozent aller Strecken würden in Wolfhagen mit dem Auto zurückgelegt. Bei einer Flächenkommune mit elf Stadtteilen und zahlreichen Arbeitsplätzen im regionalen Umfeld dränge sich der hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs auf. Ihn zu reduzieren sei die Herausforderung der nächsten Zeit.

Für Markus Huntzinger ist die Richtung klar: Die Ampel-Parteien der neuen Bundesregierung streben die Klimaneutralität noch vor dem Jahr 2045 an. „Es wäre wünschenswert, wenn wir schneller wären.“ Dazu müsste die Stadt aber auch Geld in die Hand nehmen. (Antje Thon)

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