Bitterböse und auch witzig

Bernd Gieseking blickte im Kulturladen Wolfhagen satirisch aufs Jahr zurück

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Hat den Durchblick: Bernd Gieseking bei seinem Auftritt im Kulturladen.  

Wolfhagen. Alle Jahre wieder kommt der Kabarettist Bernd Gieseking. Als vorzeitige Bescherung hatte er den satirischen Jahresrückblick „Ab dafür“, eine Mischung aus Lesung, Geschichten, Witze und Kommentare mitgebracht.

Gleich zu Beginn erzählt er dem Publikum im voll besetzten Kulturladen, dass er keine Weltuntergangsstimmung habe. Er sei im Gegenteil sehr optimistisch und fände das Jahr 2016 super. Alles sei doch gut. „Mutti“ würde weitermachen, da ihr jetzt Sigmar Gabriel (SPD) sogar Asyl angeboten hätte. Flüchtlinge würden auch kaum noch kommen, denn die hätten wir inzwischen genügend verschreckt.

Der Kabarettist aus Ostwestfalen nimmt sie alle der Reihe nach aufs Korn: die großen und die kleinen Schurken aus Politik, Gesellschaft, Sport und Kultur. So muss Trump als Beispiel dafür dienen, dass Regieren auch ohne Gehirn funktioniere und dass der Fußball ohne Lukas Podolskis intelligente Sprüche uninteressant geworden sei. Lustige Einfälle hat Bernd Gieseking allemal. So führt er fiktive Telefongespräche, die aus Songtiteln von Bob Dylan und Udo Lindenberg bestehen.

Brüllendes Gelächter

Der kleine, große Mann aus der Nähe von Minden entpuppt sich als ein Meister des Wortspiels, als er beispielsweise Politiker über die Wörter „sagen“ und „denken“ resümieren lässt. Brüllendes Gelächter vom Publikum bei einem Zitat von Peter Altmaier (CDU): „Ich denke nicht, ich kaue noch!“ Überhaupt macht sich bei den Zuschauern im Laufe des Abends ein Dauergrinsen und -lachen breit. Bei Bernd Gieseking sitzt jede Pointe, Sprachwitz und Komik vereinen sich. Als Satiriker legt er die Finger auf die Wunde, wie bei den Themen Pegida und AfD. Und dem Publikum bleibt manchmal das Lachen im Halse stecken, denn der alltägliche Wahnsinn ist nur zu bekannt. Zwischendurch mal eine kurze Lesung aus seinen diversen Büchern, zum Beispiel über sein Lieblingsland Finnland.

Satire auf Tatort

Seine neueste Errungenschaft ist ein Drehbuch, eine Satire auf die Fernsehkrimis Tatort. Mit eindrucksvoller Mimik und Gestik spielt er das Drehbuch in Kurzfassung auf der Bühne vor.

Das Fernsehen habe leider das Drehbuch abgelehnt, sagt Gieseking. Begründung: Das Thema sei zu unrealistisch, denn ein IS-Terrorist, der von der deutschen Polizei gefasst worden sei und im Gefängnis Selbstmord begehe, das sei in Deutschland schlichtweg unmöglich.

Das Publikum kam gar nicht mehr aus dem Lachen heraus und belohnte den Kabarettisten nach zwei Zugaben mit lang anhaltendem Beifall.

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