Berufspaten an der Herwig-Blankertz-Schule helfen beim Einstieg in die Arbeitswelt

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Übung macht den Meister: Berufspatin Annemarie Feuring (links) simuliert mit HBS-Schüler Marko Lubach ein Vorstellungsgespräch, dessen Mitschüler Levent Altindag (hinten von links), Sahra Wakili und Christoph Rohe interessiert zuhören.

Wolfhagen. Völlig unaufgeregt geht Marko Lubach ins Vorstellungsgespräch. Es ist das erste im Leben des 16-Jährigen. Entspannt ist er, weil er genau weiß, dass es sich nur um ein Testgespräch handelt.

Berufspatin Annemarie Feuring hat in der Herwig-Blankertz-Schule (HBS) dennoch dafür gesorgt, dass alles möglichst realistisch wirkt.

Handschlag zur Begrüßung, Kaffee und kalte Getränke, Unterlagen, Zettel und Stift auf dem Tisch, an dem sie mit ihrem Bewerber Platz nimmt - wie im Personalbüro ganz gewöhnlicher Arbeitgeber. Sogar Möhrensticks locken zum Knabberspaß, Marko Lubach aber konzentriert sich lieber aufs Wesentliche: einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen.

Stärken in den Fokus stellen

Ranja Al-Rafiq

Während sich der Schüler ordentlich ins Zeug legt, haben seine Mitschüler Valdrin Asani und Ranja Al-Rafiq das simulierte Bewerbungsgespräch bereits hinter sich. Sie sind zufrieden, auch wenn es ein paar kleine Punkte zu bemängeln gab. Zumindest bei Valdrin, der Kfz-Mechatroniker werden möchte. „Meine Stärken hätte ich besser in den Fokus stellen können“, sagt er und meint speziell seine Teamfähigkeit. Diese einfach nur zu benennen, reiche nicht aus, das habe er aus dem anschließenden Gespräch mit seinem Berufspaten mitgenommen. „Ich hätte beispielsweise sagen können, dass ich es durch das Fußballspielen gewohnt bin, im Team zu arbeiten.“ Das wolle er beherzigen, wenn es nach der Schule ernst werde.

„Wir wollen motivieren und unterstützen.“

Ranja hingegen ist rundum zufrieden mit sich, und blickt dem ersten wirklichen Bewerbungsgespräch locker entgegen. Sie will medizinische Fachangestellte werden und weiß genau, was es dafür braucht. „Man muss auf jeden Fall Blut sehen können“, so die 17-jährige Zierenbergerin, die sicher auch aufgrund ihrer zahlreichen Praktika auf dem Weg ins Berufsleben punkten kann. „Ich arbeite gern mit Menschen, habe bereits in den medizinischen Bereich reingeschnuppert, unter anderem in einer Arztpraxis, im Altenheim und beim Zahnarzt.“

Beide werden aufgrund des Berufspatenprojekts künftig selbstbewusster in reale Bewerbungssituationen gehen, worum es auch Klassenlehrerin Elke Hubweber geht: „Wir wollen motivieren und unterstützen, als Berufsschule haben wir natürlich ein besonderes Interesse, unsere Schüler in die Arbeitswelt zu bringen.“

Engagement in der Freizeit

Unterstützt wird sie dabei von fünf Berufspaten aus unterschiedlichen Berufsfeldern, die mit den Schülern der Klasse 10BFS im zum Trainingszentrum umfunktionierten Campus intensiv arbeiten. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, um die berufliche Zukunft junger Menschen aktiv zu fördern.

Valdrin Asani

Vermeintlich kleine Tipps können da schon Großes bewirken. Beispielsweise, neben Stärken auch einige Schwächen zu benennen. Hier macht Übung den Meister, und auch Marko Lubach muss einsehen, dass seine Ehrlichkeit im simulierten Bewerbungsgespräch mit Berufspatin Annemarie Feuring zwar durchaus sympathisch ist, ihm im Ernstfall aber doch im Weg stehen könnte. „Ich kann mir nur schlecht Dinge merken, das habe ich gesagt, werde aber auf den Rat der Experten hören und lieber Schwächen benennen, die nichts mit dem Beruf zu tun haben, um den ich mich bewerbe.“ Mit dem Wissen kann er nun in die Bewerbungsphase starten, genau so selbstsicher, vielleicht aber nicht ganz so unaufgeregt wie zuvor.

Das Berufspatenprojekt besteht seit 2008 und steht unter der Schirmherrschaft von Anne Janz, Jugenddezernentin der Stadt Kassel und Susanne Selbert, Jugenddezernentin des Landkreises. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Kassel angeboten und vom Land Hessen und dem Europäischen Sozialfond gefördert. Seit 2010 ist die ArbeitsförderungsGesellschaft (AGiLgGmbH) Träger des Projekts. In Wolfhagen wird die Arbeit mit den Berufspaten finanziell durch den Förderverein der Herwig-Blankertz-Schule unterstützt.

www.landkreiskassel.de/bildung/projekte/berufspaten

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