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Betrüger lauern auf Online-Portalen: Menschen aus dem Landkreis Kassel sind Opfer

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Von: Bea Ricken

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Rund 20 Anzeigen liegen der Polizei in der Region inzwischen vor: Betrüger tummeln sich auf Online-Portalen.
Rund 20 Anzeigen liegen der Polizei in der Region inzwischen vor: Betrüger tummeln sich auf Online-Portalen. ©  Sebastian Gollnow/dpa

Love-Scamming, Enkeltrick, der falsche Polizeibeamte, Internetbetrug und andere Straftaten nehmen immer mehr zu. Wir klären in Zusammenarbeit mit der Polizei auf und geben Tipps zur Prävention.

Wolfhager Land – Es ist in Wolfhagen passiert, in Grebenstein, Vellmar und anderen Kommunen in Stadt und Landkreis Kassel: Der Betrug auf Kleinanzeigenportalen hält die Polizei in Atem. Rund 20 Anzeigen liegen der Polizei aktuell vor. Es gibt verschiedene Maschen, von denen Kriposprecher Marcel Kliem berichtet.

Eine 49-jährige Wolfhagerin hatte ein Boxspringbett bei Ebay-Kleinanzeigen inseriert. Daraufhin meldete sich ein angeblicher Interessent per SMS-Nachricht. Weil die Telefonnummern bei diesem Portal hinterlegt sind, ist dies problemlos möglich.

Er komme aus der Schweiz und ziehe wieder in den Landkreis Kassel. Den Preis akzeptiere er so, schrieb der Unbekannte. Da er noch örtlich gebunden sei, komme ein Spediteur vorbei und hole das Bett ab. Ab diesem Punkt schöpfte die Frau bereits Verdacht und beendete den Kontakt mit dem Betrüger.

Ein Mann aus Vellmar bemerkte zu spät, dass er einem Betrüger aufgesessen war. Nachdem ihm dieser eine Kaufzusage für ein neues Smartphone gegeben hatte, wurden die Zahlungsmodalitäten besprochen. Der Täter bot dem Vellmarer die Funktion „Sicher bezahlen“ der Plattform Ebay-Kleinanzeigen an. Ein Angebot, das den Vellmarer in Sicherheit wiegte. Zumal der Betrüger ihm noch „hilfsbereit“ die Funktion dieser Bezahlmöglichkeit erläuterte.

Anschließend schickte ihm der Täter einen Link zu einer Website. Diese enthielt Elemente und Begriffe wie zum Beispiel „die-bestellung-bestaetigen.shop“ oder „ebay-de.order1908.site“. Eine weitere vertrauensbildende Maßnahme.

„Das Opfer klickte auf den Link und gelangte zu einer Website, die optisch der Ebay-Kleinanzeigen-Seite nachempfunden ist“, erläutert der Kripobeamte die Vorgehensweise. Hier sei er aufgefordert worden, seine Kreditkartendaten vollständig einzugeben, um die Zahlung zu empfangen. „Dies gelang jedoch nicht und endete mit einer Fehlermeldung“, so Kliem. „Karte nicht akzeptiert“ und „Vorgang konnte nicht abgeschlossen werden“, las der Vellmarer und wunderte sich, dass seine Karte nicht funktionierte. Was er nicht wusste: Dieser vermeintliche Fehler war ebenfalls gewollt. Nun nutzte er auch noch seine EC-Karte und gab die Daten ein. Dann brach plötzlich der Kontakt zu dem angeblichen Käufer ab.

Als es zu spät war, stellte der Vellmarer fest, dass von seinen Konten mehrere Tausend Euro ins Ausland abgebucht worden waren. Geld, das er nicht wiedergesehen hat.

Der Kripobeamte schildert noch einen anderen Fall: Betrüger bieten meist teure Elektronikartikel zu unschlagbar günstigen Preisen an. „Das allein sollte schon eine Warnung sein.“ Zudem reagierten die Täter gewöhnlich unmittelbar auf Anfragen von Käufern und gingen auch bereitwillig auf Preisverhandlungen ein.

„Die Betrüger geben dabei vor, kein Paypal-Konto und auch kein Bankkonto zu haben und verweisen auf die „Sicher Bezahlen-Funktion.“ Kurz nachdem der bis dahin noch arglose Käufer dann in seiner App die Funktion „Sicher Bezahlen“ ausgewählt und den gewünschten Betrag angefragt habe, werde er vom Verkäufer mit der Bitte kontaktiert, die Funktion „Sicher Bezahlen“ durch Angabe seiner Telefonnummer zu bestätigen. Kliem rät, die Verhandlungen bei diesen Warnhinweisen sofort abzubrechen. Im weiteren Verlauf erhält der Käufer auf die von ihm preisgegebene Handy-nummer eine SMS mit einem Link zu einer Betrugsinternetseite. Klickt er diesen Link an, verlässt er die sichere App des Kleinanzeigenmarktes und befindet sich nun auf einer unsicheren, von Betrügern gemachten Internetseite.

Dort wird der Käufer aufgefordert, per Kreditkarte zu bezahlen. Nachdem er gezahlt hat, erhält er die Mitteilung vom Verkäufer, dass die Zahlung nicht funktioniert hat und wird erneut zur Zahlung aufgefordert. „Das führt letztendlich dazu, dass der Geldbetrag mehrfach über die Kreditkarte des Käufers abgebucht wird“, warnt der Kripobeamte vor dieser Masche. Foto: Polizei präsidium Nordhessen (Bea Ricken)

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