Noch viel zu entdecken

Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel geht in den Ruhestand

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In wenigen Tagen ist Schluss: Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel geht am 31. Oktober in den Ruhestand. Er kennt hunderte Fundstellen in Nordhessen und weiß, wo der Boden einen Blick in unsere Vergangenheit freigibt. Der Hohe Dörnberg im Landkreis Kassel, der im Hintergrund zu sehen ist, ist so ein spannender Ort. Dort wurden Scherben gefunden aus Jungsteinzeit, Eisenzeit und aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Der Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel weiß, wie die Jahrhunderte die Region prägten, damit hat er sich 22 Jahre lang befasst. Am 31. Oktober geht er in den Ruhestand.

Im Boden suchte er nach Hinweisen auf unsere Vorfahren. Er entdeckte Scherben, Münzen, Waffen, Werkzeuge, buddelte Gräber und Siedlungen aus und ordnete die Funde zeitlich ein. Sippel recherchierte und tüftelte, wie neue Entdeckungen in bekannte Zusammenhänge passen. 

Mitunter musste die Geschichte neu geschrieben werden. So vor drei Jahren, als mit Entdeckung der Stadtwüstung Rodersen im Erpetal zwischen Wolfhagen und Ehringen klar wurde, dass die nahegelegene mittelalterliche Wüstung Landsberg eine Vorgängerin hatte. In Fachkreisen war das eine Sensation.

Sippel hält Nordhessen archäologisch für hoch spannend. Er kennt weit über 3500 Fundstellen, „früher hatte ich die alle im Kopf.“ Das war, als er nach Abschluss seiner Promotion im Jahr 1984 zunächst als Freiberufler arbeitete. „Damals bin ich durch die Wälder gelaufen und habe mich um die Bestandsaufnahme der archäologischen Fundstellen gekümmert.“

Den Höhepunkt seiner Forschungsarbeit erlebte Sippel als Student der Vor- und Frühgeschichte. In Niedenstein-Kirchberg stand er nach Tagen akribischer Grabungen mit beiden Beinen in einem anonymen Grab. In ihm waren eine Frau und ein Mann bestattet. 

Das Grab stammte aus der Missionarszeit zwischen den Jahren 700 und 720 und dokumentiert eine wichtige Wende in der historischen Entwicklung der Region. Damals drängten die Franken in das heidnische Althessen und brachten das Christentum.

Wie dieser gesellschaftliche Umbruch vonstattenging, darüber würde der Archäologe, der aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg stammt und heute in Lohfelden lebt, gern mehr wissen. „Wie schnell setzt sich ein neuer Glaube durch? Und wie trennt man sich von alten Göttern?“ Auf diese Fragen hat Sippel jedoch keine Antwort, auch die zahlreichen Funde – die bedeutendsten werden im Landesmuseum aufbewahrt – helfen ihm da nicht weiter. 

Für seine Nachfolgerin Dr. Eveline Saal, die ab November mit Ausnahme des Kreises Waldeck-Frankenberg die Region betreuen wird, bleibt noch viel Arbeit. Der 65-Jährige schätzt, dass der Boden erst zehn Prozent seiner Geheimnisse freigegeben hat. 

Neue Methoden, bei denen eine Landschaft per Laser abgescannt und bei denen aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten des reflektierten Lichtstrahls ein digitales Geländemodell erzeugt werden kann, helfen künftig bei der Interpretation des Geländes.

Sippel wird der Archäologie verbunden bleiben. Er will angefangene Arbeiten abschließen und seine bisher 170 Publikationen um weitere ergänzen. Ab 2019 wird er im Fundarchiv des Hessischen Landesmuseums und für die Museumslandschaft Hessen Kassel tätig werden.

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