E-Bikes bei Dieben beliebt

Anzahl an gestohlenen E-Bikes ist im Landkreis deutlich gestiegen – kaum Diebstähle hingegen im Wolfhager Land

Ein Mann knackt mit einem Bolzenschneider ein Fahrradschloss.
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Billigschlösser schützen nicht vor Fahrrad-Diebstahl. Neben einer ausreichenden Sicherung ist auch entscheidend, das Rad an einem fest verankertem Ort abzustellen. (Symbolfoto)

Fahrrad-Diebe stehlen immer mehr E-Bikes im Landkreis Kassel. Im Wolfhager Land bestätigt sich diese Tendenz nicht. Der Anteil gestohlener E-Bikes könnte in den kommenden Jahren aber weiter steigen.

Wolfhager Land – Bereits im vergangenen Jahr war im Landkreis Kassel der Anteil an gestohlenen Pedelecs, so der verkehrsrechtliche Ausdruck, um zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2018 gestiegen, sagt Ulrike Schaake vom Polizeipräsidium Nordhessen für Stadt und Landkreis Kassel. „Im Aktuellen könnte ihr Anteil bei den gestohlenen Rädern noch höher liegen“, sagt sie.

Ulrike Schaake, Sprecherin Polizeipräsidium Nordhessen für Stadt und Landkreis Kassel.

Im Altkreis Wolfhagen hingegen habe es im laufenden Jahr bisher wenn überhaupt nur vereinzelt Diebstähle gegeben, wie Polizeihauptkommissar Karsten Turski sagt. E-Bikes seien dabei nicht auffällig häufiger betroffen gewesen als herkömmliche Fahrräder.

Anzahl gesamt gestohlener Fahrräder im Wolfhager Land sinkt

Bereits in den Vorjahren hatte sich die Anzahl eingegangener Anzeigen wegen Fahrrad-Diebstahls reduziert: Im Jahr 2018 waren es 17, im Folgejahr nur noch zwölf.

Dieser Trend gelte zwar auch für den Landkreis Kassel, wenngleich man sich im laufenden Jahr auf dem Niveau des Vorjahrs bewege, wie Schaake berichtet. 171 Anzeigen habe es 2018 gegeben, mit 122 im Jahr 2019 ganze 49 weniger.

Bemerkenswert ist dabei aber, dass sich der Anteil an gestohlenen E-Bikes trotzdem vom Jahr 2018 auf das vergangene Jahr mehr als verdoppelt hat: Neun Prozent betrug er 2018, aber schon 20 Prozent im Jahr 2019.

E-Bikes sind vor allem wegen ihres Wertes bei Dieben beliebt

Beliebt seien E-Bikes bei Dieben vor allem wegen ihres Werts im meist vierstelligen Euro-Bereich. Dafür sind sie sogar bereit, wie im vergangenen Herbst in Kassel geschehen, ein Straßenschild abzumontieren, um an das daran angeschlossene E-Bike heranzukommen.

Ob sie für das Stehlen von Pedelecs jedoch grundsätzlich mehr Aufwand betreiben, kann man laut Polizei aber nicht abschließend beurteilen. „Sicherlich ist aber der Anreiz bei einem hohen Sachwert für die Diebe größer“, sagt Schaake.

Sie empfiehlt: „In der Öffentlichkeit sollte man ein Rad nur so lange wie nötig stehen lassen.“ Denn dort sowie in privaten Räumen wie Keller und Schuppen geschehen viele Fahrrad-Diebstähle. Feste Trends für bestimmte Orte gebe es dabei jedoch nicht.

Eine gute Sicherung der Fahrräder ist besonders wichtig

Fahrräder werden sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich gestohlen, sagt Ulrike Schaake, Polizeisprecherin des Polizeipräsidium Nordhessen für Stadt und Landkreis Kassel. Dabei schrecken Diebe auch nicht davor zurück, in Keller, Schuppen oder Gartenlauben einzubrechen. Mit ein paar wenigen, einfachen Möglichkeiten könne man sich aber vor Fahrrad-Diebstahl schützen.

Abstellen an einem belebten Ort

In der Öffentlichkeit sollten Räder an belebten, gut einsehbaren und insbesondere nachts beleuchteten Orten abgestellt werden, so Schaake. Grundsätzlich gelte, ein Rad nicht länger als nötig öffentlich stehen zu lassen.

Keine Billigschlösser

Billigschlösser sind häufig nutzlos, sagt Schaake. Geeignet seien stabile Bügelschlösser und Panzerkabel. „Für ein passendes Schloss sollten zehn Prozent des Fahrradpreises eingerechnet werden. Je teurer und leichter ein Rad, umso schwerer und teurer sollte auch das Schloss sein.“

Verbraucher müssten bei Ketten, Bügeln und Schlössern auf „geprüfte Qualität“ aus hochwertigem Material wie durchgehärtetem Spezialstahl achten. Der Verband der Schadensversicherer (Vds) biete ein Verzeichnis von anerkannten Schlössern an. Auch Abstellorte zuhause sollte man gut gegen unbefugten Zutritt sichern.

Abstellort ist entscheidend

„Häufig werden Fahrräder mit zwar wirksamen Schlössern abgeschlossen, jedoch nicht angeschlossen. Das heißt, sie können mühelos weggetragen werden“, erklärt Schaake.

Sowohl der Rahmen als auch beide Räder sollten daher an einem fest verankerten Gegenstand abgeschlossen werden. „Es gab schon einen Fall, in dem Täter einen Baum abgesägt haben, um ein daran angeschlossenes Fahrrad zu stehlen“, sagt die Polizeisprecherin.

Bei Verdacht: Polizei alarmieren

Um hochwertige Schlösser zu knacken, nutzen professionelle Diebe meist entsprechendes Werkzeug und benötigen dafür Zeit. Der Einsatz beispielsweise einer Akku-Flex verursacht dabei aber in der Regel auch gut wahrnehmbare Geräusche.

„Zögern Sie bei verdächtigen Wahrnehmungen nicht und rufen Sie über den Notruf 110 die Polizei“, sagt Schaake.

Auch Anteil an verkauften E-Bikes steigt

E-Bikes werden immer beliebter. Allein im vergangenen Jahr wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) insgesamt 1,36 Millionen der verkehrsrechtlich sogenannten Pedelecs verkauft.

Damit habe man die Millionenmarke erstmals überschritten und den deutschlandweiten E-Bike-Bestand auf 5,4 Millionen angehoben.

Auch im Zuge der Coronakrise seien die E-Bike-Verkäufe erneut gestiegen und allein im ersten Halbjahr 2020 bereits 1,1 Millionen verkauft worden.  (Jan Trieselmann)

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