Bio-Imker Daniel Schimmel

Nach der Honig-Ernte auf die Nuss-Plantage

Neue Heimat für neue Bienenvölker: In den Honigraum-Zargen finden die Rähmchen Platz, in die das jeweilige Volk seine Waben baut. Fotos: Norbert Müller 

Er ist Profi-Imker, baut Bio-Walnüsse an und versucht sich als Winzer: Daniel Schimmel, den es aus dem Badischen ins Wolfhager Land zog, steckt voller Tatendrang.

Der Mann hat jede Menge Energie, da besteht kein Zweifel. Müßiggang ist nicht sein Ding. „Ich kann nicht anders. Ich muss schaffe, sonst werd’ ich verrückt“, sagt Daniel Schimmel mit unverkennbar badischem Dialekt. „Ich will schon noch Gas gebbe, ich hab’ schon noch einiges vor“, lässt er keinen Zweifel an seinem Tatendrang.

Da ist der 28-Jährige schon den unzähligen Bienen ähnlich, die zu seinen Völkern gehören. Denen sagt man ja auch einen unbändigen Fleiß nach. Schimmel ist hauptberuflicher Imker, zertifiziert durch Bioland. Inzwischen hat er die Bärenberg-Imkerei von Henning Jeschke in Altenhasungen übernommen.

Auf neues Terrain hat er sich da nicht begeben. Seit gut zehn Jahren, sagt der Mann aus Gondelsheim bei Bruchsal, hält er Bienen, seit 2018 betreibt er die Imkerei im Vollerwerb. Bald nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Karlsruhe, erzählt er, hat er sich selbstständig gemacht.

Seinen Lebensschwerpunkt hatte der Badener da der Liebe wegen gerade nach Nordhessen verlegt, genauer: nach Dörnberg. Dort wohnt seine Frau, eine Lehrerin, die nicht so ohne Weiteres umziehen konnte. Also ist Daniel Schimmel nach Dörnberg gewechselt.

Und da kam dann noch ein besonderer Zufall ins Spiel: Henning Jeschke, der Bio-Imker aus Altenhasungen, suchte einen Nachfolger für seine Imkerei, wollte die modernen Räumlichkeiten vermieten. Schimmel erfuhr davon, und man wurde sich einig. „Ein Glücksgriff war das“, sagt Schimmel. Seitdem hat die fusionierte Imkerei des Badeners ihren Sitz in Altenhasungen, auch wenn der Großteil seiner Völker gar nicht in Nordhessen steht.

Das hat damit zu tun, dass der 28-Jährige mit seinen Völkern während der Saison überwiegend wandert. Vor allem „im Süden“, wie Schimmel sagt, in der alten Heimat. Das hat Vorteile: Im Süden, erzählt er, blüht der Raps ab Anfang April, dann stehen seine Bienen genau dort an ausgewählten Feldern. Danach kommen diese Bienen per Transporter und Anhänger direkt nach Nordhessen, wo der Raps erst gut vier Wochen später in voller Blüte steht. Das verspricht eine doppelte Rapshonig-Ernte.

In Nordhessen hat er vier Dauerstandorte, an denen 80 Völker angesiedelt sind. „Der ganze Rest wird gewandert“, sagt der emsige Jungunternehmer. Ein Teil der 100 Wandervölker kommt nach dem Raps in die Akazien bei Bruchsal, danach folgen Lindenblüte, Sonnenblumen, Edelkastanie, Waldblüte und schließlich die Tannen für einen besonders kräftigen Honig im Schwarzwald.

Ein paar Waben sind noch übrig: Daniel Schimmel an der Honig-Schleuder der Bärenberg-Imkerei.

In dieser Zeit ist der 28-Jährige ständig auf Achse und von morgens bis in die Nacht am Schaffen. Sieben Tage die Woche. Inzwischen ist die Honig-Ernte abgeschlossen. Die Wanderbienen haben so an die 100 Kilo pro Volk eingeflogen, die auf dem Stand zwischen 50 bis 60 Kilo.

In großen Gebinden lagert Schimmel die Ernte in einem kühlen Weinkeller im Badischen. Nach und nach wird der Honig in Gläser abgefüllt. Eine Arbeit, die ihn noch über den Winter beschäftigen wird, genauso wie die Behandlung der Völker zum Schutz vor Schädlingen und der ganze Papierkram, der wegen der Bioland-Zertifizierung besonders üppig ist.

Die Gläser mit dem Bioland-Honig aus der Bärenberg-Imkerei gibt es deutschlandweit in Geschäften zu kaufen, im Laden der Bärenberg-Imkerei in Altenhasungen und in Kürze auch wieder im eigenen Online-Shop.

Zeit zum Ausspannen bleibt Daniel Schimmel nicht. Der umtriebige Imker, der es auch als Gewichtheber schon zu nationalen und internationalen Titeln gebracht hat, setzt nicht allein auf Honig, Pollen und Propolis. „Ich halte im Winter durchgängig Vorträge an Unis und in Imkervereinen“, sagt er, außerdem hat er bei Bruchsal eine der größten Bioland-Walnuss-Plantagen Deutschlands und ist dabei, sich als Winzer zu etablieren. Er kann halt nicht anders, er muss „schaffe“.

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