Luftballon flog 414 Kilometer Luftlinie gen Norden

Botschaft für Vielfalt der Wolfhager Lübcke-Schule rührt Dänen

Im Garten von Helmuth Carstensen landete der Ballon aus Wolfhagen. 441 Kilometer Luftlinie hat er zurückgelegt.
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Im Garten von Helmuth Carstensen landete der Ballon aus Wolfhagen. 441 Kilometer Luftlinie hat er zurückgelegt.

Die Botschaft für mehr Toleranz, Offenheit und Vielfalt, die eng mit dem ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke verknüpft ist, sollte ins Land getragen werden.

Das war das Ziel einer Luftballonaktion zur Taufe der Walter-Lübcke-Schule im vergangenen September. 414 Kilometer legte ein Ballon zurück, den Helmuth Carstensen aus Seegaard (Søgård) in Dänemark entdeckte. Dies sorgte für ein Medienecho in Nordschleswig, wo eine deutsche Minderheit lebt.

Der Wind wehte offenbar gen Norden am 25. September vergangenen Jahres, als die Wolfhager Gesamtschule offiziell den Namen des ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke erhielt. Hunderte Luftballons stiegen an diesem Tag in den Himmel und sollten die Botschaft für mehr Toleranz, Offenheit und Vielfalt ins Land tragen. Eine erfolgreiche Mission: Mehr als 30 Reaktionen von Ballonfindern erhielt die Schule aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

„Die Resonanz war unglaublich. Viele meldeten uns zurück, dass sie die Initiative toll finden und unterstützen“, erzählt Ludger Brinkmann, Leiter der Wolfhager Schule. Die längste Reise, 414 Kilometer Luftlinie, schaffte ein Ballon, der im dänischen Seegaard landete, rund 20 Kilometer nördlich der deutsch-dänischen Grenze. Ausgerechnet dort, wo eine deutsche Minderheit in Nordschleswig lebt. Die deutschsprachige Zeitung „Der Nordschleswiger“ widmete dem Fund einen großen Artikel über den Mann, der den Ballon fand und von der Aktion tief berührt war. „Eine ganz wichtige Botschaft, die ja gerade auch bei uns im Grenzland mit zwei Minderheiten bedeutend ist“, sagte Helmuth Carstensen.

„Es wird für Offenheit und Toleranz geworben. Das ist eine tolle Sache, auf die man aufmerksam machen sollte“, zitiert die Zeitung den 69-Jährigen. Dass die Schüler in Wolfhagen solch eine Botschaft mittels Ballons quasi in die ganze Welt schickten, sei eine besonders bemerkenswerte Aktion, die man gar nicht hoch genug wertschätzen könne, wird Carstensen weiter zitiert.

„Ich sah den Ballon vor dem Haus und wollte ihn aufsammeln. Es ist ja Plastik und gehört nicht dahin“, berichtet Helmuth Carstensen aus Seegaard (Søgård) der Tageszeitung Nordschleswiger. Als er sich zu dem Ballon vor dem Seegaarder See herunter beugte, habe er bemerkt, dass ein Brief daran befestigt war. „Ich habe den Brief mit hineingenommen und las, dass der Ballon bei einer Aktion Ende September in einer Schule in der Nähe von Kassel in die Luft gelassen worden war“, so der 69-Jährige weiter.

Mit der Botschaft der Aktion, die für Vielfalt und gegen Abgrenzung steht, kann sich der Seegaarder sehr gut identifizieren. Er gehört zur deutschen Minderheit in der Region Nordschleswig im Süden von Dänemark mit rund 15 000 Menschen, die sich auch heute noch diskriminiert fühlen und von älteren Dänen misstrauisch beäugt werden, weil die sich noch an die deutsche Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg erinnern. Die deutsche Volksgruppe unterhält eigene Kindergärten, Schulen und Büchereien. Sie macht kirchliche und soziale Arbeit, gibt die Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ heraus und bietet in vielen Vereinen sportliche und kulturelle Aktivitäten an. Von der Wikingerzeit bis 1864 war die Region auf unterschiedliche Weise mit der dänischen Krone verbunden. In den Jahren von 1867 bis 1920 gehörte Schleswig zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Seit 1920 ist Nordschleswig ein Teil von Dänemark.

Honig aus Wolfhagen und eine Schultasse erhielt Helmuth Carstensen für den ersten Platz beim Luftballon-Weitflugwettbewerb. 

Für die Rekordpost verschickte die Schule ein Päckchen nach Dänemark, das Honig und eine Schultasse enthielt. Außerdem bekam der Däne Informationsmaterial über die Aktion der Schule. Jeweils rund 370 Kilometer flogen zwei weitere Ballons, die jeweils in den Holsteiner Orten Bargum und Großenwiehe landeten.

Die Schüler der ehemaligen Wilhelm-Filchner-Schule hatten für die Umbenennung ihrer Schule gekämpft, weil ihnen Filchners Verbindung zu den Nazis nicht gefiel. Der getötete Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke sei als Mensch Identifikationsfigur für die Schule, und seine Werte sollen das Leitbild schulischen Handelns, Lernens und Lehrens sein, hieß es bei der Schultaufe. Dazu gehört auch ein Kooperationsvertrag, den die Schule mit der Initiative „Offen für Vielfalt“ schloss, die mit Kooperationspartnern für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eintritt. (Bea Ricken)

Links zum Artikel zu.hna.de/nordschleswig

Im Garten von Helmuth Carstensen landete der Ballon aus Wolfhagen. 441 Kilometer Luftlinie hat er zurückgelegt. 

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