Anfängliche Euphorie ist verschwunden

Bürgerläden in Existenz bedroht: Nur noch zwei im Kreis Kassel

Wolfhager Land. Sie sollten die Nahversorgung im ländlichen Raum verbessern, nachdem die letzten Tante-Emma-Läden in den Dörfern verschwanden: Bürgerläden. 

Doch von der anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel übrig geblieben. Viele der in Eigenregie der Bürger eröffneten Läden im Landkreis Kassel haben nicht überlebt.

„Im gesamten Kreis gibt es derzeit neben kleinen inhabergeführten Geschäften nur noch zwei Bürgerläden in den Wolfhager Stadtteilen Ippinghausen und Altenhasungen“, erklärt Peter Nissen, Leiter des Servicecenters Regionalentwicklung des Landkreises. Sie hätten angesichts der übermächtigen Konkurrenz von Supermärkten auf der grünen Wiese keine Chance gehabt. Obwohl Bürgerläden eine Anschubfinanzierung aus EU-Geld erhielten. „Die Läden brauchen Umsatz. Wenn dort nur die im Supermarkt vergessene Butter gekauft wird, kann niemand existieren“, meint Nissen.

Dabei geht es im Bürgerladen nicht mal um Gewinne. „Wir sind schon froh, wenn wir am Jahresende eine schwarze Null schreiben“, sagt der Ippinghäuser Ortsvorsteher Norbert Schröder. Auch der Bürgerladen in Ippinghausen ist ein Wackelkandidat. Ohne ehrenamtliches Engagement hätte der kleine Dorfladen längst dicht gemacht. Aktuell müssen nach 21 Jahren neue Geräte beschafft und die Mindeslohnregelung umgesetzt werden. Außerdem verlange das Finanzamt ein neues Kassensystem. Erhebliche Probleme, die nicht nur die Ippinghäuser bewältigen müssen, sondern vor denen auch die Wettesinger stehen, die gern einen Bürgerladen eröffnen möchten.

„Die Nahversorgung muss neu organisiert werden. Wir brauchen kreative Lösungen“, meint Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordhessen. Dies könnten mehrere Dienstleitungen in einem Laden oder mehr Direktvermarkter sein.

Rubriklistenbild: © dpa

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