Ort für Familienfeste fehlt

Bürgerversammlung in Wettesingen: Kneipe und Geschäft soll her

Friedbert Kanne

Wettesingen. Wettesingen braucht einen Dorfladen und eine Kneipe. Da sind die Bewohner des Orts sich einig. Und weil vielen die aktuelle Situation ohne Nahversorgung missfällt, gab es am Donnerstagabend gewissermaßen einen Startschuss. 

Einen Startschuss für die Arbeitsgruppen, die sich um Dorfladen und Kneipe kümmern möchten. Damit sollen die Lebensqualität erhöht, Treffpunkte geschaffen und die Gemeinschaft gefördert werden.

„Ein Dorfladen kann ein Projekt für uns alle sein“, sagte Wolfgang Mende, Erster Beigeordneter der Gemeinde Breuna. Wenn man im Moment tagsüber durch Wettesingen fahre, sei das Dorf wie leergefegt, bedauerte er. Seit Bäcker und Lebensmittelladen vor vier Jahren geschlossen haben, hat sich die Situation noch mal verschärft. Hinzu kommt, dass seit vergangenem Jahr die Kneipe „Altes Rathaus“ ebenfalls leer steht. „Wir brauchen endlich wieder Dorftratsch, das kennt man ja gar nicht mehr“, betonte Ortsvorsteher Friedbert Kanne. Durch das Nahwärme-Projekt sei man weit über die Landesgrenzen hinaus Vorzeigeort - allerdings nicht in der Lage, Besucher und Bewohner mit den alltäglichen Dingen des Lebens zu versorgen. Für eine Gastwirtschaft spricht, dass Familienfeste gefeiert werden könnten und Wettesingen auch touristisch durch den Märchenlandweg oder den Diemelradweg profitieren könnte.

Patrizia Kuhr vom Architekturbüro Bankert, Linker und Hupfeld in Kassel bestätigte das. Sie bezeichnete es als „großen Vorteil“, dass die Räumlichkeiten für Laden und Kneipe in Wettesingen schon vorhanden seien und „nur“ mit Leben gefüllt werden müssten. Kuhr machte deutlich, welche Fördermöglichkeiten dabei nützlich sein könnten.

Oliver Stöhr von der IHK Kassel-Marburg betonte, dass der Versorgungsaspekt im Dorfladen auch immer mit einem sozialen einhergehe. Der könne geschaffen werden, indem ein kleines Café Teil eines solchen Ladens wird. Stöhr, der eine Studie zu Dorfläden in Nordhessen vorstellte, berichtete von Neugründungen in den vergangenen Jahren. Bei allen gebe es zusätzliche Dienstleistungen wie eine Post, einen Lieferservice oder eben ein Café. Dass es ohne diese Dienstleistungen nicht geht, ist angesichts der kaum zu erwartenden Wirtschaftlichkeit eines Dorfladens nachvollziehbar.

Burkhard Finke von der Baunataler Diakonie rief die Wettesinger dazu auf, ihren Willen in das Projekt zu stecken. „Dann schaffen Sie das“, sagte er. Die Baunataler Diakonie hat in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen im Einzelhandel gemacht, indem sie Menschen mit Behinderung im Einzelhandel arbeiten lässt und als sozialer Träger fungiert.

Doch egal, mit welcher Form ein möglicher Laden und eine Kneipe in Wettesingen betrieben würden. Für Ortsvorsteher Friedbert Kanne ist klar: „Gemeinsam werden wir das schaffen!“

Stimmen des Abends: Ute Störmer: „Als ich hierher gezogen bin, gab es schon keinen Laden mehr. Ich denke, der Ansatz mit Zusatzdienstleistungen ist der richtige. Mir liegt viel daran, weil wir hier wirklich etwas für uns selbst erreichen können.“

Heiko Kilian: „Ich bin 2004 mit meiner Frau nach Wettesingen gezogen. Damals gab es noch Laden und Kneipe. Weil ich gesehen habe, wie wir das Projekt Nahwärme umgesetzt haben, bin ich auch optimistisch für den Dorfladen.“

Friedbert Kanne: „Wettesingen hat mir so viel gegeben, dass ich jetzt etwas zurückgeben möchte. Ich bin angenehm überrascht, dass heute so viele Menschen hier waren und bin überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen.“

Von Luca Deutschländer

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