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Stadt Wolfhagen macht sich mit Aktion im Stadtpark strafbar

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Von: Bea Ricken

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Berg an Grünschnitt in den Wolfhager Teichwiesen.
Noch größer soll der Berg an Grünschnitt nach den Arbeiten in den Wolfhager Teichwiesen gewesen sein, sagen die Anwohner (im Hintergrund). © Bea Ricken

Die Stadt Wolfhagen hat sich mit dem Beschneiden von Hecken und Sträucher zur Brutzeit strafbar gemacht

Wolfhagen – Die Stadt Wolfhagen hat sich strafbar gemacht, weil im Zuge der Vorbereitungen für das Kulturzelt Hecken und Sträucher mitten in der Brutzeit stark beschnitten wurden. Das teilt die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel mit. Ein solches Vorgehen gilt vom 1. März bis 30. September als Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Anwohner der Teichwiesen hatten bereits am Morgen des Vorfalls Alarm geschlagen, weil die Stadt mit entsprechenden Schildern auf die geplanten Arbeiten hingewiesen hatte. Dennoch begannen die städtischen Mitarbeiter mit ihren Arbeiten.

Nachdem bereits erhebliche Mengen Grünschnitt mit dem Lkw abtransportiert worden waren, griff die Untere Naturschutzbehörde ein und stoppte die Arbeiten. Laut Kreissprecher Harald Kühlborn sind während der Brut- und Setzzeit lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen erlaubt. In den Teichwiesen habe es sich jedoch um starke Rückschnitte gehandelt.

Scharfe Kritik kam von Vorsitzenden des Naturschutzbundes Region Kassel, Markus Dietrich

Scharfe Kritik an dem Vorgehen der Stadt kam von Vorsitzenden des Naturschutzbundes Region Kassel (Nabu), Markus Dietrich. Der Nabu sei entsetzt und enttäuscht über die Führung der Stadt Wolfhagen, gerade weil diese keinen Anlass auslasse, auf ihren Einsatz für den Natur- und Biotopschutz hinzuweisen.

„Bei der Maßnahme zeigt sich wieder die schlechte Vernetzung und Bereitschaft der Verwaltung, sich dieses Themas nicht nur theoretisch, in schönen Reden, sondern auch praktisch auf allen Verwaltungsebenen anzunehmen“, so Dietrich weiter.

Die gesetzlichen Regelungen mit ihren Schonzeiten dürften in der Verwaltung und auf dem Bauhof hinreichend bekannt sein. Der Nabu will Anzeige gegen die Stadt erstatten.

„Das war nicht in Ordnung, daran kann man nicht herumdrehen“, erklärte Bürgermeister Reinhard Schaake

„Das war nicht in Ordnung, da kann man nicht drumherumreden“, erklärte Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake auf HNA-Anfrage. Man habe die Rettungswege für das Kulturzelt freischneiden wollen und dabei zu viel entfernt. „Da hätten wir mit der Naturschutzbehörde vorher Kontakt aufnehmen müssen.“

„Wir waren entsetzt, als wir das Hinweisschild auf die Schnittarbeiten gesehen haben“, so Heike Drüge, die mit anderen Anwohnern im Bereich der Wolfhager Ritterstraße alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um die Aktion zu verhindern. „In der ruhigen Coronazeit haben sich in den Teichwiesen seltene Vogelarten angesiedelt.“

Claudia Peter und Karin Bechtel beobachten die Tiere seit Jahren und füttern die Vögel im Winter. Sie sind auch in den Teichwiesen, während die Arbeiten an Büschen und Bäumen stattfinden. Es sei ein riesiger Grünschnitt-Berg mit mehreren Lkw-Touren abgefahren worden. Die Stadt Wolfhagen spricht später von eineinhalb Lkw-Ladungen.

Nach den Kulturzelttagen sei es immer sehr ruhig in den Teichwiesen geworden

Zeitgleich mit den Arbeiten in den Teichwiesen hat die Stadt an Bäumen entlang der Ritterstraße mit einem Hubsteiger Totholz entfernt. Diese Maßnahmen im Hinblick auf Verkehrssicherheit seien in Ordnung, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Die städtische Mitarbeiterin, die diese Arbeiten erledigte, bat die Anwohner sogar um Hilfe bei der Suche nach Nestern, um zu diesen auf Abstand zu gehen.

Nach den Kulturzelttagen sei es immer sehr ruhig in den Teichwiesen geworden. „Das Vogelgezwitscher haben wir dann nicht mehr gehört“, so Peter. Die Lautstärke und der Fahrzeugverkehr im Park sei mit dem wichtigen Thema Artenschutz nicht mehr vereinbar, so die Anwohner. „Es gibt sicher verträglichere Standorte.“

„Gegen eine solche, temporär begrenzte Veranstaltung in einer öffentlichen Grünanlage bestehen aus Naturschutzsicht keine grundsätzlichen Bedenken“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn.

In städtischen Grünanlagen lebten Tierarten mit einer großen Anpassungsfähigkeit, die in der Regel nicht durch eine temporäre Veranstaltung vertrieben würden, da sie an das Leben mit dem Menschen in der Stadt angepasst seien.  „Bei solchen Veranstaltungen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Schäden an der Parkvegetation und unnötige Beeinträchtigungen der Tierwelt vermieden werden“, so Kühlborn. (Bea Ricken)

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