Turnhallen-Debatte neu entflammt

BWB und CDU im Wolfhager Parlament fordern Zwei-Feld-Sporthalle vom Kreis

Wird von Schülern und Vereinen genutzt: Die Drei-Feld-Turnhalle an der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen. Im Herbst muss sie für kurze Zeit gesperrt werden, da sie eine neue Heizung bekommt.
+
Wird von Schülern und Vereinen genutzt: Die Drei-Feld-Turnhalle an der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen. Im Herbst muss sie für kurze Zeit gesperrt werden, da sie eine neue Heizung bekommt.

Der Bau einer Turnhalle mit einem Spielfeld am künftigen Standort der Grundschule an der Liemecke ist das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen dem Landkreis Kassel als Schulträger und der Stadt Wolfhagen.

Wolfhagen – Nun hat die BWB-Fraktion mit ihrem Antrag zur jüngsten Parlamentssitzung wieder Bewegung in die eigentlich geklärte Angelegenheit gebracht. Der Antrag wurde zur weiteren Bearbeitung in die Ausschüsse verwiesen.

Doch worum geht es? Das BWB fordert den Bau einer Zwei-Feld-Turnhalle. Und es möchte, dass diese Halle offenbar vom Landkreis Kassel errichtet wird. Unter der Überschrift „Wolfhagen macht sich stark für bewegte Zeiten und den Ausbau einer Zwei-Feld-Turnhalle“ möge die Stadtverordnetenversammlung demnächst eine entsprechende Resolution auf den Weg bringen. Bürgermeister Reinhard Schaake möge mit dem Landkreis Kassel in Verhandlung treten, damit aus der bereits in Planung befindlichen Ein-Feld-Turnhalle eine Zwei-Feld-Turnhalle wird. Das Gebäude möge im Umfeld der neuen Schule errichtet werden.

Herbert Hermann: BWB-Fraktion

BWB-Fraktionsmitglied Herbert Hermann begründete die Notwendigkeit dieser größeren Halle mit dem hohen Bedarf. Vereine, Schüler und auch Kita-Kinder hätten Anspruch auf Hallenzeiten und mehr Bewegung. Der VfL Wolfhagen komme mit seinen derzeitigen Hallenkapazitäten nicht zurecht. Die Halle könne zudem für Veranstaltungen genutzt werden. Schließlich sei eine solche Halle ein positives Differenzierungsmerkmal für die Stadt Wolfhagen.

Hans-Hilmar von der Malsburg, Mitglied der CDU-Fraktion, sprang Hermann zur Seite und erinnerte, dass es noch nicht lange her sei, dass bei einer Verfassungsänderung Sport zum Staatsziel erklärt worden sei. Die Kommunen leisteten über die Schulumlage ihren Beitrag zur Finanzierung entsprechender Infrastruktur. Und so könne man vom Kreis auch erwarten, ausreichend Hallenkapazitäten zur Verfügung zu stellen. Die Schulen in der Stadt beklagten seit Jahren fehlende Möglichkeiten beim Sportunterricht.

Hans-Hilmar von der Malsburg: CDU-Fraktion

Von den sechs Feldern der beiden Sporthallen der Walter-Lübcke-Schule stünden derzeit wegen eines Wasserschadens nur drei zur Verfügung, mahnte von der Malsburg. Zudem unterstellte das Kreistagsmitglied, dass für den Umbau der alten Berufsschule zur künftigen Grundschule vom Landkreis Kassel keine Turnhalle vorgesehen gewesen sei. „Ja, die CDU glaubt, dass der Bau der Turnhalle ihr Verdienst sei“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn und lacht. Die CDU im Kreistag habe seinerzeit einen Antrag eingebracht, wonach an der Liemecke eine Sporthalle gebaut werden möge. „Aber wenn wir Schulen bauen, dann denken wir immer auch an Sporthallen. Das ist grundsätzlich so“, hält Kühlborn dagegen. Zudem sei es auch falsch, dass von den sechs Feldern die Hälfte gesperrt seien. Der Wasserschaden sei längst repariert.

Bürgermeister Reinhard Schaake erinnerte während der Parlamentssitzung an die Bedarfsabfrage unter Wolfhagens Vereinen. Das Ergebnis damals habe nur eine Interpretation zugelassen – nämlich, dass keine zusätzlichen Zeiten benötigt werden, die den Bau einer Zwei-Feld-Turnhalle rechtfertigen würden. Einzig die Ringer des VfL hatten auf ihre Not aufmerksam gemacht. Für sie habe man überlegt, ob man auf die Halle, die der Kreis nun errichtet, ein Stockwerk draufsetze. Das wäre für etwa 700 000 Euro zu haben gewesen – Geld, das die Stadt hätte aufbringen müssen und „dies nur für eine Sparte eines Vereins“. Das erschien Schaake dann doch als zu happig.

Zudem zeichne sich für die Ringer eine andere Lösung ab. Nachdem sie zwischenzeitlich im ehemaligen Soldatenheim in Gasterfeld untergekommen sind, werden sie demnächst in die Kulturhalle wechseln. Und wenn die Grundschüler in einigen Jahren ihr angestammtes Domizil verlassen und an die Liemecke ziehen, werde ihnen etwas in den dann leer stehenden Schulgebäuden angeboten, wie anderen Vereinen auch.

Er persönlich würde eine größere Sporthalle begrüßen, am besten eine Drei-Feld-Turnhalle, sagte Schaake. Denn diese Größe bräuchte es mindestens, damit auch die Fußballer vom FSV davon profitieren könnten. Der Rathauschef sieht aber zwei Probleme: Erstens müsste jeder zusätzliche Quadratmeter, der über die Ein-Feld-Turnhalle des Landkreises hinausgeht, von der Stadt bezahlt und später auch unterhalten werden. Zweitens, „wir haben gar keinen Platz dafür“, zumindest keinen im Umfeld der Liemecke.

Noch bevor die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen sich während der Parlamentssitzung zum Antrag hätten positionieren können, beantragte Reinhard Schaake die Überweisung des Antrags in den Ausschuss für Jugend, Sport, Kultur und Soziales und den Haupt- und Finanzausschuss. (Antje Thon)

DAS SAGT VFL-VORSITZENDE MONIKA JAKOB: „20 Stunden pro Woche mehr könnten es sein“

Der VfL Wolfhagen benötigt für seine Sparten mehr Hallenzeiten. Das sagt Monika Jakob, Vorsitzende des 650 Mitglieder starken Vereins. „20 Stunden pro Woche mehr könnten es schon sein.“ Daher würde sie den Bau einer Zwei-Feld-Turnhalle begrüßen. Jakob bestätigt, dass es vor über einem Jahr eine Bedarfsabfrage gegeben habe. Allerdings habe sie diese nicht als grundsätzliche Frage nach Kapazitäten verstanden, sondern diese bezogen auf das damals bevorstehende Winterhalbjahr. Und was die Trainingsmöglichkeiten der Ringer betrifft, sieht sie nach wie vor Klärungsbedarf mit der Stadt. Die Kulturhalle als Interimslösung sei okay, die Nutzung der nach dem Auszug der Schüler frei werdenden Grundschulgebäude sieht sie kritisch. „Die Räume haben eine Höhe von 2,50 Meter, und es gibt keine Duschen.“ Die Verwaltungsberufsgenossenschaft habe dem Verein mitgeteilt, dass beim Ringen eine Raumhöhe von 3,50 Meter erforderlich sei

DAS SAGT KREISSPRECHER HARALD KÜHLBORN: Wenn die Stadt eine größere Halle will, muss sie diese auch bezahlen

„Wir haben über die Turnhalle intensiv mit der Stadt geredet“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Aus Sicht des Schulträgers genüge eine Ein-Feld-Halle, um für alle Grundschulklassen am neuen Standort Sportunterricht anbieten zu können. Gleichzeitig wäre damit auch das Kapazitätsproblem von Oberstufe, Förderschule und Berufsschule gelöst. Wenn die Stadt nun doch eine größere Halle wolle, müsse sie diese auch bezahlen. Sie müsse dann auch für die Kosten aufkommen, die der Landkreis Kassel bereits in die Planung einer Ein-Feld-Turnhalle investiert habe. Architekten und Statiker seien bereits aktiv geworden. Bei den Untersuchungen im Vorfeld sei auch klar geworden, dass auf dem Gelände der ehemaligen Berufsschule nur Platz für eine kleine Halle sei. Wenn die Stadt, die im Übrigen die einzige Kommune dieser Größe im Landkreis Kassel ohne kommunale Halle sei, größer bauen wolle, müsse man ein größeres Grundstück finden. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.