Auch Besuchsbeschränkungen bringen Herausforderungen

Altersheimen im Wolfhager Land fehlt Personal

Im Vordergrund steht ein Eingangsschild der Stiftung Altersheim Wolfhagen, im Hintergrund zwei Personen.
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Im Seniorenzentrum Wolfhagen können Therapien wie gewohnt stattfinden. Da die steigenden Infizierten-Zahlen allerdings Sorgen bereiten, wurden die Besuchszeiten stark eingeschränkt. (Archivfoto)

Die Coronakrise stellt die Altenpflege weiterhin vor massive Probleme. Die hängen allerdings weniger mit dem seit Anfang November geltenden Beschränkungen zusammen.

Wolfhager Land – „Ergo- und Physiotherapie, Logopädie und Fußpflege dürfen nach wie vor stattfinden, weshalb uns diese Einschränkungen nicht so sehr treffen. Viel mehr Sorge machen uns die Infiziertenzahlen“, sagt Sarah Kratzenberg vom Seniorenzentrum Wolfhagen.

Besuche seien dort zurzeit nur noch bis zu drei Mal und nur unter der Woche sowie zu bestimmten Zeiten möglich. Ausnahmen gebe es lediglich für bettlägerige und palliativ behandelte Bewohner.

Zudem müssen Mund-Nasen-Bedeckungen sowohl im Freien als auch im Besuchszimmer getragen und Besuche mindestens 48 Stunden vorher angekündigt werden. Dementsprechend gut genutzt werde das Angebot des Heims, mit Angehörigen per Videoanruf zu sprechen.

Das bestätigt auch Ewald Knöß vom Haus Habichtswald in Dörnberg, wo Besuche noch einmal deutlich eingeschränkter werden. Der Kontakt von Angehörigen und Bewohnern ist nur über die angrenzende Straße möglich, auch dafür müsse man sich anmelden. „Natürlich ist das keine tolle Situation für unsere Bewohner, aber wir geben unser Bestes, um ihnen diese Zeit möglichst schön zu gestalten“, sagt er.

Wegen fehlenden Besuchen: Personal wird mehr beansprucht

Wie in Wolfhagen laufe auch in Dörnberg die Betreuung nahezu normal weiter. Der größte Unterschied sei, dass Gruppenaktivitäten wie gemeinsames Kochen und Bingo nun in deutlich kleineren Gruppen von zwei bis drei Menschen stattfinden.

„Wir beobachten die Entwicklungen jeden Tag und planen unsere Aktivitäten auch entsprechend“, sagt Knöß. Denn durch wegfallende Besuche müsse das Personal den Bewohnern mehr Programm anbieten. „Jeder braucht seine Tagesstruktur und soll abends im Bett sagen können: Das war ein schöner Tag.“ Dadurch kommen die Mitarbeiter des Heims aber an ihre Grenzen.

Besonders spürbar ist das in der Bergparkresidenz Burghasungen. „Dass ich selbst Zeitarbeiter bin, sagt eigentlich schon alles zu unserer Personallage“, sagt Werner Hüwel. Seit zwei Wochen ist er in Burghasungen, wo die Personalsituation sehr ernst sei, wie er betont.

Viel Verständnis für die Maßnahmen seitens Bewohnern und Angehörigen

Grund dafür sei der Pflegeschlüssel des Landes Hessen. „Eine Pflegefachkraft soll hier bis zu elf Bewohner betreuen – in Bayern oder Nordrhein-Westfalen sind es fünf.“ Mit ihm selbst seien zurzeit drei Leiharbeiter in Burghasungen angestellt.

Immerhin gebe es keine wirklichen Probleme mit Heimbewohnern und deren Angehörigen, wie er sagt. Diese zeigten trotz beschränkten Besuchszeiten mit vorausgehender Anmeldung durchweg Verständnis.

Dem stimmen Knöß und Kratzenberg zu, auch wenn Letztere sagt: „Die Maßnahmen treffen auf weniger Akzeptanz als im Frühling des Jahres.“

Um seine 118 Bewohner trotzdem etwas in Weihnachtsstimmung zu bringen, plane das Seniorenzentrum für Dezember einen kleinen internen Weihnachtsmarkt. Laut Sarah Kratzenberg wolle man im Wolfhager Seniorenzentrum zwei kleine Buden aufbauen, bei denen unter Einhaltung aller Regeln Bratwurst und Glühwein ausgegeben werden. (Jan Trieselmann)

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