Einkaufshilfen für gefährdete Personen laufen an

Corona macht Menschen im Wolfhager Land solidarisch

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In der Schlange: Durch die Notdienst-Luke werden in der Sonnen-Apotheke Kunden bedient.

Wolfhager Land – Die Szenerie in der Wolfhager Fußgängerzone wirkte am Mittwoch wie sonst nur sonntags oder an Feiertagen.

Nachdem Bund und Länder weitere drastische Schritte im Kampf gegen das Corona-Virus beschlossen hatten, mussten auch im Wolfhager Land unter anderem Geschäfte und Kneipen und schließen.

Geschäfte

In der Wolfhager Schützeberger Straße saßen am Mittwoch vereinzelt Gäste an den Tischen der Eisdiele. Auch die Mitarbeiter des Café Oliev räumten optimistisch und mit viel Abstand Tische und Stühle nach draußen. „Wir haben jetzt auch drinnen alle Plätze auseinandergestellt“, erklärt Mitarbeiterin Tanja Isenberg. Als Bäckerei dürfen sie den Laden geöffnet lassen. Andrang herrschte gestern bei den Apotheken und dem Gartencenter Bachmann. Vor der Sonnen-Apotheke bildeten sich Schlangen vor der Notdienst-Luke, durch die Mitarbeiter die Kunden bedienten. Beim Gartencenter stand am Eingang Desinfektionsmittel bereit, das bei den Kunden hoch im Kurs stand. In der Gärtnerei Frese in Wettesingen kaufen die Kunden jetzt ihre Frühlingsblumen. Noch viel mehr ist aber im gleichnamigen Blumengeschäft im Edeka-Markt in Calden los. „Kunden, die jetzt vermehrt einkaufen, kaufen auch Blumen“, sagte Ortrud Frese.

"Wir möchten sowohl Kunden als auch Mitarbeiter schützen. Deshalb haben wir uns bewusst frühzeitig dazu entschieden eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um Personenkontakte zu reduzieren und die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen", sagt Hanna Schubert von der Sonnen-Apotheke. Hier werden die Kunden seit einigen Tagen durch die Notdienst-Luke bedient. "So möchten wir sicherstellen, dass wir auch in den nächsten Wochen die Versorgung der Bürger mit Arzneimitteln gewährleisten können."

Die Tafeln

In allen Tafeln in Wolfhagen, Hofgeismar und Bad Karlshafen sind Ausgabe und auch das Tafelbüro geschlossen. Um die Schließung etwas abzufedern, werde deshalb zu einer Spendenaktion aufgerufen. So sollen allen Haushalten ein Einkaufsgutschein zugesandt werden, damit sie sich selbst in einem Lebensmittelgeschäft versorgen können. Verwendungszweck „Tafelspende Corona“ Konto: Diakonisches Werk Region Kassel, DE 81 5206 0410 0000 015 54, BIC GENODEF1EK1 gebeten.

Lieferservice

Die Not macht erfinderisch. Einige Restaurantbetriebe und Lebensmittelgeschäfte bauen in diesen Tagen ihren Abhol- und Lieferservice aus. So bietet unter anderem der Bürgerladen in Ippinghausen an, die zuvor telefonisch bestellten Produkte nach Hause zu bringen.

Um die Angehörigen von Risikogruppen zu unterstützen, haben sich die politischen Jugendorganisationen von SPD und CDU im Landkreis Kassel zusammengetan. Sie vermitteln Einkaufshelfer für gefährdete Personen. „Das Ziel ist, dass sich diese Personen keinem Risiko beim Einkaufen aussetzen“, so der Vorsitzende der Jungen Union Kassel-Land, Daniel Rudenko (CDU). „Wir sind eine große Gruppe, die bereit ist, unsere älteren Mitbürger zu unterstützen“, so die Juso-Vorsitzende, Katharina Krieger (SPD). Bei einer Kontaktaufnahme unter 015731077172 vermitteln die jungen Leute das Hilfsangebot. Alternativ per E-Mail an jusoskasselland@gmail.com

Physiotherapien

Physiotherapien haben als Einrichtung der Gesundheitsbranche weiterhin geöffnet. Auch Krankengymnastik und andere Therapien werden wie zuvor angewandt. Für die Patienten steht nun noch mehr Desinfektionsmittel zur Verfügung, die Therapeuten arbeiten mit Handschuhen und Mundschutz. „Es gibt viele besorgte Kunden“, sagt Claudia Schreiner, Inhaberin einer Physiopraxis in Wolfhagen. Einige vorerkrankte Patienten hätten ihre Termine abgesagt. Der Verband der Krankengymnasten habe die Regelungen für Rezepte gelockert. Vorerst bis zum 30. April lassen sich Rezepte einfacher unterbrechen, oder bei Quarantäne später als die üblichen 14 Tage beginnen.

Pflegedienst

Der Pflegedienst Bad Emstal arbeitet wie zuvor. Doch auch hier sorgen sich die meist älteren Patienten. Laut Andrea Siebert-Bart, stellvertretende Pflegedienstleiterin, hätten sie vor allem Angst, dass der Ambulante Pflegedienst eingestellt werde. Die Patienten selber seien sehr vorsichtig und würden von sich aus nur Angehörigen den Besuch erlauben, wenn es dringend ist, zum Beispiel um Lebensmittel vorbeizubringen. Engpässe bei Mundschutz, Handschuhen und Desinfektionsmittel habe der Pflegedienst nicht wahrgenommen: „Die Lager sind voll.“ Kunden, die die Hauswirtschaftshilfe in Anspruch nahmen, hätten von sich aus den Termin abgesagt.

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