„Wir rücken zusammen“

Corona-Pandemie: Wie Altenheime im Wolfhager Land die Krise meistern

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Zutritt wegen der Corona-Pandemie verboten: Ähnlich wie in diesem bayrischen Altenheim dürfen auch im Wolfhager Land Besucher momentan nicht mehr zu ihren Angehörigen.

Durch die Corona-Krise müssen die Beschäftigten und die Bewohner von Seniorenheimen im Wolfhager Land besondere Herausforderungen meistern.

Wolfhager Land – Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft vor eine große Aufgabe. Besonderen Herausforderungen sehen sich die Beschäftigten und die Bewohner von Seniorenheimen im Wolfhager Land gegenüber.

In Sand

Für die Senioreneinrichtungen in Sand gilt wie für alle Häuser der ASB Wohnen und Pflege Gesellschaften in Hessen ein Pandemieplan. Wie Geschäftsführer Achim Uhl sagt, sei der Plan aus dem Jahr 2017 auf die aktuelle Coronasituation angepasst worden. Seit Mitte März gelte ein Besuchsstopp.

Für die Einschränkungen hätten die Bewohner größtenteils Verständnis. Manchem falle die Anpassung aber schwer. Mit Verweis auf das erreichte hohe Alter und der Annahme, dass ihnen ein Spaziergang an der frischen Luft doch nichts anhaben könne, würden einige um Ausnahmen bei den Verboten bitten. Dass die strengen Maßnahmen zu ihrem eigenen Schutz und dem ihrer Mitmenschen sei, lasse sich manchmal nur schwer vermitteln.

Ähnlich verhält es sich bei den Angehörigen – die meisten akzeptierten die Sicherheitsmaßnahmen. Aber es gebe eben auch die Ausnahmen, wo der fürsorgliche Blick eben nur den eigenen Verwandten gelte und die Sicherheit der anderen außer Acht gelassen werde. Bislang habe sich in den ASB-Heimen noch niemand mit dem Virus infiziert. „Aber das ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Uhl. Bei allen Vorsichtsmaßnahmen, es gebe Lieferketten, die aufrecht zu erhalten seien. Auch die Mitarbeiter verbrächten ihr Leben nicht nur in den Heimen.

Als problematisch bewertet Uhl die Versorgung mit Schutzausrüstung. Die Lieferzeiten für Kittel und Masken seien sehr lang. Man müsse mit den Vorräten haushalten. Kittel gingen langsam aus.

In Breuna

„Wir tun wirklich alles Menschenmögliche, um unsere Bewohner zu schützen“, sagt Thomas Rumpf, Heimleiter des Hauses am Walde in Breuna. Dazu gehört zum Beispiel eine sofortige Isolation von Personen, die Symptome zeigten. Bisher habe sich alles glücklicherweise als harmlose Erkältung herausgestellt. Schon vor drei Wochen sei die Einrichtung für Besucher geschlossen worden. 

Um das Kontaktverbot für Bewohner und Angehörige so erträglich wie möglich zu machen, sorge man für viel Kommunikation mit digitalen Medien. „Die hohe Akzeptanz von Angehörigen, Bewohnern und Pflegern für diese Maßnahmen macht uns Mut“, so Rumpf. „Wir rücken zusammen.“

Für die Seniorenheime sei die Pandemie auch ein erheblicher finanzieller Kraftakt. Vor allem eine nötige Bevorratung mit Hygiene- und Inkontinenzartikeln werde nicht nur wegen der Lieferschwierigkeiten zum Problem, sondern gehe auch durch die gestiegenen Preise ins Geld.

In Wolfhagen

Das bestätigt auch Jutta Volkwein, Hausleiterin des Seniorenheims in Wolfhagen. Es sei eine Unverschämtheit, wie manche Anbieter versuchten, aus der Not Kapital zu schlagen. „Früher haben wir 50 Stück Mundschutz für 1,99 Euro erhalten, heute zahlen wir pro Mundschutz 0,99 Cent.“ 

Mundschutz sei auch das, was in Wolfhagen fehle, daher sei man dankbar für Spenden. Auch das Wolfhager Heim ist seit rund zwei Wochen für Besucher geschlossen. Doch die Angst, dass ausgerechnet trotz aller Hygienemaßnahmen die eigene Einrichtung von einem Ausbruch von Covid-19 betroffen sein könnte, raubt Jutta Volkwein, wie allen befragten Heimleitern, den Schlaf.

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