Corona zwingt zu Alternativen-Suche

Kirchen im Wolfhager Land haben viele Ideen für die Gottesdienste in der Weihnachtszeit

Sechs Kinder stehen verkleidet vor einer Kirche bei leichter Abenddämmerung.
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Diesmal ohne: Ein Krippenspiel, wie hier vor zwei Jahren mit Laura Düsterhöft (von links), Valentin Rahn, Bastian Düsterhöft, Marlon Düsterhöft, Sofia Mlasowsky und Johannes Rahn, wird es im Corona-Jahr in Zierenberg nicht geben. (Archivfoto)

Selten sind Kirchen so gut gefüllt wie zur Weihnachtszeit. Corona erschwert das in diesem Jahr aber. Trotzdem planen Verantwortliche im Wolfhager Land, Weihnachten bestmöglich zu feiern.

Wolfhager Land – „Verantwortungsvoll-vorsichtig und zugleich kreativ“ gehe das bei der katholischen Kirche vonstatten, sagt Robert Eberle, Pressesprecher des Bistums Fulda, dem bislang kein einziger Fall bekannt ist, bei dem sich Besucher eines Gottesdienstes oder einer Kirche mit Corona angesteckt hätten.

„Durch Beachten strenger Abstands-, Hygiene- und Lüftungsregeln versuchen die Gemeinden, Einrichtungen und Mitarbeitenden des Bistums dazu beizutragen, dass dies auch so bleibt“, sagt Eberle.

Gottesdienste im Internet und Fernsehen als Alternativen

Er berichtet von vielen Mitarbeitern, die „bereits seit Wochen mit Blick auf Advent und Weihnachten sehr aktiv sind, um Konzepte zu entwickeln, wie auch in diesem Jahr Weihnachten gefeiert werden kann.“.

Das werde im Corona-Jahr außergewöhnlich sein und garantiert ohne überfüllte Kirchen.

„Vielerorts werden kürzere Gottesdienste im Freien geplant“, sagt Eberle, der auch auf die Alternativen im Internet und die Fernsehgottesdienste hinweist.

Was im Wolfhager Land geschehen soll, werde in den nächsten Wochen konkretisiert. „Das hängt auch von der weiteren Corona-Dynamik ab. An interessanten Ideen jedenfalls fehlt es nicht.“

Kapazitätsgrenzen gibt es auch im Freien – Registrierung notwendig

Ähnlich sieht das auch in der evangelischen Kirche aus, wo die Gemeinden laut Kirchenkreissprecher Sven Wollert unterschiedlich weit mit den Vorbereitungen sind.

„Klar ist, dass der gewohnte Weihnachtsgottesdienst dicht gedrängt in der Kirche völlig ausgeschlossen ist“, bringt er das Dilemma auf den Punkt.

„Dazu gehört auch, dass gegebenenfalls nicht alle Menschen, die mitfeiern wollen, auch mitfeiern können.“

Selbst bei Freiluftveranstaltungen seien Kapazitätsgrenzen gesetzt. Dazu werde es Systeme wie Internettools zur Vorab-Registrierung geben.

Weihnachten bestmöglich zu feiern beinhaltet den Schutz aller

Außerdem gebe es Überlegungen für ein zentrales Angebot des Kirchenkreises, schließlich „ist ja nicht auszuschließen, dass durch Erkrankungen oder Quarantäne auch das Personal in der Pfarrschaft ausgedünnt wird“.

Grundsätzlich sei geplant, das „mit Abstand“ beste Weihnachtsfest zu feiern, das möglich ist. Dazu gehöre eben auch der Schutz aller Anwesenden und Mitwirkenden.

Kirchenvorstände arbeiten bereits seit Wochen an Konzepten

„O du fröhliche“ unterm kirchlichen Weihnachtsbaum wird für die Gemeinden in Zeiten von Pandemie und Virusangst zur Herausforderung.

Seit Wochen rauchen die Köpfe in den Kirchenvorständen und Pfarrbüros auch im Wolfhager Land, wo fieberhaft an Lösungen gearbeitet wird, wie das Fest der Feste auch unter nie da gewesenen Bedingungen gelingen kann.

„In Naumburg sind die katholische und die evangelische Kirchengemeinde im Gespräch über ökumenische Heiligabend-Gottesdienste auf Abstand und unter freiem Himmel auf dem Marktplatz“, berichtet Alexander von Rüden, Gemeindereferent im Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land.

Ein entsprechendes Hygienekonzept werde gerade erarbeitet. Ansonsten seien die katholischen Kirchengemeinden im Wolfhager Land nach Kräften dabei, Lösungen für ihre Advents- und Weihnachtsangebote zu finden.

Mögliche Ideen reichen von Freiluft- bis hin zu Video-Gottesdiensten

Noch vorsichtig mit konkreten Aussagen zu den Weihnachtsaktivitäten der evangelischen Kirchengemeinden gibt sich Kirchenkreissprecher Sven Wollert: „Wie es tatsächlich sein wird, wissen wir vermutlich erst Richtung vierter Advent, da sich die Infektionslage und auch die Verordnungssituation noch ein paar mal ändern können.“

Es mangele nicht an Ideen, verspricht Wollert und berichtet von möglichen Freiluftgottesdiensten, einer lebendigen Krippe etwa in Nothfelden, Stationengottesdiensten und offenen Kirchen. Zudem seien verschiedene Video-Gottesdienste in Vorbereitung.

Die Idee der lebendigen Krippe greift auch die Gemeinde im Habichtswalder Ortsteil Dörnberg auf, wo sich nach Angaben des Kirchenvorstands ein Adventshäuschen vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend in Bethlehems Stall verwandeln und auf dem Weg dorthin die Gemeindemitglieder mit allerlei Aktionen durch die Weihnachtszeit begleiten soll.

Überlegung: vier 20-minütige Kurz-Vespern in Zierenberg

Raus sollte es an Heiligabend eigentlich auch in Zierenberg gehen, vom zunächst angedachten Freiluftgottesdienst auf dem Marktplatz hat der dortige Pfarrer Friedemann Rahn allerdings Abstand genommen.

„Wahrscheinlich wird es nun vier 20-minütige Kurz-Vespern in der Stadtkirche geben, Einlasskarten, maximal 70 je Durchlauf, sind vorab im Gemeindebüro zu haben, wodurch wir eine maximale Teilnehmerzahl gewährleistet können“, informiert Rahn.

Er erteilt einem Krippenspiel ebenso eine endgültige Absage wie einem gesungenen „O du fröhliche“ - zumindest für die Gemeinde.

„Kirchsänger werden stellvertretend singen, und vielleicht ist auch der Posaunenchor mit entsprechendem Abstand dabei.“

Weihnachts-Wunschlieder-Gottesdienst in Niederelsungen?

Eine Besonderheit kündigt Rahn für den zweiten Feiertag an. Da soll, so es die Situation zulässt, ein Weihnachtswunschlieder-Gottesdienst auf der Niederelsunger Waldbühne stattfinden.

Zudem seien für die Adventszeit verschiedene Dinge angedacht, so auch in den katholischen Kirchen, für die Alexander von Rüden von einer ersten Idee berichtet.

„Im Pastoralverbund gibt es Überlegungen, wie in diesem Jahr das Friedenslicht aus Bethlehem weitergegeben werden kann, eine ökumenisch initiierte Menschen-Lichterkette auf Abstand könnte in Wolfhagen eine Option sein“, so von Rüden. Er verspricht: „Gott kommt uns nah – gerade auch dieses Jahr!“

Diese Corona-Regeln gelten in der Kirche

Für Gottesdienste gilt in Hessen die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Liturgisch handelnde Personen dürfen ohne Maske agieren, müssen aber ausreichend Abstand zu anderen Personen halten.

Gemeindegesang ist untersagt, das gilt auch im Freien. Solisten und kleine Ensembles können unter Voraussetzungen mitwirken.

Die Teilnahme an Gottesdiensten wird auf eine den Abstandsregelungen entsprechende Höchstzahl von Personen beschränkt. (Sascha Hoffmann)

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