Ausschuss unterstützt Bauantrag der Investorin nicht

Dämpfer für Tesla-Häuser in Wolfhagen

So könnten die Mehrfamilienhäuser aussehen: In den jüngsten Entwürfen sind vier- und fünfgeschossige Gebäude vorgesehen.
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So könnten die Mehrfamilienhäuser aussehen: In den jüngsten Entwürfen sind vier- und fünfgeschossige Gebäude vorgesehen.

Ob an der Hans-Staden-Straße in Wolfhagen Investorin Berna Egin-Heinisch und Projektentwickler Wolfgang Heinisch ihre Tesla-Häuser bauen werden, ist offen. Die Entscheidung fällt am 12. November im Stadtparlament.

Wolfhagen – Die Stadt Wolfhagen möchte bei der baulichen Entwicklung der 12 000 Quadratmeter großen Fläche die Zügel nicht aus der Hand geben. Deshalb befürwortet der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung den Bauantrag zur Errichtung der Tesla-Häuser nicht und empfiehlt dem Parlament, seinem Votum zu folgen. Die Stadtverordnetenversammlung wird in dieser Frage am kommenden Donnerstag das letzte Wort haben.

Anfang Oktober hatten die Stadtverordneten für das Gelände einen Aufstellungsbeschluss gefasst und damit erklärt, dort eine bauliche Mischung aus Wohnen und Gewerbe etablieren zu wollen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt hatte Investorin Berna Egin-Heinisch einen Bauantrag gestellt. Damit kam Dynamik in den Prozess. Denn innerhalb von zwei Monaten müsse die Stadt nach Angaben von Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) auf den Antrag reagieren – lasse sie die Frist verstreichen, gelte das Vorhaben als genehmigt.

Magistrat und Bauentwicklungsausschuss ging das alles eine Nummer zu schnell. Und so glichen sich am Mittwochabend die Argumente der Ausschussmitglieder: Die Kommunalpolitiker wollen die Rahmenbedingungen selbst vorgeben und dies nicht einem privaten Investor überlassen. Sie möchten über die Anzahl aller Häuser und die Höhe aller Gebäude entscheiden, die auf der Fläche Platz finden können. Das sei schließlich der übliche Weg der Bauleitplanung.

Wolfgang Heinisch hatte gehofft, vom gewohnten Vorgehen bei der Realisierung des ambitionierten Bauvorhabens abweichen zu können. Er strebte eine Einzelfallgenehmigung an, die nach dem Baugesetzbuch auch möglich ist. Von der Bauaufsicht beim Landkreis Kassel sei ihm die Genehmigung des Antrags in Aussicht gestellt worden, sollte er sich mit der Stadt einig werden.

Die Ausschussmitglieder störten sich an der Vehemenz, mit der der Unternehmer seine Idee vom Green Village in Wolfhagen vorangetrieben hat. „Wir können die Bauleitplanung nicht um die Häuser des Investors rumlegen“, sagte Burkhard Finke (SPD), der sich zugleich über den hohen Druck beschwerte, den Heinisch ausübte. Und Uwe Landgrebe (CDU) verwies darauf, dass bei Einvernehmen mit dem Bauantrag ein Präzedenzfall geschaffen würde, auf den sich später andere Investoren beziehen könnten. Auch wisse man gar nicht mehr, was eigentlich gebaut werden soll, da sich die Planungen ständig änderten. In die gleiche Kerbe schlug Uwe Nord (BWB), der keinen Hehl daraus machte, dass ihm das Auftreten des Projektentwicklers sehr gestört habe. „An vier Abenden haben wir jedes Mal etwas anderes zu hören bekommen.“

Welche Option bleibt nun für die beiden Tesla-Häuser, in denen jeweils 19 Wohnungen entstehen könnten? Investorin Berna Egin-Heinisch möchte bis zum Donnerstag, 12. November, vom Parlament eine Zusage, ob sie an der Hans-Staden-Straße von der Stadt ein Grundstück erwerben kann. Mit dieser Angelegenheit werde sich am Montag zunächst der Magistrat befassen, sagt Schaake, der signalisierte, dass bereits weitere Investoren Interesse an der Errichtung von Mehrfamilienhäuser gezeigt hätten.

Gespräche mit anderen Kommunen im Landkreis Kassel

Die Idee zum Green Village Wolfhagen, einem ökologischen und energieautarken Quartier, das in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Tesla entstehen soll, kommt von Unternehmer Wolfgang Heinisch. Der zeigte sich vom Abstimmungsergebnis des Ausschusses enttäuscht, er akzeptiere aber die „einstimmige, demokratische Entscheidung“. Liege ihm bis zum 12. November keine Zusage vor, ein Grundstück an der Hans-Staden-Straße kaufen zu dürfen, werde er das Projekt von Investorin Berna Egin-Heinisch an anderer Stelle im Landkreis Kassel umsetzen.

Bis zum heutigen Zeitpunkt habe er 65 000 Euro in die Planungen gesteckt, die nach mehreren Sitzungen mit den Gremien der Stadt wiederholt geändert worden seien. Er räumte ein, mit dem Projekt unter hohem Druck zu stehen und drücke daher beim Tempo auf die Tube. Der Grund: Er habe von Tesla die Zusage, dass das Unternehmen 60 Prozent der energetischen Kosten übernimmt. Allerdings müsse er dafür bis zum 31. Oktober 2021 etwas Vorzeigbares auf die Beine gestellt haben. Die Beteiligung Teslas und die staatliche Förderung, wenn nach KfW-40-Standard gebaut werde, machten das Vorhaben wirtschaftlich. Vor diesem Hintergrund sei auch eine Warmmiete von unter zehn Euro realistisch.

Er habe bereits 127 Anfragen vor allem aus dem Wolfhager Umland für die zunächst 38 geplanten Wohneinheiten gezählt, sagt Heinisch. Besonders Senioren hätten für sich die Chance des Konzepts erkannt. „Die Pläne liegen vor, der Bedarf besteht, und das Grundstück wurde sogar schon eingemessen. Wenn sich in der nächsten Woche im Wolfhager Parlament nichts bewegt, werden wir gezwungen sein, einer anderen Kommune im Landkreis den Zuschlag für das Projekt zu erteilen“, sagt der Wolfhager Geschäftsmann.

Zwei Mehrfamilienhäuser mit 38 Wohnungen

Die Planer haben ihre Vorstellungen zu den Tesla-Häusern immer wieder angepasst. Von einem Quartier mit bis zu sieben Gebäuden für knapp 13 Millionen Euro veränderten sich die Planungen hin zum Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit jeweils 19 barrierefreien Wohneinheiten und Kosten von 2,5 Millionen Euro pro Gebäude. Das Außergewöhnliche des Konzepts: Die energetische Versorgung soll autark sein. Es soll eine Tiefgarage mit einem Tesla-Fuhrpark und E-Ladesäulen geben. Für die Bewohner soll ein „Workroom“ entstehen, von dem aus sie im Homeoffice arbeiten können. Durch eine Anbindung an den Tesla Starlink Satelliten könnte ab 2023 schnelles Internet genutzt werden. Darüber hinaus sind Sport- und Bewegungsangebote vorgesehen.

Von Antje Thon

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