„Das macht einfach glücklich“

Zwei Ippinghäuser fahren mit dem Rad zur Arbeit

Bei gutem Wetter fährt Lars Bachmann das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit. Für ihn geht es von Ippinghausen zur Herwig-Blankertz-Schule in Gasterfeld.
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Bei gutem Wetter fährt Lars Bachmann das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit. Für ihn geht es von Ippinghausen zur Herwig-Blankertz-Schule in Gasterfeld.

In unserer Herbstserie „Mobilität“ berichten wir über alle Facetten rund um das Thema. Heute stellen wir zwei Menschen vor, die mit dem Rad zur Arbeit fahren.

Ippinghausen – Für Lars Bachmann und seine Frau ist es der Versuch, mit nur einem Auto klarzukommen und das, obwohl beide außerhalb ihres Wohnortes Ippinghausen arbeiten. Bislang scheint das Mobilitätsmodell zu funktionieren. Der 50-Jährige arbeitet an der Herwig-Blankertz-Schule als Schulpfarrer und nutzt für die Fahrten hin und zurück sein Fahrrad.

„Mein Arbeitsplatz ist in Gasterfeld, der meiner Frau in Westuffeln“, sagt der Theologe, der vor wenigen Jahren von Kassel nach Ippinghausen zog, wo das Paar ein Haus baute. Eine halbe Stunde benötigt er mit dem Pedelec, um die zehn Kilometer zwischen Haustür und Schule zu überbrücken. Dabei kann er zwischen mehreren Streckenvarianten wählen. Bei trockenem, gutem Wetter radelt er über die Feldwege zwischen Leckringhausen und Wolfhagen. Bei Regen seien die eher nicht zu empfehlen, spätestens an den Fischteichen versinke der Radweg im Morast. „Das geht dann nur auf dem Rückweg, wenn ich daheim unter die Dusche kann.“

Für mich ist das Radfahren eher ein Gewinn als ein Verzicht.

Lars Bachmann

Für den Pfarrer gibt es zwei Gründe, weshalb er sich an Unterrichtstagen auf sein Rad schwingt und nahezu das gesamte Jahr über – es sei denn, es stürmt und schneit – den Weg von und zur Arbeit umweltfreundlich zurücklegt. „Zum einen möchte ich einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten.“ Gleichzeitig bleibt er mit den täglichen Fahrten in Bewegung. Der Sport wird integriert in den Alltag. „Ich genieße die Fahrt, den Wald und die frische Luft“, sagt Bachmann. Und plötzlich überwiegen bei allen zuvor ins Feld geführten Bedenken, ob ein Auto für ein berufstätiges Paar ausreicht, die Vorteile. „Für mich ist das Radfahren eher ein Gewinn als ein Verzicht“, so der Ippinghäuser.

Mit dem Rad zur Arbeit: Infrastruktur müsste verbessert werden

Ab und an trifft er auf seinen Fahrten Gleichgesinnte. Seit einiger Zeit kommt ihm morgens zwischen Wolfhagen und Gasterfeld ein Schüler auf dem Rad entgegen, der zur Walter-Lübcke-Schule unterwegs ist. „Das freut mich sehr“, sagt Bachmann.

Drei von etwa 50 Lehrern der Blankertz-Schule nutzten für ihre Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zumindest phasenweise das Rad. Um den Anteil der Radfahrer zu erhöhen, müsste aus Bachmanns Sicht die Infrastruktur verbessert werden. Das geht beim Bau von Wegen los, die dann nur von Radfahrern benutzt werden dürfen, und endet beim Angebot von Duschmöglichkeiten am Arbeitsplatz.

Insbesondere reine Fahrradwege würden der Entwicklung einen Schub verleihen, weil sich dann die Interessenskonflikte auflösten, die es zwischen Joggern, Hundebesitzern, Landwirten, Autofahrern und Radlern auf gemeinsam beanspruchten Weg gäbe, sagt der Pfarrer. Mindestens einmal täglich komme es zu brenzligen Situationen. Dazu zählt riskantes Überholen durch Autofahrer ebenso wie der entschlossene Antritt freilaufender Hunde, die sich auch von den Rufen ihrer Besitzer nicht stoppen lassen.

Seit 20 Jahren „Schönwetterfahrerin“

Auch Grit Hahn zieht es auf das Rad. „Ich bin eine Schönwetterfahrerin“, sagt die 55-Jährige, die ebenfalls in Ippinghausen lebt und von dort nach Zierenberg ins Büro radelt. Von April bis Oktober ist für sie Saison. Und in diesem Sommer hat sie ihre bisherigen Rekorde geknackt. 2800 Kilometer ist sie mit ihrem Rennrad über Straßen und asphaltierte Feldwege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz gependelt.

2800 Kilometer in diesem Sommer gestrampelt: Grit Hahn aus Ippinghausen fährt von April bis Oktober mit dem Rennrad zur Arbeit nach Zierenberg und spart so ganz bewusst CO2 ein.

Vordergründig geht es der sportlichen Frau, die ihr Sommerprogramm seit fast 20 Jahren abspult, um die persönliche Fitness. „Gleichzeitig stärke ich mein Immunsystem und tue was für meine Gesundheit.“ Bei der Fahrt durch die am Morgen erwachende Natur bringe sie ihren Kreislauf in Schwung. Die Natur sei ganz oft wunderschön. So könne sie immer wieder Hasen und Rehe beobachten. „Das macht einfach glücklich.“

Eigenen Rekord von 2800 Kilometern geknackt

Neben diesen Gründen gibt es aber einen weiteren, der an Bedeutung gewinnt. „Ich möchte mich von meinen Enkeln nicht eines Tages fragen lassen, was ich ihnen für eine Welt hinterlassen habe“, sagt Hahn und ist stolz darauf, das Auto an vielen Tagen nicht bewegt und stattdessen umweltfreundlich und mit der eigenen Muskelkraft die zwei Mal 22 Kilometer ins Büro und wieder zurück bewältigt zu haben.

Etwa die Hälfte der Strecke legt die Ippinghäuserin, die in diesem Sommer eine Zunahme von Radfahrern beobachtet hat, auf der Straße zurück. Meistens funktioniere das Miteinander von Autofahrern und Radfahrern ganz gut. „Sehr viele halten sich an die Abstände.“ Dennoch hat sie einen Wunsch, den sie an die Verkehrsteilnehmer richtet, die sich zu riskanten Überholmanövern hinreißen lassen. „Es wäre schön, wenn sie an Stellen, an denen sie niemals ein Auto überholen würden, auch keinen Radfahrer überholen.“ (Von Antje Thon)

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