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Ehemaliger Wolfhager Postbeamte erinnert sich an das Telegramm

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Werner Dobry sitzt mit zwei Fotos im Sessel.
Werner Dobry mit zwei alten Fotos aus seiner Zeit als Postbeamter. Telegramme zu verschicken, gehörte damals zur Routine.  © Maike Lorenz

Mehr als 40 Jahre lang hat Werner Dobry Telegramme verschickt. Zum Jahresbeginn hat die Post das Produkt eingestellt.

Wolfhagen – Wann Werner Dobry sein letztes Telegramm aufgegeben hat? Daran kann sich der 79-Jährige nicht mehr erinnern. Eines weiß Dobry aber mit Sicherheit: „In meinem Leben habe ich einige Hundert Telegramme versendet.“

Werner Dobry aus Wolfhagen ist ehemaliger Postbeamter. Mehr als 40 Jahre lang hat er unter anderem in Kassel, Korbach und Wolfhagen am Schalter gestanden. „In Wolfhagen habe ich ziemlich genau 25 Jahre lang gearbeitet“, berichtet der 79-Jährige.

Während das Telegramm im ehemaligen Berufsalltag von Werner Dobry noch Alltag gewesen ist, ist das Telegramm spätestens seit Anfang dieses Jahres nur noch Vergangenheit. Wegen fehlender Nachfrage hat die Post das Telegramm am 31. Dezember eingestellt.

„Ich habe schon gestaunt, dass es das Telegramm überhaupt so lange gegeben hat“, sagt Werner Dobry. „Wer will denn heute noch ein Telegramm schicken? Fragen Sie mal ein Kind, das weiß ja gar nicht mehr, was ein Telegramm ist. Das Telegramm ist ein Relikt.“

Deutsche Teilung erhöhte Bedeutung des Telegramms

Als Werner Dobry 1958 Postbeamter wurde, war das noch anders. Er erzählt: „Das Telegramm war bis Anfang der 90er-Jahre sehr gefragt.“ Insbesondere durch die deutsche Teilung habe das Telegramm eine besondere Bedeutung gehabt.

Wenn beispielsweise in Wolfhagen jemand gestorben war, hätten Verwandte in der DDR in die Bundesrepublik reisen dürfen. Bedingung für die Ausreise sei allerdings gewesen, dass die DDR-Bürger den Todesfall mit Hilfe eines Telegrammes amtlich bestätigen konnten. „Ohne das Schriftstück konnte man nicht reisen“, erinnert sich Werner Dobry.

Werner Dobry sitzt 1972 an einem Schreibtisch bei der Post.
Werner Dobry im Herbst 1972: Zu dem Zeitpunkt arbeitete er noch in Korbach. Erst ab 1974 stand er in Wolfhagen am Schalter. © Privat

Telegramme zu versenden war Routine

Im Schnitt zwei bis drei Mal am Tage habe die Post früher ein Telegramm verschickt. „Das war Routine. Ich habe den Kunden das Formblatt gegeben, die haben ihren Text geschrieben und dann wurden die Wörter gezählt und abgerechnet“, erzählt Dobry. Anschließend sei das Telegramm dann telefonisch nach Kassel übermittelt worden. In späteren Berufsjahren konnte das Telegramm dann auch eingescannt und nach Kassel versendet werden, berichtet der 79-Jährige.

„Ein Telegramm zu verschicken, war gar nicht so billig. Unter 15 Mark kam man nicht weg.“ Das Telegramm sei somit deutlich teurer als ein Brief gewesen. Unter anderem deshalb habe das Telegramm für viele Menschen früher einen besonderen Stellenwert gehabt, sagt Dobry.

„Telegramme wurden häufig zum Geburtstag, zu Jubiläen, Beförderungen oder auch Beileidsbekundungen versendet.“ Gefragt sei das Telegramm immer dann gewesen, wenn eine Nachricht besonders schnell verschickt werden musste. Mit der Erfindung von Computer und Handy habe sich der Zweck dann erübrigt. (Maike Lorenz)

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