Entdeckungen am Nachthimmel

Der Große Orionnebel ist die Kinderstube der Sterne

Im hellen Zentrum des Orionnebels versorgt der „Trapez“ genannte Sternhaufen die umgebenden Gaswolken mit Strahlungsenergie und lässt den Nebel dadurch leuchten.
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Im hellen Zentrum des Orionnebels versorgt der „Trapez“ genannte Sternhaufen die umgebenden Gaswolken mit Strahlungsenergie und lässt den Nebel dadurch leuchten.

Der Nachthimmel birgt viele Geheimnisse. In einer Serie bringen wir etwas Licht ins Dunkel und stellen spannende Himmelserscheinungen vor, die jeder ohne Hilfsmittel selbst beobachten kann.

Wolfhager Land – Das Sternbild Orion gilt vielen als das schönste und auffälligste am ganzen Winterhimmel. Zu Beginn des Jahres ist der Himmelsjäger gegen 22 Uhr sehr einfach in südlicher Richtung aufzufinden.

Orion wird von sieben hellen Sternen markiert: Die auffällige Reihe aus den drei Sternen Mintaka, Alnilam und Alnitak stellt seinen Gürtel dar. Sie werden umrahmt von Beteigeuze und Bellatrix, den Schultersternen sowie von Rigel und Saiph, den Fußsternen. Unterhalb des Gürtels funkelt Orions sogenanntes Schwertgehänge, das aus drei kleineren Sterngruppen gebildet wird. Dazwischen, als diffuses „Sternchen“ auch ohne optische Hilfsmittel erkennbar, befindet sich der Große Orionnebel. Der französische Astronom Charles Messier führte diesen Nebel unter der Bezeichnung M42 in seinem 1784 erschienen Katalog auf.

Blickt man nicht direkt auf das Schwertgehänge, sondern daran vorbei (indirektes Sehen), kann der Orionnebel besser wahrgenommen werden. Wer einen Feldstecher zur Hand hat, sollte damit unbedingt einen Blick auf diese Kinderstube für Sterne werfen. Die Sterngruppen im Schwertgehänge lassen sich gut damit trennen und der Nebelcharakter von M42 wird offensichtlich. Schon in einem kleinen Teleskop zeigen sich darüber hinaus Nebelstrukturen und Sternhaufen im Zentrum.

Einige der aktivsten Sternentstehungsgebiete der Milchstraße liegen im Orionnebel, eingebettet in leuchtende interstellare Gaswolken. Ähnlich einer Neonröhre, in der Neongas unter hoher elektrischer Spannung zu leuchten beginnt, senden auch kosmische Nebel Licht aus, wenn sie starker Strahlung ausgesetzt sind.

Die Strahlungsquellen sind im Falle des Orionnebels sehr heiße Sterne im Herzen des Nebels. Es handelt sich dabei um einen sehr jungen offenen Sternhaufen, dessen vier hellsten Sterne aufgrund ihrer Anordnung Trapez genannt werden.

Die für unser Auge unsichtbare UV-Strahlung der Trapez-Sterne wird von den Wasserstoffatomen des umgebenden Nebels kurzzeitig aufgenommen und sofort wieder als tiefrotes Licht abgegeben. Andere Elemente wie zum Beispiel Helium, Sauerstoff oder Stickstoff, die in deutlich geringeren Mengen vorkommen, senden grünliches oder bläuliches Licht aus.

Leider ist die Farbenpracht des Orionnebels aufgrund seines für irdische Beobachter schwachen Lichtes selbst in mittelgroßen Teleskopen kaum wahrnehmbar. Das relativ unempfindliche menschliche Auge erkennt bei lichtschwachen Objekten fast immer nur Grautöne. Erst langbelichtete fotografische Aufnahmen geben einen Eindruck von der Farbenfülle des Nebels und verzaubern ihre Betrachter.

In den vergangenen Jahrzehnten spürten leistungsfähige Großteleskope im Orionnebel eine Vielzahl von Sternen auf, die in der Entstehung begriffen oder erst wenige tausend Jahre alt sind. Astronomen können dort diskusartige Staubscheiben beobachten, die diese sehr jungen Sterne umgeben. Nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickeln sich daraus die Planeten. Allerdings liegen die beobachteten Ereignisse rund 1350 Jahre zurück. Dies ist die Zeit, die das Licht bei einer Geschwindigkeit von 300 000 Kilometer pro Sekunde benötigt, bis es die Erde erreicht hat.

Der Große Orionnebel hat also jedem etwas zu bieten: Dem Sternfreund, der sich an der Schönheit des Sternhimmels und seinen faszinierenden Objekten erfreut als auch dem forschenden Wissenschaftler, der der Entstehung von Sternen und ihren Planeten auf der Spur ist. (Ralf Gerstheimer)

Unterhalb der drei Gürtelsterne befindet sich im Schwertgehänge der Große Orionnebel M42.

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