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Der Rothirsch im Wolfhager Altkreis ist bedroht

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Von: Bea Ricken

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Der Rothirsch
Rothirsche sind in ihrem Bestand gefährdet: Zu kleine Wildtierbezirke und Autobahnen machen dem Tier das Leben schwer.   © Gerhard Calden

Wildbiologen und Jäger sorgen sich um den Bestand des Rotwildes im Rotwildgebiet Wattenberg-Weidelsburg, da der Austausch der Tiere so gering ist

Wolfhager Land – Wildbiologen und Jäger sorgen sich um den Bestand des Rotwildes. Ursache ist ein Inzuchtproblem, weil der genetische Austausch unter den Tieren zu gering ist.

Dies liegt zum einen an ausgewiesenen Rotwildbezirken: Verlässt ein Tier dieses Gebiet, darf es abgeschossen werden. Zum anderen wird das Wild durch das wachsende Autobahnnetz und die Zersiedelung der Landschaft eingeengt.

Besonders stark von diesem Problem betroffen ist das Rotwildgebiet Wattenberg-Weidelsburg, das sich über den Altkreis Wolfhagen und den östlichen Teil von Waldeck-Frankenberg erstreckt.

„Wir haben hier den zweitkleinsten Rotwildbezirk in Hessen“

„Wir haben hier den zweitkleinsten Rotwildbezirk in Hessen“, so Klaus Lötzerich, Vorsitzender der zuständigen Hegegemeinschaft. Er geht von rund 60 Tieren aus, die auf einem Teil des Gebietes von 23  000 Hektar leben. Das Inzuchtproblem ist aus seiner Sicht enorm.

Einen deutlichen Beleg für diese These fanden die Mitglieder bei Altenhasungen: Ein Hirschkalb, das erlegt wurde, wies eine Missbildung des Kiefers auf. Ein deutlicher Hinweis auf Inzucht.

Ein weiteres Zeichen für Inzucht seien Fehlgeburten. „Davon bekommen wir aber leider selten etwas mit, weil die Frühgeburten von anderen Tieren gefressen werden“, so Lötzerich.

Die Mitglieder der Hegegemeinschaft sehen den Bestand in der Region erheblich bedroht

Die Mitglieder der Hegegemeinschaft sehen den Bestand in der Region erheblich bedroht. Darin bestätigt werden sie von der Uni Gießen. Deren Prognose: Bereits in zehn Jahren könnten ganze Populationen nicht mehr lebensfähig sein.

Die Hegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg hat Ideen, wie das Inzucht-Problem gemildert werden kann: „Es müssen Korridore zwischen den Rotwildgebieten geschaffen werden, auf denen ein Abschuss verboten ist“, so Lötzerich.

Außerdem schlägt die Hegegemeinschaft vor, Grünbrücken über Autobahnen und stark befahrenen Straßen zu schaffen, damit das Wild sicher in andere Bereiche wechseln kann. Bisher bleibt der sogenannte Platzhirsch Alleinherrscher im Bezirk und pflanzt sich auch mit seinen Kindern fort. Wegen der Abschussgenehmigung schaffen es Junghirsche nicht zu wechseln.

Kommentar von Bea Ricken: Lasst die Hirsche wandern

Es sieht nicht gut aus, für unser größtes heimisches Säugetier: Inzucht und genetische Verarmung reduzieren die Bestände immer weiter. Wenn nichts passiert, landet der König des Waldes bald auf der Liste der aussterbenden Arten. Eine Begegnung mit ihm in der freien Wildbahn ist ohnehin schon heute eine absolute Rarität, die meisten kennen ihn nur von einem Besuch im Tierpark Sababurg.

Von den Feldern vertrieben ihn schon die Bauern im 19. Jahrhundert. Seinerzeit wurde so viel geschossen, dass es ihm schon einmal an den Kragen ging. Geflüchtet in die Wälder, ärgerten sich die Waldbesitzer, weil er die jungen Bäume anknabberte. Also wurde der „Waldschädling“ geächtet und in Reservate eingesperrt.

Seit Jahren schlagen Wissenschaftler, Jäger und Wildbiologen Alarm. Jetzt ist es kurz vor zwölf für den Hirsch. Ein Schutzprogramm muss her, sicheres Wandern, damit die Tiere ihre Gene verbreiten können, Grünbrücken als Vernetzung von Lebensräumen und die Toleranz, einen Prozentsatz an Wildschäden zu akzeptieren. Wälder bestehen eben nicht nur aus Bäumen.

Im Gegenzug erhöht das Rotwild nämlich durch sein Äsen von Büschen, Baumkeimlingen und Kletterpflanzen den Lichtanteil am Boden, der wiederum anderen Pflanzenarten die Möglichkeit zum Wachsen bietet. Der Hirsch ist nicht nur Teil des Ökosystems und sollte auch als solcher wahrgenommen werden, sondern außerdem ein wunderschönes, majestätisches Tier, das Recht auf einen Platz im Wald hat.

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