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Der Wald wird sich bald erholen

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Von: Antje Thon

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der Wald am Ofenberg und Forstunternehmer Sepp Riedl
Jahrzehntelang durfte sich der Wald am Ofenberg entfalten: Nun allerdings muss aus Gründen der Sicherheit eingegriffen werden. Forstunternehmer Sepp Riedl wird sich mit seinem Harvester in das steile Gelände begeben, um abgestorbene und kranke Kiefern zu entnehmen. © Antje thon

Am steilen Ofenberg in Wolfhagen werden kranke Kiefern für das Wohl des Waldes gefällt

Wolfhagen – Ende April sollte die meiste Arbeit eigentlich erledigt sein. Doch erst passte das Wetter nicht, dann gab der Zylinderkopf am Harvester seinen Geist auf und musste repariert werden.

Die aufwendigen Rodungen am Ofenberg in Wolfhagen gerieten ins Stocken, noch bevor sie Ende Februar richtig begonnen hatten. Und so liegen noch immer fünf Wochen Einsatz vor Sepp Riedl, der in den steilen Lagen des 40 Hektar großen Waldes im Auftrag von Revierförster Friedrich Vollbracht vor allem trockene Schwarzkiefern und Waldkiefern fällen wird.

Die Aufgabe, vor der der selbstständige Forstunternehmer aus München steht, ist alles andere als ein Kinderspiel. Nicht jeder, der in der Lage ist, einen Holzvollernter zu steuern, wagt sich auch in das Gelände in Wolfhagens Osten. Steillagen von 35, teilweise 40 Prozent haben den einen oder anderen Profi auf den Auftrag verzichten lassen.

Am Ofenberg ist der Anteil an Schwarzkiefer und Waldkiefer hoch

Am Ofenberg, der nicht bewirtschaftet wird und ein reiner Erholungswald ist, ist der Anteil an Schwarzkiefer und Waldkiefer hoch. Die knappe Hälfte beider Nadelbaumarten ist bereits trocken oder ein Absterben im Gange.

Grund hierfür, so Vollbracht, seien diesmal nicht die zuletzt trockenen Sommer. Vielmehr liegt die Wurzel des Übels in Wintern, in denen die Temperaturen ungewöhnlich ansteigen und so die Ausbreitung eines Schadpilzes begünstigen, der wiederum zum Diplodia-Triebsterben führt. Die Konsequenz: Der Baum wird trocken und droht, nach wenigen Jahren umzufallen.

Da nun aber der Ofenberg durchzogen ist von zahlreichen Wanderwegen und Pfaden, auf denen viele Besucher unterwegs sind, müsse gehandelt werden, sagt Vollbracht, der zuvor bereits von Waldnutzern auf die Gefahren angesprochen worden war.

Ein herkömmliches Fällen sei in den Hängen aus Sicherheitsgründen nicht möglich

Ein herkömmliches Fällen, bei dem die Bäume mittels Motorsäge durch einen Forstarbeiter umgelegt werden, sei in den Hängen aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Büsche und umherliegendes Holz verhinderten einen gefahrlosen Rückzug des Waldarbeiters in dem Moment, in dem der Baum fällt.

Deshalb wird Sepp Riedl das anspruchsvolle Gelände in seinem Harvester mit Traktionswinde befahren. Von oben wird der Forstunternehmer alle gut 20 Meter bergabwärts eine Schneise in die Hänge schlagen, auf denen sich der Wald in den vergangenen 40 Jahren frei von Eingriffen hat entfalten können.

Gehalten wird der Holzvollernter dabei von einem 150 Meter langen, dünnen Drahtseil, das von einer Winde abgespult wird, die wiederum fest auf einem Schlepper installiert ist. „Ich muss genau schauen, wo es nach unten geht, damit ich auch wieder zurückkomme“, sagt Riedl. Den Weg zurück bewerkstelligt die schwere Maschine aus eigener Kraft, unterstützend hilft die Winde.

Für die Fluchten, die in den Wald geschlagen werden, müssen auch gesunde Bäume weichen

Von der Rückegasse aus werden schließlich die toten und kranken Kiefern gefällt und vor Ort zerteilt. Eine andere Maschine, die mit einem Kran ausgestattet ist, holt das Holz schließlich von der Fläche. Am Fuße des Ofenberges, dort wo der Wald an die Bebauung stößt, soll ein mehrere Meter breiter, baumfreier Saum entstehen.

Für die Fluchten, die in den Wald geschlagen werden, müssen auch gesunde Bäume weichen. „Das wird am Ende nicht schön aussehen“, sagt Förster Vollbracht, aber es sei die einzige Alternative zu einem Betretungsverbot. In diesem Jahr werden die Besucher des Ofenberges kaputte Wege, Rückegassen und einen zerfledderten Wald hinnehmen müssen.

Doch mit jedem weiteren Jahr wird sich die Vegetation erholen. Schon jetzt drängten sich mit Buchen, Kirschen und Eschen andere Arten zwischen die Kiefern. „Das zeigt uns, wo der Wald hinwill“, so Friedrich Vollbracht.

Der Anteil der Kiefer am Ofenberg soll zukünftig bei 25 Prozent liegen

Künftig soll der Anteil der Kiefer am Ofenberg bei 25 Prozent liegen. Eigentlich seien die sonnenverwöhnten Muschelkalkhänge für die Schwarzkiefer ideal, die vor etwa 100 Jahren wahrscheinlich von Korsika kommend angepflanzt oder ausgesät wurden. Dass sie nun doch schwächelt, wirft mit Blick auf die Entwicklung der Wälder Fragen auf. (Antje Thon)

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