Corona

Durch die Reisebeschränkungen machen mehr Menschen Urlaub in Deutschland

Gäste aus aller Welt: Familie Myunghwan aus Süd-Korea hat einen Monat lang in der Ferienwohnung von Artur Schöneburg in Wolfhagen gewohnt.
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Gäste aus aller Welt: Familie Myunghwan aus Süd-Korea hat einen Monat lang in der Ferienwohnung von Artur Schöneburg in Wolfhagen gewohnt. Das Foto wurde neben dem Haus in der Kellerwaldstraße aufgenommen

Wer will sich schon nach dem Urlaub in Quarantäne begeben? Vermutlich die wenigsten. Deshalb verbringen viele Deutschen ihren Urlaub im eigenen Land.

Wolfhager Land – Wer Urlaub in einem Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet macht und nicht nachweisen kann, dass er geimpft oder genesen ist, muss sich bei der Rückreise nach Deutschland in Quarantäne begeben. Wie wirken sich die Deutschland-Urlauber auf den Tourismus im Wolfhager Land aus?

„Wolfhagen wird dieses Jahr, wie auch schon im vergangenen Jahr, sehr gut vom Tourismus angenommen“, sagt Heike Dahm, die gemeinsam mit ihrem Mann Gerd Cramer zwei Ferienwohnungen in Wolfhagen bei der Online-Buchungsplattform Airbnb vermietet.

Die Erfahrungen während der Pandemie sind unterschiedlich

Neben deutschen Gästen kommen auch viele Holländer bei ihnen unter, sagt sie. Aber auch Geschäftskunden tragen zu der guten Auslastung bei. Dass die Vermietung so gut läuft, liege vor allem an der zentralen Lage mitten im Stadtkern von Wolfhagen.

Auch Artur Schöneburg nutzte Airbnb bisher für die Vermietung einer der vier Wohnungen in dem Haus in Wolfhagen, das er sich mit seinen Eltern teilt. Seit März vergangenen Jahres steht die Wohnung allerdings leer – zu groß schien der Familie das Ansteckungsrisiko.

Demnächst soll die Wohnung fest vermietet werden, so Schöneburg. Schade, wie er findet. „Mir und meiner Frau gefiel der Ferienwohnungs-Modus besser, weil dadurch viele neue Bekanntschaften entstehen“, sagt er. Sogar Gäste aus Süd-Korea, Ukraine und den Niederladen hat die Familie schon beherbergt.

Nur 20 Prozent touristische Reisen

In die Ferienwohnung Frau Holle von Lydia Baumann aus Wolfhagen mieten sich momentan vor allem Handwerker ein, die auf den Baustellen in der Region arbeiten. „Sie retten uns während der Pandemie“, sagt Baumann. Mehr noch: Durch die Handwerker lässt sich sogar ein richtiger Aufschwung verzeichnen.

80 Prozent der Buchungen gehen auf Geschäftsreisende zurück und nur 20 Prozent auf die Touristen. „Vor Corona war das eher andersrum“, so Baumann. Wie es im kommenden Jahr aussehen wird, kann die 35-Jährige nicht prophezeien – sie hofft einfach, dass sich die Lage entspannt.

Auch sie selbst möchte wieder entspannt reisen. Coronabedingt wurden viele ihrer Buchungen storniert, wie sie sagt.

Urlaub in Deutschland scheint einfach sicherer

Dass der Trend während der Pandemie in Richtung Ferienhäuser und -Wohnungen geht, sagt auch Anne-Kathrin Nußer vom Reisebüro Wimke in Wolfhagen. Hotels würden zwar auch gebucht, aber eher weniger.

Die meisten wollen ihren Urlaub in Deutschland verbringen – auch Österreich steht oben auf der Liste. Wenn Auslandsreisen gebucht werden, dann eher in europäische Länder, bei Fernreisen seien die Urlauber weiterhin vorsichtig.

Positiv aufgefallen ist der 24-Jährigen, dass zu Zeiten von Corona mehr über Reisebüros gebucht wird als sonst, weil das für viele mit einem Gefühl von Sicherheit verbunden sei. „So makaber es auch klingen mag, aber die Delta-Variante spielt uns in die Karten“, sagt Lukas Frankfurth, Geschäftsführer der Emstaler Höhe. „Die Leute wollen sicher Urlaub machen und bleiben in Deutschland“.

Stärkere Auslastung als vor Corona

Im Vergleich zu vergangenem Jahr sei das Hotel jetzt deutlich stärker ausgebucht – sogar stärker als vor Corona, sodass er und seine Mitarbeiter nicht mehr hinterherkommen und Frankfurth nun Mitarbeiter sucht.

Auch Heike Dietrichkeit, Geschäftsführerin der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Naturpark Habichtswald, kann sich nicht beschweren. „Die Auslastung ist gut“, sagt sie. Ihrem Eindruck nach sind die Menschen sehr dankbar für die Angebote, die sich in erster Linie aufs Wandern und Radfahren beziehen und so ganz coronakonform an der frischen Luft stattfinden können. (Lea-Sophie Mollus)

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