Der Naumburger Kegelclub „Frisch Auf“ löst sich nach 62 Jahren auf

Die Abräumer aus Naumburg setzen sich zur Ruhe

Noch bis zuletzt aktiv: Präses Werner Potthast (links), Dieter Tonn mit Wettkampftrikot und Reinhold Groß. Die Trophäen der vergangenen Jahrzehnte glänzen wie am ersten Tag.
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Noch bis zuletzt aktiv: Präses Werner Potthast (links), Dieter Tonn mit Wettkampftrikot und Reinhold Groß. Die Trophäen der vergangenen Jahrzehnte glänzen wie am ersten Tag.

In ihren Wohnzimmern glänzen die Pokale, Trophäen aus einer Zeit, als Dieter Tonn, Reinhold Groß, Werner Potthast und ihre Sportkameraden vom Kegelclub „Frisch Auf Naumburg“ auf den Bahnen ihrer Heimatstadt, aber auch in der Region mit ihren Würfen abräumten.

Naumburg – Die Zeiten der Pokalsiege ist längst vorbei, und der Glanz des Clubs ist stumpf geworden.

Heute, an Silvester, wird der Kegelclub abgewickelt, und schon morgen, mit Beginn des neuen Jahres, ist er nach mehr als 62 Jahren Geschichte.

Zuletzt, sagt Präses Werner Potthast, hätten noch gerade mal sieben Leute auf der Mitgliederliste gestanden. Aktiv gekegelt haben eigentlich nur noch er, Dieter Tonn und Reinhold Groß. Zuwenig, um einen Club am Leben zu halten. „Wir drei haben vielleicht vor acht Wochen zuletzt gekegelt“, auf der Bahn in der Wolfhager Stadthalle, weil es in Naumburg nur noch eine Kegelbahn gibt, im katholischen Gemeindezentrum, die aber den Ansprüchen der Frisch-Auf-Truppe nicht genügt. Dieter Tonn, mit 77 Jahren der Jüngste und über die vielen Jahre auch der Erfolgreichste des Trios, bezeichnet sie als „Spielplatz“: Zu kurz und zu klein für Leute wie sie, die ihren Sport all die Jahre mit Leidenschaft und Ambitionen ausgeübt haben.

Als junge Kerle kamen sie zum Kegeln. Die Bahn ihrer Wahl stand in Naumburg am Fuße des Burghains. Ende der 50er-Jahre war das. „Wir sind dann einfach mal hingegangen und hatten von nichts eine Ahnung. Die Alten haben uns ein paar Tricks gezeigt“, sagt Reinhold Groß, der wie Werner Potthast 1960, also ein Jahr nach Gründung von „Frisch Auf“ Mitglied wurde.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten war jeden Freitag Kegeln angesagt. Der Sport boomte seinerzeit, erinnert sich Groß, „es gab jede Menge Gruppen“. Und die Truppe, zu der 1966 dann auch Dieter Tonn stieß, wollte etwas erreichen. „Wir waren alle ehrgeizig. Wir haben vor Ehrgeiz gebrannt“, erinnert sich der heute 82-jährige Groß, und seine Augen leuchten.

In einer Chronik zum 50-jährigen Bestehen des Clubs sind alle Erfolge notiert. Wettkämpfe in Naumburg, Königskegeln, Stadtmeisterschaften auch andernorts. Frisch Auf, erinnern sich die letzten drei, war immer gut dabei. Der Leistungsgedanke, meint Groß heute zurückblickend, habe vielleicht auch dazu geführt, dass eigentlich schon früh der Nachwuchs im Club rar war. „Es hieß immer: Das sind die Profis, die hatten alle Angst vor uns.“

Die frühen Jahre: Anfang der 1960er-Jahre werden die Kegel noch per Hand gestellt. Mit dabei sind auch bereits Reinhold Groß (Zweiter von rechts) und Werner Potthast, der Blonde in der Mitte. Kniend die beiden Jungs, die die Kegel stellten.

Dabei habe man nicht nur den Sport im Angebot gehabt, man sei auch sehr gesellig gewesen, habe viel gefeiert, Busfahrten mit den Frauen bis ins benachbarte Ausland unternommen. Aber auch bei den routinemäßigen Kegelabenden habe man viel Spaß gehabt und so manches Glas oder besser so manchen Stiefel gekippt.

Auch da könne man heute nicht mehr mithalten, sagt Reinhold Groß etwas wehmütig: „Wir können ja inzwischen kein Bier mehr vertragen.“ Die Jahre, die jeder von ihnen auf dem Buckel habe, merke man schon. „Wir sind dafür zu alt“, sagt auch der 83-jährige Club-Chef Potthast. Das sei auch einer der Gründe gewesen, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen: „Wir können heute gesundheitsmäßig nicht mehr so richtig“, bringt es Groß auf den Punkt.

„Wir wollen uns auch in Zukunft ab und zu treffen“, sagt Reinhold Groß über die Zeit nach dem Ende des Clubs. „Vielleicht kegeln wir auch mal zwischendurch. Denn die ganze Kegelzeit, das war doch die schönste Zeit.“ (Norbert Müller)

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