Nachthimmel

Die Andromeda-Galaxie: Vom Nebel zur Welteninsel

Die Andromeda-Galaxie M31 mit den beiden hellen Begleitgalaxien M110 (oberhalb von M31) und M32 (am unteren Rand der Galaxie)
+
Die Andromeda-Galaxie M31 mit den beiden hellen Begleitgalaxien M110 (oberhalb von M31) und M32 (am unteren Rand der Galaxie)

Der Nachthimmel birgt viele Geheimnisse. In einer Serie wollen wir etwas Licht ins Dunkel bringen und spannende Himmelserscheinungen vorstellen, die jeder ohne Hilfsmittel selbst beobachten kann.

Wolfhager Land – Gerade einmal einhundert Jahre ist es her, dass Astronomen das Rätsel um die wahre Beschaffenheit des Andromeda-Nebels lösen konnten. Das längliche, milchige Fleckchen im Sternbild Andromeda ist zwar unscheinbar, aber doch mit bloßem Auge gut zu erkennen.

Der französische Astronom Charles Messier führte den Nebel in seinem 1771 erschienenen Katalog als Objekt M31 auf. Um ihn aufzufinden, startet man am besten beim Polarstern und folgt von dort zunächst einer Linie zum hellsten Stern des Sternbildes Kassiopeia, Schedir.

Mit bloßem Auge ist bloß das helle Zentrum der Galaxie zu erkennen

Im Volksmund ist dieses Sternbild auch unter dem Namen Himmels-W bekannt, der Stern Schedir befindet sich in der unteren rechten Ecke des W. In Verlängerung der Linie Polarstern – Schedir um etwa die halbe Strecke sollte man bei klarem, dunklem Himmel auf ein kleines, sehr lichtschwaches Wölkchen stoßen, die Andromeda-Galaxie.

Sie befindet sich etwas nördlich der charakteristischen Kette aus vier mittelhellen Sternen im Sternbild Andromeda und steht im September gegen 22 Uhr bereits hoch am Himmel. Langbelichtete Fotografien zeigen, dass mit bloßem Auge lediglich das helle Zentrum der Galaxie zu erkennen ist.

Entdeckungen am Nachthimmel

Der Vollmond würde mehr als sechsmal hineinpassen

Tatsächlich erstreckt sich die Galaxie über einen Bereich, in den der Vollmond mehr als sechsmal hineinpassen würde. Ein Fernglas eignet sich bestens, um einen Eindruck von der Größe, der elliptischen Form und der nebligen Erscheinung des Objektes zu erhalten. Sogar eine der Begleitgalaxien, Messier M32, ist im Fernglas als Sternchen sichtbar.

Edwin Hubble, nach dem das bekannte Weltraumteleskop benannt wurde, gelang es 1923 mit dem damals modernsten und weltgrößten Teleskop auf dem kalifornischen Mount Wilson einzelne Sterne im Andromeda-Nebel zu fotografieren.

Unser Sonnensystem ist nur eines von hunderten Milliarden in unserer Milchstraße

Damit war der Beweis erbracht, dass es sich bei M31 und anderen Spiralnebeln nicht um Gaswolken, sondern um Galaxien mit vielen Milliarden Sternen handelt. Heute wissen wir, dass unser Sonnensystem mit dem Planeten Erde nur eines von hunderten Milliarden in unserer Milchstraße ist und diese wiederum nur eine von vielen Milliarden Galaxien.

Vor der Erfindung des Teleskops Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Flecken am Nachthimmel für Kometen, Ausdünstungen der Atmosphäre oder ähnliche Erscheinungen gehalten. Als immer größere Teleskope mehr und mehr Spiralnebel entdeckten, entbrannte unter den Forschern ein Streit, ob es sich dabei um Gasansammlungen oder um Galaxien handele, deren Einzelsterne nicht aufgelöst werden können.

Das Universum dehnt sich aus

So spekulierte 1775 der Philosoph Immanuel Kant (1724 bis 1804), dass es sich bei einigen Nebeln um sogenannte Welteninseln handeln könnte – Sternsysteme ähnlich unserer Milchstraße. Hubble konnte auch anhand von Messungen an veränderlichen Sternen in der Andromeda-Galaxie und anderen Galaxien ihre Distanz und die Geschwindigkeit bestimmen, mit der sie sich von der Milchstraße entfernen.

Seine wichtigste Entdeckung war dabei, dass sich alle Galaxien bzw. Galaxienhaufen voneinander entfernen und sich das Universum insgesamt ausdehnt.

Andromeda-Galaxie am nördlichen Sternhimmel einzigartig

Als Beobachtungsobjekt ist die Andromeda-Galaxie am nördlichen Sternhimmel einzigartig. Während sich alle anderen freiäugig sichtbaren Sterne und Sternhaufen des Nachthimmels innerhalb unserer Heimatgalaxie Milchstraße befinden, ermöglicht einzig die Andromeda-Galaxie einen direkten Blick auf solch eine ferne Welteninsel im Universum.

Nach neuesten Erkenntnissen befindet sie sich etwa 2,4 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und besteht aus ca. 300 Milliarden Sternen. (Ralf Gerstheimer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.