Viele Aufträge trotz Corona

Die Bauhandwerker im Wolfhager Land können weiterhin ihrer Arbeit nachgehen

Malerbtrieb Döring in Breuna: (Von links) Friedhelm Döring, Marc Döring und Hermann Döring
+
Ihre Arbeit leidet nicht unter dem Corona Lockdown: (Von links) Friedhelm Döring, Marc Döring und Hermann Döring haben in ihrem Malerbtrieb Döring in Breuna auch in Coronazeiten viel zu tun.

Wolfhager Land – Viele Betriebe sind durch die Coronakrise stark eingeschränkt. Vor allem Kosmetik-Institute und Messe- und Ladenbauer haben schwer zu kämpfen, bestätigt Barbara Scholz, Pressesprecherin der Handwerkskammer Kassel. Doch so mancher Betrieb hat auch trotz des Lockdowns viel zu tun.

Die Bauhandwerker können sich derzeit im Wolfhager Land nicht beklagen, denn sie profitieren von vollen Auftragsbüchern. Das kann Johannes Schwarz, stellvertretender Kreishandwerksmeister und selbst Zimmermeister aus Oelshausen bestätigen. „Wir haben weiterhin viele Aufträge und können uns über Arbeit nicht beschweren.“ Ein starker Unterschied zu den anderen Berufsgruppen. „Viele Menschen haben ihr Geld in die eigenen vier Wände investiert, statt es zum Beispiel für den Urlaub oder andere Konsumgüter auszugeben“, begründet Barbara Scholz den gut laufenden Betrieb der Bauhandwerker.

Doch das sei nicht der einzige Grund, warum es die Baubetriebe leichter haben. „Wir arbeiten sehr viel draußen, sind also an der frischen Luft und nicht drinnen bei den Kunden. So können wir viel besser den Abstand wahren“, sagt Johannes Schwarz. Natürlich arbeiten sie auch weiterhin mit Masken. Dennoch hat der Zimmermeister auch mit Einschränkungen zu tun. Das betreffe vor allem seine Mitarbeiter. „Viele Mitarbeiter müssen öfter mal zu Hause bleiben, da sie ihre Kinder betreuen wollen, weil die Kindergärten und Schulen derzeit nur eingeschränkt geöffnet sind. Wir werden daher durch die Kinderbetreuung in gewisser Weise ausgebremst.“ Ein weiteres Problem sei die Zulieferung von Baumaterialien. „Die Materialien fehlen uns, da die Zulieferer selbst durch Corona nicht an diese gelangen“, so Schwarz. Dadurch komme auch er mit seiner Arbeit in Verzug. „Die Kunden möchten uns momentan gerne noch schneller und öfter sehen.“

Die Bau- und Ausbaubranche ist derzeit also gesichert und die Handwerkskammer Kassel kann bestätigen, dass die Branche auf ein stabiles Jahr 2021 hindeutet.

„Wir sind gut ausgelastet“

Die Bau- und Ausbaubetriebe im Wolfhager Land haben trotz des Corona-Lockdowns weiterhin volle Auftragsbücher. „Wir sind soweit wirklich gut ausgelastet“, bestätigt der Tischlermeister Bernhard Werner von der Schreinerei in Naumburg. Sie haben derzeit viele Aufträge und sind daher nicht wirklich von Corona beeinträchtigt. Auch bei seinen Mitarbeitern musste Werner keine Abstriche machen. „Wir sind zwar auch ein kleiner Betrieb, aber dennoch können alle weiterarbeiten, und keiner muss in Kurzarbeit.“

Das Einzige, was für die Schreinerei durch Corona anders geworden sei, seien die Arbeitsvorbereitungen. Diese seien nämlich aufwendiger. Die Schreinerei müsse sich mit den Kunden natürlich absprechen, wenn sie zu ihnen kommen wollen, damit möglichst wenige Personen vor Ort sind. So könne man zusätzliche Kontakte größtmöglichst vermeiden.

„Wir als Maler können weiterhin durchgängig arbeiten“, sagt der Malermeister Marc Döring vom Malerbetrieb Döring in Breuna. Dadurch, dass die Menschen derzeit ins Handwerk investieren, sieht Döring auch keinen Grund für Existenzängste. Die Investitionen werden weiterhin getätigt. „Viele Menschen denken sich vor allem jetzt, was sie eigentlich in den Urlaub investieren würden, können sie nun in das Haus stecken.“ Daher bekommen die Bauhandwerker weiterhin viele Aufträge. Der Malermeister sieht einen weiteren Grund für die ausreichende Arbeit darin, dass sich die Leute derzeit nicht im Baumarkt eindecken können.

Seine sechs Mitarbeiter sind auch weiterhin durchgängig beschäftigt. „Natürlich geht Corona nicht spurlos an unserer Arbeit vorbei, denn die Corona-Regeln halten wir auch ein.“ Im Vorfeld bespricht Döring die Aufträge mit seinen Kunden, damit es zu möglichst wenigen Berührungen kommt, und es werden auf der Baustelle auch Masken getragen.

Der Malerbetrieb arbeite immer nur in kleinen Gruppen, meist in einem Zweierteam, damit einfach nicht so viele Menschen zusammen seien. Marc Döring achtet darauf, dass es immer die gleichen Mitarbeiter sind, die zusammen arbeiten. So hätten immer die gleichen Leute Kontakt miteinander.

Der Dachdeckerbetrieb Chr. Schminke GmbH in Bad Emstal hat durch Corona ebenfalls keinerlei Einschränkungen in der Arbeit. „Wir arbeiten draußen und haben genügend Abstand zueinander, daher läuft die Arbeit genauso, wie schon vor Corona“, erklärt Geschäftsführer Frank Schminke. Probleme mit der Arbeit hatte der Dachdeckerbetrieb nur wegen des vergangenen Schneewetters. Dadurch konnten die Dachdecker keine Aufträge ausführen.

Der Fliesenfachhandel Fliesen Schaub in Oelshausen bestätigt ebenfalls, dass die Geschäfte aktuell sehr gut laufen. „Wir haben sogar mehr Aufträge als vorher“, sagt Inhaber Frank Korth.

Corona mache die Arbeit nicht komplizierter als sonst. Da die Mitarbeiter beim Fliesenfachhandel nicht direkt am Menschen arbeiten, könne der Abstand gut eingehalten werden. Die Arbeit kann also problemlos ausgeführt werden, und die Mitarbeiter bei Fliesen Schaub mussten bis jetzt nicht in Kurzarbeit geschickt werden. (Lea Beckmann)

Sorge um Kontakt zu Nachwuchskräften

In der Pandemie sei der Kontakt zwischen Jugendlichen und den Handwerksbetrieben schwierig, da es weder Berufsorientierung in den Schulen noch Nachwuchswerbeaktionen der Betriebe gebe, sagt Barbara Scholz, Sprecherin der Handwerkskammer Kassel. Die Betriebe bräuchten aber junge Menschen, die ein Handwerk erlernen wollen. Abhilfe soll nun die digitale Begegnungsplattform „Komm ins Team Handwerk“ schaffen. komminsteamhandwerk.de/aktion

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.