Familie spendete das Exponat

Mit Puppenherd aus dem Wolfhager Regionalmuseum spielten Kinder vor hundert Jahren

Spielzeugherd der Nürnberger Metallfabrik Gebr. Bing aus der Zeit zwischen ca. 1900 und 1917 im Wolfhager Regionalmuseum. Was den Puppenherd und die Puppe vereint, ist die Tatsache, dass beide aus der gleichen Wolfhager Familie stammen.
+
Spielzeugherd der Nürnberger Metallfabrik Gebr. Bing aus der Zeit zwischen ca. 1900 und 1917 im Wolfhager Regionalmuseum. Was den Puppenherd und die Puppe vereint, ist die Tatsache, dass beide aus der gleichen Wolfhager Familie stammen.

Wer Kinder hat, den wundert es nicht: Mädchen wie Jungen haben im Kleinkindalter ein unbändiges Interesse am Hausrat ihrer Eltern.

Alles was sich in ihrem Umfeld bewegt, was sich öffnen und schließen lässt, herausnehmen, wieder einräumen, zieht Kinder magisch an. Das war früher nicht anders.

Noch bis in die Nachkriegszeit hinein beherrschte ein großer, holzbefeuerter Küchenherd die Wohnküche, je nach Wohlstand mehr oder weniger gut ausgestattet.

Im Fundus des Regionalmuseums Wolfhager Land gibt es einen Spielzeugherd der Metallfabrik Gebrüder Bing aus Nürnberg.

Kinder erlebten ihre Mutter oder Großmutter, bei Wohlhabenden auch das Dienstpersonal, wie sie tagtäglich am Herd standen und die Mahlzeiten zubereiteten. Im Spielzeug wird die Erwachsenenwelt nachgeahmt, und der kleine Puppenherd gehörte zwischen 1850 und 1940 zu den ganz besonderen Spielzeugen. Er wurde aus geprägtem Stahlblech hergestellt und verfügt über alle Attribute der großen „Kochmaschinen“: Herdplattenlöcher zum Einsetzen der Kochtöpfe, ein Schiffchen mit Wasserkran zum Erwärmen von Brauchwasser, eine Backröhre mit Backblech und eine umlaufende Reling, damit niemand dem heißen Herd zu nahe kommt. Die Kochtöpfe sind aus Weißblech gefertigt, haben Messinggriffe und sehen genauso aus wie ihre großen Vorbilder. Natürlich wurde der Puppenherd nicht mit Holz befeuert, sondern mit einem seitlich eingeschobenen Spiritusbrenner. Oder es wurde nur Kochen gespielt. Gespielt wurde deshalb vermutlich nur unter der Aufsicht der Erwachsenen und wohl ausschließlich an besonderen Tagen wie zu Weihnachten, Ostern oder am Geburtstag.

Auf der Unterseite des Herdes ist die Firmenmarke „G.B.N.“ gefolgt von „Bavaria“ eingeprägt, was ihn als Erzeugnis der Nürnberger Metallfabrik Gebr. Bing aus der Zeit zwischen ca. 1900 und 1917 ausweist. Die Firma wurde 1864 als Metallwarengeschäft von Adolf Bing gegründet und später von seinem Bruder Ignaz übernommen. Dessen Sohn Stephan führte das Unternehmen bis 1927 weiter. Um 1908 galt Bing als größter Spielwarenproduzent der Welt mit über 4000 Beschäftigten.

Für die meisten Mädchen waren solche feinen Herde ein unerreichbarer Traum und für Eltern unerschwinglich. Ein Bing-Herd mit Töpfen dürfte Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 4,50 Reichsmark gekostet haben. Das entsprach ungefähr dem Tageslohn eines gut bezahlten Fabrikarbeiters. Dieser kleine Herd gehörte einst einem Mädchen aus dem familiären Umfeld der alteingesessenen Wolfhager Apothekerfamilie Hardt, vielleicht auch der 1909 geborenen Elisabeth Hardt. Das Museum hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder kulturgeschichtlich wertvolle Objekte aus dieser Familie unentgeltlich erhalten.

Service: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstraße 1, Wolfhagen, 05692 / 99 24 31, E-Mail: info@regionalmuseum-wolfhager-land.de,

Öffnung: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen, Kinder-Geburtstage nach Vereinbarung. (Axel Lindloff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.