Zurück ins Büro?

Die Homeoffice-Pflicht ist vorbei, die Pandemie jedoch nicht

In den eigenen vier Wänden: Während der Pandemie hat sich das Homeoffice durchgesetzt
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In den eigenen vier Wänden: Während der Pandemie hat sich das Homeoffice durchgesetzt

Zwischendurch kurz die Wäsche aufhängen oder mit der Familie zu Mittag essen: im Homeoffice kein Problem. Jetzt ist die Pflicht zum Homeoffice ausgelaufen. Was hat sich verändert?

Wolfhager Land – Mit Auslaufen der Bundes-Notbremse am 30. Juni ist auch die Pflicht für Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zuhause aus zu ermöglichen, entfallen. Seit dem 27. Januar mussten Arbeitgeber laut Corona-Arbeitsschutzverordnung überall dort Homeoffice anbieten, wo es möglich ist. Das Ende dieser Pflicht bedeutet jedoch nicht, dass alle Arbeitnehmer sofort wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren – vor allem nicht unter ganz normalen Bedingungen wie vor der Pandemie.

In den Büros der Verwaltung der Gemeinde Breuna zum Beispiel sitzen in der Hauptgeschäftszeit derzeit maximal zwei Mitarbeiter, teilt Bürgermeister Jens Wiegand mit. „Wenn jemand ausfällt, kann der andere Teil noch weiterarbeiten“, sagt er. Denn sollte sich tatsächlich jemand infizieren, müssten bekanntermaßen auch alle Kontaktpersonen in Quarantäne. Damit die Arbeit dann nicht komplett zum Erliegen kommt, will Wiegand den Kreis der anwesenden Personen und den Kontakt untereinander so gering wie möglich halten.

Manche arbeiten lieber im Büro

Jens Wiegand, Bürgermeister der Gemeinde Breuna

Auch wenn ihr Arbeitsalltag noch längst nicht wieder der alte ist, seien die Kollegen froh, endlich wieder im Büro arbeiten zu dürfen, so Wiegand. Der Bürgermeister habe zwar selbst nicht im Homeoffice gearbeitet, könne sich aber vorstellen, dass die Trennung von Arbeit und Privatleben zuhause schwierig sei.

Auch bei der Verwaltung der Stadt Naumburg gehe der Trend in Richtung Arbeit im Büro, da fast alle vor Ort wohnten und lange Arbeitswege kaum anfielen, so Hauptamtsleiter Thomas Fingerling. Auch die soziale Komponente spiele eine Rolle. Einige Kolleginnen würden aber gerne weiterhin im Homeoffice arbeiten, weil sich so Familie und Beruf leichter vereinen ließen, so Fingerling.

Homeoffice oder mobiles Arbeiten?

Rechtliche Unterschiede

Viele Begriffe beschreiben das Arbeiten von zuhause aus. Was momentan häufig als Homeoffice betitelt wird, ist eigentlich „mobiles Arbeiten“. Dabei können Mitarbeiter von überall aus arbeiten, zum Beispiel im Freibad. „Richtiges“ Homeoffice heißt Telearbeit. Im Rahmen der Arbeitsstättenverordnung muss das Unternehmen ihren Mitarbeitern die Arbeitsstätte vollwertig einrichten. Beim mobilen Arbeiten kommt die Arbeitsstättenverordnung nicht zum Tragen. 

Auch wenn beim Büro-Möbel-Vertrieb Bochmann nur zwei von sieben Mitarbeitern im Homeoffice waren, hat sich die Zeit positiv auf die gesamte Firma ausgewirkt, so Geschäftsführer Jörn Bochmann. Die firmeninterne Infrastruktur sei auf das mobile Arbeiten angepasst, die Digitalisierung vorangetrieben worden. „Wir können seit ein paar Wochen von überall aus arbeiten – bei schönem Wetter sogar im Freibad“, sagt der 42-Jährige und lacht. Dafür wurde eine Software entwickelt, die ermöglicht, dass die Mitarbeiter von überall auf die Daten zugreifen können.

„Es ist eine andere Herausforderung“

Auf die Frage, ob sich in seinem Arbeitsalltag durch das Homeoffice etwas verändert hat, antwortet er mit einem klaren „Ja“. „Es ist eine andere Herausforderung“, sagt Bochmann. „Man ist deutlich flexibler.“ Allerdings: „Das würde wohl keiner offen zugeben“, ist sich Bochmann sicher. „Aber es lässt sich auch einiges nebenbei erledigen. Hauptsache die Arbeit wird gemacht.“

Jörn Bochmann, Geschäftsführer von BMV in Bad Emstal

Bei der Verwaltung der Stadt Naumburg hat gut die Hälfte der Mitarbeiter von zuhause aus gearbeitet. Laut Thomas Fingerling von der Stadt Naumburg soll es die Möglichkeit auch in Zukunft geben, eine entsprechende Regelung dazu sei derzeit in Arbeit. „Wir haben gelernt, dass nicht für alle Arbeiten die Anwesenheit im Büro erforderlich ist. Manchmal kann man im persönlichen Kontakt aber Sachen auch besser klären“, habe das Homeoffice gezeigt, wie Fingerling sagt.

Schubs in die richtige Richtung

„Die Pflicht hat gezeigt, dass wir vom Digitalen her soweit sind“, sagt Alina Bestmann, Leiterin der Marketing-Abteilung bei Procom-Bestmann in Naumburg. Für sie war das ein guter Schubs in die richtige Richtung. Von insgesamt 25 Mitarbeitern am Standort Naumburg seien zehn im Homeoffice gewesen, die nach und nach tageweise zurückkommen. „Die Mitarbeiter waren froh über die Möglichkeit, von zuhause aus arbeiten zu können. Viele wollen weiter zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten“, sagt Bestmann.

Ein großer Nachteil des Homeoffice sind für sie die längeren Dienstwege – Absprachen müssen per Videokonferenz oder Telefon getroffen werden. Dagegen könnten Konzentrationsarbeiten gut in Ruhe von zuhause aus erledigt werden. (Lea-Sophie Mollus)

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