Ramona Schanze ist Hospizhelferin

Die Menschen im Hospiz noch einmal lächeln sehen

Gleich doppelt von HNA-Lesern als Alltagsengel vorgeschlagen: Ramona Schanze zieht viel Kraft aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit nicht nur im Hospiz, sondern auch im Corona-Testzentrum, beim Emstaler Verein und überall dort, wo sie gebraucht wird.
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Gleich doppelt von HNA-Lesern als Alltagsengel vorgeschlagen: Ramona Schanze zieht viel Kraft aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit nicht nur im Hospiz, sondern auch im Corona-Testzentrum, beim Emstaler Verein und überall dort, wo sie gebraucht wird.

Sie kümmern sich uneigennützig um ihre Mitmenschen. Selbstloses Engagement eint die Alltagsengel unserer Serie. Heute: Ramona Schanze, stellvertretend für alle ehrenamtlichen Hospizhelfer.

Philippinenburg – Es ist eine besonders dunkle Phase in ihrem Leben, die Ramona Schanze 2015 eine neue Herzensaufgabe beschert. Gerade den geliebten Mann an den Krebs verloren, schwört sie sich eins: „Ich will ehrenamtlich Gutes tun.“ Im Hospiz auszuhelfen, das kann sie sich gut vorstellen, ist sie von diesem Ort doch tief beeindruckt, seit ihr Mann und einige Zeit zuvor eine weitere Angehörige dort betreut worden sind.

Für die Philippinenburgerin eine Überraschung, hat sie sich ein Hospiz doch immer ganz traurig vorgestellt. „Das ist es überhaupt nicht, genau das Gegenteil ist der Fall“, sagt sie noch heute tief beeindruckt und spricht von einem Gefühl des Beschütztseins und innerer Zufriedenheit. „Da sind Menschen, mit denen kann man wunderbar reden, seine Ängste loswerden und einfach sein.“

Nun ist sie es, die anderen ihr Ohr und ihre Aufmerksamkeit schenkt, denn wie so oft in ihrem Leben hat die Friseurmeisterin mit eigenem Geschäft in Naumburg nicht lange gefackelt und eine Ausbildung zur Hospizhelferin gemacht. Ihr Weg führt sie zurück in die Kasseler Einrichtung, ein Ort, mit dem sie trotz aller Trauer bis heute nur Gutes verbindet. „Es bereitet mir wirklich Freude, die Menschen dort nochmal lächeln zu sehen, bevor sie gehen, ihnen Raum zu geben, mir etwas anzuvertrauen, über Ängste zu sprechen und vielleicht auch, ihnen einen letzten Wunsch zu erfüllen.“ Sie denkt da etwa an die alte Dame, die ihr ganzes Leben stets großen Wert auf ihr Äußeres gelegt hat. „Sie wollte noch einmal richtig fesch zurechtgemacht werden, also ging ich los, besorgte eine Perücke und Schminkzeug und bereitete ihr so nochmal eine riesige Freude.“

Das Vertrauen fremder Menschen zu gewinnen, sei ihr in die Wiege gelegt. „Das konnte ich schon immer gut“, sagt sie, im Hospiz sei das aber natürlich nochmal etwas anderes, was man mit der Zeit aber lerne. Es habe sehr viel mit Ruhe zu tun. Stress, Zeitdruck oder der nächste Termin, wie etwa Tag für Tag in ihrem Friseursalon, all das interessiere hier niemanden. „Die Menschen merken, wenn man wirklich ganz bei ihnen ist.“ Wichtig sei, sie so zu nehmen, wie sie sind, das gelte vor allem auch für den Umgang mit Angehörigen außerhalb des Hospizes, auf die Schanze vermehrt in ihrem zweiten Wirkungskreis trifft.

Die 48-Jährige arbeitet als Hospizhelferin nämlich nicht nur stationär in Kassel, sondern auch ambulant für den Hospizdienst im Wolfhager Land, wo sie die Menschen in ihrem privaten Umfeld begleitet. Ob nun stationär oder ambulant, am Ende des Tages, wenn sie zuhause im Kerzenschein entspannt, gehe es ihr immer gleich. „Ich fühle mich dann unglaublich frei, fast wie auf einer Wolke“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes und wirkt durch und durch zufrieden und dankbar. Dankbar, dass ihr eine der wohl dunkelsten Phasen ihres Lebens eine so erfüllende Herzensaufgabe beschert hat. (Sascha Hoffmann)

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