Wolfhager Walter-Lübcke-Schule kämpft weiter für eine Rückkehr

Abgeschobene syrische Familie sitzt seit zwei Monaten in Bulgarien fest

Wir sitzen in unserem Zimmer und warten, dass sich der Uhrzeiger weiterdreht.
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Wir sitzen in unserem Zimmer und warten, dass sich der Uhrzeiger weiterdreht.

Die im März abgeschobene syrische Familie sitzt psychisch angeschlagen immer noch in Bulgarien fest. Die Solidarität ist auch nach zwei Monaten ungebrochen.

Wolfhagen. Stefan Zindel, der Klassenlehrer von Katia Kheder, die kurz vor ihrer Prüfung zur Mittleren Reife in der Wolfhager Walter-Lübcke-Schule stand, hält regelmäßigen Kontakt zu der Familie. Ebenso viele Mitschüler, Freunde aus Wolfhagen sowie die Initiative Offen für Vielfalt.

Die Abschiebung der Schülerin Katia sowie ihres Bruders Mervan und ihrer Mutter Aziazh Hamou hatte für einen riesigen Aufschrei in Wolfhagen gesorgt. Die alleinerziehende Mutter und ihre Kinder waren vor den Bomben aus Syrien geflohen und lebten seit mehr als drei Jahren gut integriert in der Stadt. In der Nacht vom 24. März wurden die drei von der Polizei abgeholt und nach Bulgarien abgeschoben, obwohl Katia und Mervan bereits Ausbildungsverträge in der Tasche haben und die Mutter eine Arbeitsstelle im Altersheim antreten wollte. Katia stand kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Mittleren Reife.

Die 17-jährige Katia nimmt, so gut es geht, per Online-Konferenz weiterhin am Unterricht in Wolfhagen teil. „Leider ist das durch den Wechselunterricht schwieriger geworden, da es nicht mehr so viel Online-Unterricht gibt“, so ihr Klassenlehrer Stefan Zindel, der im Namen der Schule eine Petition beim Deutschen Bundestag zur Rückführung der Familie gestellt hat. Der Petitionsausschuss habe Stellungnahmen der Ausländerbehörde beziehungsweise des beteiligten Ministeriums angefordert, so Zindel. Diese würden aktuell noch nicht vorliegen.

Dazu auch Michael Sasse von Offen für Vielfalt: „Wir setzen auf die politische Unterstützung von Landtagsabgeordneten aus der Region und die Petitionsausschüsse im Hessischen Landtag und gegebenenfalls auch im Bundestag. Denn sicher ist: Politisch ist der Handlungsspielraum nicht ausgenutzt, schließlich hat die Bundesregierung bewusst eine sogenannte Ausbildungsduldung für Geflüchtete eingeführt. Wir tun alles dafür, dass die Familie wieder zurückkehren kann.“ Auch die beiden Ausbildungsbetriebe, das Altersheim Phönix in Wolfhagen und der Baubetrieb Düsterwald, halten den Geschwistern derweil die Ausbildungsplätze frei.

Bei der Familie, die auf engstem Raum in Bulgarien lebt, liegen die Nerven blank, jeder Tag ist eine Zerreißprobe. „Wir sitzen in unserem Zimmer und warten, dass sich der Uhrzeiger weiterdreht“, sagt Mervan Kheder. Einzige Abwechslung sei der Gang zum Einkaufen von Lebensmitteln. Die Angst sei groß, nicht mehr nach Wolfhagen zurückkehren zu können. Alle plage großes Heimweh. Die Mutter sei psychisch sehr angeschlagen und seine Schwester derzeit krank. „Wir haben aber kein Geld um zum Arzt zu gehen und können uns hier auch nicht verständigen“, so Mervan Kheder.

Die Walter-Lübcke-Schule bezahlt aus Spenden die Unterkunft und Lebensmittel für die Familie. „Wir bitten weiterhin um Unterschriften und Spenden, um die Familie bis zur erhofften Rückkehr unterstützen zu können“, so Lehrer Stefan Zindel. Über folgenden Link geht es zur Schul-Homepage mit weiteren Informationen: zu.hna.de/kheder (Bea Ricken)

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