Trockenheit und milde Winter machen Nadelbäume im Stadtwald Wolfhagen anfällig

Diplodia-Pilz schwächt die Kiefern im Wolfhager Stadtwald

Niederelsungen. Die lang anhaltenden Trockenphasen der vergangenen Jahre und die zunehmend milden Winter fordern ihren Tribut. In Teilen den Wolfhager Stadtwaldes lässt ein Pilz die Triebe zahlreicher Kiefern absterben.

Förster Friedrich Vollbracht schätzt, dass etwa 400 Bäume auf einer Fläche von 350 Hektar betroffen sind. Durch den Befall leidet die Qualität des Holzes, schlimmstenfalls kann es zum Absterben der Bäume kommen.

Auf das Problem aufmerksam geworden war Vollbracht Anfang Juni. Er hatte beobachtet, dass sich die Kronen einiger Kiefern zunächst gelb und schließlich rötlich verfärbten. Mit am auffälligsten sei das Phänomen in einem Waldstück bei Niederelsungen – oberhalb des Wassertretbeckens – gewesen. Der Förster schickte einen Zweig einer bei Leckringhausen erkrankten Kiefer zur Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, wo die Probe im Labor untersucht wurde und erhielt wenig später den Befund: Der Diplodia-Pilz ist die Ursache für das Absterben der Triebe. Der Parasit lebe immer in den Nadeln, normalerweise schädige er die aber Kiefer nicht, sagt Vollbracht. Unter bestimmten Bedingungen jedoch breite sich der Pilz aus.

Warmes Wetter ein Auslöser

Auslösende Faktoren in den betroffenen Beständen des Stadtwaldes seien nach Angaben der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt die zu warmen Winter, Niederschlagsdefizite in den Jahren 2014 bis Frühjahr 2017 sowie die hohen Frühjahrstemperaturen in diesem Jahr. Der März 2017 sei seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 der wärmste gewesen.

Viele Bäume im Wolfhager Stadtwald haben keinen Zugang zum Grundwasser. Für ihre Versorgung nutzen sie das Bodenreservoir im Bereich ihrer Wurzeln. Wenn dieser Speicher über einen langen Zeitraum leer bleibt, geraten die Bäume in Not und werden anfällig für Krankheiten, die von Pilzen, oder noch schlimmer, vom Borkenkäfer ausgelöst werden.

Sofern nicht Gründe der Verkehrssicherheit ein Eingreifen verlangten, wolle sich der Revierförster zunächst nicht um die erkrankten Kiefern kümmern. Denn im Gegensatz zum Befall durch den Borkenkäfer – dem weitaus gravierenderen Problem – sei das Diplodia-Triebsterben nicht ansteckend. Betriebswirtschaftlich würde sich eine Entnahme der Bäume nicht rechnen. Da sich die erkrankten Kiefern zumeist in kleinen Stückzahlen auf viele Standorte verteilten, lohne sich der Einsatz eines Harvesters nicht. Die Bäume, die zum Teil schwer zugänglich sind, müssten also alternativ per Hand umgelegt werden, was teuer sei. Und aufgrund der Qualitätseinbußen im Holz lasse sich kein attraktiver Preis durch Verkauf erzielen.

Rubriklistenbild: © Thon

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