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Dirk Lindemann macht alte Wolfhager Filme kinotauglich

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Von: Antje Thon

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Heimatfilmer Dirk Lindemann beim Sichten einer alten Filmrolle.
Heimatfilmer Dirk Lindemann: Der 80-Jährige beim Sichten einer alten Filmrolle. Knapp 200 Filme möchte er in HD-Qualität digitalisieren lassen und dann neu vertonen. © Antje Thon

70 Jahre alte Filmaufnahmen in HD-Qualität - das hat sich Heimatfilmer Dirk Lindemann nun zur Aufgabe gemacht. Dafür arbeitet der 80-Jährige mit einer Firma aus Lübeck zusammen, die das alte Material hochauflösend digitalisiert.

Ippinghausen - Im privaten Archiv des Ippinghäuser Hobbyfilmers Dirk Lindemann lagern wahre Schätze. Originale Filmaufnahmen, die den Wandel des Wolfhager Landes von den 1930er-Jahren bis in die heutige Zeit zeigen. In seinem Fundus sind auch zahlreiche alte Filmstreifen, die Lindemann in den vergangenen Jahren bereits digitalisiert hat. Nun hat sich der 80-Jährige ein neues Projekt vorgenommen – „eine letzte Lebensaufgabe“, wie er sagt: Er möchte den alten Filmen mithilfe einer neuen Digitalisierungstechnik nun zu einer so hohen Bildauflösung verhelfen, dass sie ohne Flimmern und Wackeln im Kino vorgeführt werden können.

Bei seinen Recherchen ist Lindemann auf die Firma Pego in Lübeck gestoßen. Sie digitalisiert alte Schmalfilme der Formate Normal 8, Super 8 und 16 Millimeter. Nichts, was es zuvor nicht auch schon gegeben hätte. Dennoch sei da ein gewaltiger Unterschied und der stecke in der Auflösung, sagt der Heimatfilmer.

Die meisten seiner bislang digitalisierten Filme hätten eine Auflösung von 720 mal 576 Pixeln. Und das sieht man den Bildern an. Details bleiben verborgen, Landschaftsaufnahmen erscheinen unscharf.

Mit dem Verfahren der Lübecker werde das alte Material ebenfalls mit einem fliegenden Lichtstrahl Bild für Bild abgetastet und herauskomme ein Produkt in HD-Qualität, also mit 1920 mal 1080 Bildpunkten. Vom Ergebnis ist Dirk Lindemann hellauf begeistert. Zehn Filme hat er bereits auf diese Art bearbeiten lassen. Darunter eine Dokumentation über das Wolfhagen der 1950er-Jahre von Rudi Killian, der nach seinem Tod mehr als 1000 Meter Film hinterließ.

Wer den Film sieht, taucht ein in eine Szenerie, die so wirkt, als seien die Aufnahmen erst vor Kurzem entstanden und als habe sich die Person, die die Kamera führt, aus nostalgischen Gründen für eine Schwarz-Weiß-Optik entschieden.

Die Bilder sind gestochen scharf, nichts ruckelt oder springt. Die handelnden Personen könnten Schauspieler sein, die das Leben der 1950er-Jahre in Wolfhagen und den umliegenden Dörfern nur nachstellen. Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Landschaft wirken wie das Resultat eines aufwendig gestalteten Filmsets. Die hohe Auflösung macht die historischen Aufnahmen modern.

Wenn Dirk Lindemann einen digitalisierten Film aus Lübeck bekommt, macht er sich ans Werk. „Dann vertone ich das Material.“ Etwa zwei Tage Arbeit investiert er. Pro Digitalisierung entstehen für ihn Kosten von bis zu 350 Euro, abhängig ist das zum einen von der Filmlänge und zum anderen vom Originalformat.

Knapp 200 weitere Videos würde der 80-Jährige gerne zu dem Qualitätssprung verhelfen. Priorität haben aus seiner Sicht etwa 120 Filme, die in einer Auflösung von 720 mal 576 Bildpunkten abgetastet wurden und zu denen es noch die alten Originale gibt.

Und dann seien da noch an die 70 Arbeiten im DV-Format (Digital Video), für die Lindemann ab 1995 selbst mit der Kamera losgezogen ist und die ebenfalls nur über eine mäßige Auflösung von 720 mal 576 Pixeln verfügen. Eine kostspielige Angelegenheit, zu der der Hobbyfilmer eine pragmatische Haltung hat: „Wenn man Filme gedreht hat, möchte man ja auch, dass sie gezeigt werden.“ Apropos Filme zeigen. Gegen Jahresende möchte der Ippinghäuser der Öffentlichkeit eine Kostprobe der neuen Filme und deren Spitzenqualität präsentieren. Seine Idee: Im Wolfhager Cinema will Heimatfilmer Lindemann zusammen mit Inhaber Kai Mellinghoff eine Kino-Woche veranstalten, bei der Aufnahmen vom alten Wolfhagen zu sehen sein werden.

Wer sich für einen oder mehrere der insgesamt 225 Filme von Dirk Lindemann interessiert, kann sie zum Erzeugerpreis im Litho-Verlag an der Mittelstraße in Wolfhagen kaufen. Die Kosten pro Film liegen zwischen 15 und 35 Euro. Die nun neu digitalisierten Filme sind dort ebenfalls erhältlich. Darüber hinaus können sie in der Wolfhager Buchhandlung Mander bestellt und erworben werden. (Antje Thon)

Das Bild stammt aus einem Film von 1964, den Rudi Killian erstellt hat. Zu sehen sind zwei Frauen vor einem Fachwerkhaus in Leckringhausen.
In HD-Qualität: Das Bild stammt aus einem Film von 1964, den Rudi Killian erstellt hat. Zu sehen sind zwei Frauen vor einem Fachwerkhaus in Leckringhausen. Repro: Dirk Lindemann/nh © Dirk Lindemann

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