Liebe Grüße von fremden Menschen

Doris de la Chaux aus Altenhasungen ist Postcrosserin: Sie schreibt und bekommt Postkarten aus der ganzen Welt

Doris de la Chaux aus Altenhasungen ist Postcrosserin: Sie schreibt und bekommt Postkarten aus der ganzen Welt.
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Doris de la Chaux aus Altenhasungen ist Postcrosserin: Sie schreibt und bekommt Postkarten aus der ganzen Welt. Hunderte Karten dekorieren ihren Treppenaufgang.

Pandemietauglich und gespickt mit immer neuen Überraschungen – das ist Postcrossing. Doris de la Chaux hat das Hobby, bei dem einander fremde Menschen Postkarten schreiben, 2014 entdeckt.

Altenhasungen – Es begann mit einer Tüte. In die hatte der Verkäufer die Postkarten geschoben, die sich Doris de la Chaux im Familienurlaub in Süddeutschland ausgesucht hatte. Darauf hatte die Altenhasungerin die Werbung für Postcrossing entdeckt. Ihre Neugierde war geweckt. Das ist bald sieben Jahre her. Seitdem ist sie stolze Besitzerin von 1225 Postkarten aus 57 Ländern, Tendenz steigend. Etwa die gleiche Zahl an Karten hat sie in die Welt gesandt.

„Dabei hatte ich zunächst geglaubt, meine Kartensammlung reduzieren zu können“, blickt die 48-Jährige, die sich schon immer für Karten mit hübschen Motiven begeistert hat, auf die Anfänge ihres Hobbys zurück, mit dem sie längst auch ihre zwölfjährige Tochter infiziert hat. Beim Postcrossing werden zufällig ausgesuchten, fremden Menschen Postkarten geschickt. Wer einen Kartengruß versendet, bekommt einen zurück – ebenfalls nach dem Zufallsprinzip. Die Teilnehmer sind auf der Internetplattform postcrossing.com registriert.

Für Doris de la Chaux ist es das perfekte Hobby. „Ganz einfach, weil ich gerne Post bekomme.“ Wenn sie vormittags ihren mit Hunderten von Postkarten dekorierten Flur betritt, um die Treppe hinab zum Briefkasten zu gehen, wird sie getragen von einem Kribbeln der Vorfreude. „Eine Karte zu bekommen ist doch viel schöner als Werbung oder Rechnungen“, sagt sie und fischt auch an diesem Tag Grußbotschaften für sich und ihre Tochter aus der Box.

Zählt zu ihren Lieblingsmotiven: Japanische Puppen als stillende Mutter mit Säugling.

Eine Sache aber findet sie noch schöner, als die kurzen Texte zu lesen und sich an den verschiedenen Motiven zu erfreuen. „Mit Postcrossing habe ich die Möglichkeit, anderen Menschen Freude zu bereiten.“ Für die Sozialpädagogin, die in Kassel eine Kita leitet, hat das Hobby viel mit Schenken zu tun. Sie beginne zu lächeln, wenn sie das Gefühl habe, für einen ihr zugelosten Empfänger und anhand dessen hinterlegten Profils eine schöne Karte ausgewählt und verschickt zu haben. Die meisten Personen bestätigen auf der Plattform anhand einer Identifikationsnummer den Eingang der Karte und hinterlassen einen kurzen Dankestext. „Dann weiß ich, ob die Überraschung gelungen ist und ja, ich freue mich darüber.“

Mit der Coronakrise kommen für Doris de la Chaux weitere positive Aspekte zum Tragen. „Mein Hobby ist absolut pandemietauglich.“ Man könne mit anderen Menschen in Kontakt treten und dabei Grenzen überwinden, ohne sich zu treffen.

Seit sie im August 2014 die Tür in die faszinierende Welt der Postkarten aufgestoßen hat, hat sie ihre Leidenschaft nur einmal unterbrechen müssen. „Wir hatten auf eine Reise gespart.“ Neben dem Geld fürs Porto – 60 Cent fürs Inland, 95 Cent fürs Ausland – fallen noch Ausgaben für diePostkarten an. Am häufigsten hat die Postcrosserin Motive ihrer Heimatstadt Wolfhagen um die Welt geschickt. Sehr gefragt in Sammlerkreisen sind auch Bilder vom Bergpark Wilhelmshöhe, der als Unesco-Welterbe bekannt ist.

Die 48-Jährige hat ebenfalls Vorlieben. Natur geht immer. Eine Zeit lang hatte sie in ihrem Profil vermerkt, dass sie Eidechsen und Geckos mag. Und es dauerte nicht lange, bis sie ihrem Briefkasten eine Auswahl an Reptilien entnehmen konnte. Wer de la Chaux derzeit eine Freude bereiten möchte, verschickt Heißluftballonmotive. „Einfordern sollte man das nicht. Man kann aber schreiben, was man mag“, sagt sie. Sie erinnert sich an einen Austausch mit einer Postcrosserin aus Australien. In ihrem Profil hatte sie angegeben, Sympathien für Wombats zu hegen. In Altenhasungen kam aber ein anderer Gruß an und mit ihm die Erklärung, dass es in den Geschäften keine Karte mit dem possierlichen Pflanzenfresser gab. „Dafür bekam ich einen Brief mit Magneten. Und auf denen waren Wombats.“

Eine Karte aus Russland, auf der ein Mann mit zwei Geckos spricht zählt zu ihren Lieblingsmotiven.

Überrascht wurde sie auch von einem Niederländer, der die Karte in einen Umschlag gesteckt und Blumensamen mitgeschickt hatte. Und aus einer Begegnung mit einer Frau aus Milwaukee in Wisconsin (USA) hat sich abseits vom Postcrossing sogar eine Brieffreundschaft entwickelt.

Doch was schreibt man eigentlich einer Person, die man nicht kennt? Die Altenhasungerin orientiert sich am Profil, wenn es Gemeinsamkeiten gibt, konzentriert sie sich auf diese. Politik spiele jedenfalls keine Rolle. Sie selbst hatte ganz am Anfang wissen wollen, was Glück für die Menschen bedeutet. Sie bekam 450 Reaktionen von Postcrossern verschiedener Länder. Für einige bedeutet Glück Zufriedenheit in der Familie. Aber sie erhielt auch Antworten, die sich mit ihren Vorstellungen decken. „Es geht um die kleinen Momente. Ein schöner Spaziergang, ein gelungenes Essen.“ Dinge, die einen lächeln lassen.

In den verschiedenen Foren geht es verspielter zu

Der Austausch beim Postcrossing funktioniert auf Englisch – sowohl auf der Plattform, als auch beim Schreiben der Postkarten. Eine gute Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse aufzufrischen und das mit einem Spaßfaktor zu verknüpfen. Seit einiger Zeit mischt Doris de la Chaux auch in diversen Foren mit, einige davon sind auf den deutschsprachigen Raum begrenzt.

In den Foren basiert das Versenden und Empfangen von Karten über bestimmte Themen, dort sind die Menschen über diverse Interessensgebiete miteinander verbunden. „Es ist die verspieltere Version des Postcrossings“, sagt die Altenhasungerin, die das Schreiben liebt.

Grüße aus der Welt: Doris de la Chaux öffnet gerne ihren Briefkasten, denn oft findet sie darin Postkarten von einem ihr fremden Menschen.

Wer in die Gemeinschaft der weltweit mehr als 802 000 Postcrosser aufgenommen werden möchte, kann sich auf der Webseite postcrossing.com registrieren. Dort werden eine E-Mailadresse und die Postadresse hinterlegt. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme: Man muss sich dazu bereit erklären, dem nach einem Algorithmus zugelosten Mitglied eine Karte zu schreiben. Neulinge können anfangs nur wenige Karten gleichzeitig verschicken. Mit zunehmender Anzahl der vom Benutzer versendeten und vom jeweiligen Empfänger registrierten Karten steigt dieses Limit jedoch an, sodass der Benutzer im Laufe der Zeit immer mehr Karten gleichzeitig versenden kann. Die Obergrenze für Mitglieder liegt bei 100 Karten. Bei Doris de la Chaux waren einmal 29 Karten zur gleichen Zeit unterwegs.

Die 48-Jährige hat Karten in 55 Länder geschickt. 20 Prozent blieben in Deutschland, jeweils etwa zwölf Prozent gingen nach Russland und in die USA. Aber auch nach Thailand, Neuseeland, Moldawien, Kasachstan und Macao entsandte sie bereits Grüße. Sie selbst erhielt bisher Post aus 57 Ländern, darunter waren Karten aus Singapur, den Aland Inseln, von den Bahamas, aus Armenien und Bosnien-Herzegowina. Durchschnittlich ist eine Postkarte 24 Tage unterwegs.

Knapp 16 Prozent aller bisher über die Plattform verschickten Postkarten stammen aus Deutschland, wo knapp 58 000 Mitglieder gemeldet sind. Neben Doris de la Chaux und ihrer Tochter gibt es in Wolfhagen noch zwei weitere Postcrosser. (Antje Thon)

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