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Nachsuche in Wolfhagen: Duo ist verletztem Wild auf der Spur

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Von: Andreas Hermann

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Hundeführer Klaus Wohlrab und sein Partner „Siro“.
Seinen reinrassigen Partner immer im Blick: Hundeführer Klaus Wohlrab bildet mit dem zweieinhalbjährigen Hannoverschen Schweißhund „Siro“ ein amtlich-anerkanntes Gespann zur Nachsuche von Wildtieren. © andreas hermann

Klaus Wohlrab und sein Partner „Siro“ bilden ein tolles Nachsuche-Gespann und sind auf der Spur nach Wild.

Wolfhagen – Jetzt im Frühjahr sind sie vorwiegend nach Verkehrsunfällen im Einsatz, im Herbst werden sie wieder vor allem nach Jagden gefragt sein: Klaus Wohlrab aus Istha und sein aus der Schweiz stammender Hannoverscher Schweißhund „Siro vom Ratoserstein“.

Gemeinsam spüren sie Wildtiere – etwa Rehe, Wildschweine oder auch mal Füchse – auf, die bei Unfällen oder Jagden schwer verletzt, aber nicht getötet wurden. Nicht jedes Herrchen und jeder Hund darf das.

Der 65-jährige Beamte im Ruhestand bildet mit seinem zweieinhalbjährigen, reinrassigen Partner ein vom Regierungspräsidium Kassel (RP) anerkanntes Gespann zur Nachsuche von Wildtieren.

Ziel ist es bei einer Kollision das verletzte Wild schnellstmöglich zu finden und zu erlegen

Nachsuchen meint das Aufspüren und gegebenenfalls das Erlegen von verletztem Wild mit Hilfe eines dafür ausgebildeten, geprüften und zugelassenen Jagdhundes.

Ziel ist es im Sinne des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit, das etwa bei der Kollision mit einem Auto oder durch einen Streifschuss verletzte Wild schnellstmöglich zu finden und zu erlegen, um ihm weitere Qualen zu ersparen.

Wenn Klaus Wohlrab am Unfallort eintrifft, überlässt er zunächst Siro das Feld. Wenn der Jagdhund nicht mehr umherschnüffele und nicht mehr mit dem Schwanz wedele, sondern Anspannung annehme, dann sei klar, dass er den Geruch eines Wildtieres etwa durch dessen Schweiß (Blut) aufgenommen habe.

„Das Geheimnis ist es, den Hund lesen zu lernen.“

„Das Geheimnis ist es, den Hund lesen zu lernen“, sagt Wohlrab, der seit rund 40 Jahren als ehrenamtlicher Nachsuchenführer im Raum Wolfhagen und Waldeck unterwegs ist. Meist seien die Schwere der Verletzung und die Art des Tieres an herumliegenden Knochensplittern oder anhaftenden Haaren erkennbar.

Hat Siro die Witterung aufgenommen, lässt Wohlrab ihn an der langen orangefarbenen Leine laufen, folgt ihm mit Helm und in Schutzkleidung. Denn ein verletztes Tier, vor allem ein Wildschwein, könne lebensgefährlich sein – für den Hund, aber auch für ihn selbst.

Die Suche nach einem verletzten Wildtier kann sich über Kilometer hinziehen. Klaus Wohlrabs längste Verfolgung ging über 23 Kilometer.

Klaus Wohlrab und seinem Partner Siro sind bei der Suche keine Grenzen mehr gesetzt.

Mit der Anerkennung der Oberen Jagdbehörde beim Regierungspräsidium sind ihm und Siro bei der Suche zumindest keine Grenzen mehr gesetzt. Per Urkunde, die stets mitzuführen ist, sind sie ein anerkanntes Gespann „für jagdbezirks- und hegegemeinschaftsübergreifende Nachsuchen“.

Bis vor einigen Jahren war das noch anders. Bis dahin musste das Nachsuchen von Wildtieren bei der Überschreitung von Jagdbezirksgrenzen noch beim Reviernachbarn vorangemeldet – also genehmigt – werden. Für Nachsuchen-Gespanne waren deshalb oft zeitraubende Rückfragen erforderlich. Folge: Das verletzte Wild wurde häufig erst sehr spät oder auch gar nicht gefunden.

Nach RP-Angaben wurde in Hessen das sogenannte Nachsuchenwesen 2011 neu geregelt. Nachsuchen können seither ohne Verzögerung, weil ohne Voranmeldung im betroffenen Jagdrevier, erfolgen. Zumindest dann, wenn Hundeführerinnen und -führer die entsprechende amtliche Anerkennung haben.

Mehr als 3000 Nachsuchen-Gespanne haben die Genehmigung des RP Kassel

In Hessen haben diese Genehmigung des RP Kassel mehr als 300 anerkannte Nachsuchen-Gespanne. 14 davon stammen aus dem Landkreis Kassel, vier sind es im Wolfhager Land – unter anderem Klaus Wohlrab mit Schweißhund Siro.

Das Ehrenamt ist für das Duo übrigens keine Kleinigkeit, wie der Wolfhager berichtet. Aktuell sind sie etwa einmal die Woche und im Schnitt rund 150 Mal pro Jahr einem verletzten Wild auf der Spur. (Andreas Hermann)

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