Er will sich weiter engagieren

Ein Kämpfer für die Klinik: Isthaer Pfarrer Wolfgang Hanske geht in den Ruhestand

500 Menschen protestierten seinerzeit gegen die Schließung der Wolfhager Klinik. Pfarrer Wolfgang Hanske (links) war immer in vorderster Front dabei. archiv
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500 Menschen protestierten seinerzeit gegen die Schließung der Wolfhager Klinik. Pfarrer Wolfgang Hanske (links) war immer in vorderster Front dabei. archiv

34 Jahre hat Wolfgang Hanske im Pfarrhaus gleich neben der Isthaer Kirche gelebt. Kopf an Kopf mit den Gemeindemitgliedern, immer ansprechbar, wenn es mal wieder an der Tür geläutet hat.

Istha - „Das war anfangs schon ungewohnt, immer in so einer Habacht-Stellung zu sein“, sagt er und gibt zu, es heute fast schon ein wenig zu vermissen. Das Pfarrhaus nämlich hat er schon im Juni hinter sich gelassen und ist mit seiner Frau nach Wolfhagen gezogen, obwohl er noch bis Oktober als Pfarrer für die Menschen in Istha, Oelshausen und Bründersen da sein wird.

Ein „sanftes Hinübergleiten in den Ruhestand“ nennt er das, ein Schnitt, von dem er noch gar nicht weiß, wie er ihn überhaupt hinbekommen soll. „Ein gewisser Abstand muss einfach sein“, sagt er und wird nicht müde zu betonen, wie sehr ihm das Miteinander in seiner Gemeinde in all den Jahren ans Herz gewachsen ist. Doch das war nicht immer so.

In den ersten zwei Jahren will er eigentlich wieder weg. Die Umgehungsstraße gibt es noch nicht und die Bundesstraße führt direkt an seinem neuen Zuhause vorbei. Nichts für ein Leben mit kleinen Kindern, aber für den jungen Pfarrer auch kein Grund, davonzulaufen. Es dauert nicht lange, und das Pfarrhaus ziert ein selbstgemaltes Schild: „Lärm, Dreck und Gestank, macht uns alle krank!“

Hanske ist schon damals ein Mann, der die Dinge anpackt, einer, der eigene und vielleicht ungewohnte Wege geht, ohne dabei egoistisch zu sein. „Ein Pfarrer, der sich in die Politik einmischt, das hat natürlich schon ein paar Isthaer in Wallungen gebracht“, erinnert sich der gebürtige Trendelburger, dessen vielleicht unkonventionelle Art ankommt, als die Menschen erkennen, dass es ihm nie nur um seine eigene Sache, sondern immer auch um die der Gemeinschaft geht.

So wird es bald schon normal, ihn nicht nur in der Kirche vorm Altar, sondern auch auf dem Fußballplatz als Trainer oder mit dem Presslufthammer in der Hand bei der Renovierung der Friedhofskapelle zu treffen. „Die Menschen haben gesehen, dass ich nicht die Art Pfarrer bin, die nur bestimmt, sondern einer, der mit anpackt.“

Legendär: Pfarrer Hanske in der Bütt auf der Kanzel.

An seinem Wirkungsort habe er eben nicht nur wohnen, sondern auch leben wollen, sagt der zweifache Vater und betont: „Leben heißt immer auch, sich der Gemeinde zu öffnen“. Eine Einstellung, die ankommt, und so öffnet sich die Gemeinde ihrem Pfarrer immer mehr und es wächst ein Miteinander, das allen guttut.

Das zeigt sich, wenn etwa das Kirchendach erneuert werden muss und die Fußballer als Helfer parat stehen, auch die, die mit der Kirche an sich nichts am Hut haben. „So was kriegt man nicht hin, wenn man nicht nah an den Menschen dran ist“, sagt der Pfarrer, der zunächst gar keiner sein wollte.

Nach der Volksschule startet der junge Hanske eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, arbeitet noch ein halbes Jahr als Geselle, um dann zu kündigen. „Ich wusste einfach, dass es da noch mehr geben muss“, erinnert er sich an die Zeit, als er seine Mittlere Reife und später am von der Kirche eingerichtete Theodor-Litt-Kolleg in Kassel sein Abitur nachholt. Hier reift der Entschluss, in Göttingen Theologie zu studieren.

Die Zeit als Vikar verbringt er in Lohfelden, bevor er schließlich nach Istha kommt. Auf der Kanzel sieht man ihn da selten, von seinen legendären Fassnachtsgottesdiensten einmal abgesehen, denn „von oben herab“ ist nicht sein Ding, lieber begegnet er den Menschen auf Augenhöhe, im Gottesdienst wie im alltäglichen Leben. Auch in schweren Momenten, etwa in seiner Funktion als Notfallseelsorger, lässt er die Bibel gern mal in der Tasche.

„Meist reicht es, einfach da zu sein, zuzuhören und zu signalisieren, dass Gott da ist.“ Das habe ihm auch selbst weitergeholfen während einer seiner schlimmsten Erfahrungen als Isthaer Pfarrer: „Die Ermordung Walter Lübckes bewegt mich bis heute sehr und es fällt mir noch immer schwer, darüber zu sprechen.“ Es sei eine intensive, schwere Zeit gewesen, und er habe sein Bestes gegeben, für alle da zu sein.

Für Menschen da sein will Wolfgang Hanske auch in Zukunft, wenn er ab Mitte Oktober im verdienten Ruhestand ist. Dann will er sich etwa weiter für den Erhalt der Wolfhager Kreisklinik einsetzen, aber auch seine neue Freiheit genießen. „Ich freue mich, in meinem neuen Zuhause in Wolfhagen morgens auf dem Balkon im Schlafanzug meinen ersten Kaffee genießen zu können.“ Das sei im alten Isthaer Pfarrhaus nicht möglich gewesen, ansonsten aber werde er für immer viele schöne Erinnerungen mit dem alten Gemäuer und seinen 34 Jahren in Istha verbinden. (Sascha Hoffmann)

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