Bergmassiv bezwungen

Ein Zurück gab es nicht: Zwei Wolfhager bestiegen den Kilimandscharo

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Auf dem Gipfel des Kilimandscharo: Werner Wiegand (links) und Axel Sartor bestiegen gemeinsam das höchste Bergmassiv Afrikas. Der Aufstieg brachte die beiden Bergsteiger immer wieder an ihre Grenzen.

Wolfhagen - Während ein Großteil der Menschen im Wolfhager Land an Silvester die Korken knallen ließ, genossen Werner Wiegand und Axel Sartor die einsame Stille des Kilimandscharo.

Eine Reise, die die Freunde näher zusammen, aber auch an ihre Grenzen brachte. Wenn die beiden Männer heute an ihre elf Tage in Afrika denken, geraten sie ins Schwärmen. „Das sind Bilder, die kriegst du nicht wieder aus dem Kopf, so schön sind sie“, sagt Axel Sartor. Endlos blauer Himmel, eisige Luft und eine beeindruckende Landschaft.

Gemeinsam mit zwei weiteren Reisenden und einem Trägertrupp, bestehend aus 19 Mann, machten sie sich auf den Weg, das 5895 Meter hohe Bergmassiv zu bezwingen. Doch bereits der Einstieg in den Aufstieg hatte seine Tücken: „48 Stunden Regen, ununterbrochen“, erinnert sich Werner Wiegand.

Wieder zurück: Werner Wiegand (li.) und Axel Sartor.

Der Weg durch den Dschungel schien sich endlos zu ziehen, dicke Tropfen prasselten auf die Ponchos und die Schuhe versanken knöcheltief im Matsch. „Da fragst du dich schon, warum du dir das eigentlich antust“, gesteht Axel Sartor.

Von der Höhenkrankheit überrascht

Doch das Wetter besserte sich, und belohnte die beiden Gipfelstürmer mit atemberaubenden Bildern. Unterschätzen sollten Reisende den Aufstieg trotz guter Wege und Witterungsverhältnisse nicht. Das bekam Axel Sartor am eigenen Leib zu spüren. Bei einer Aufstiegshöhe von rund 4100 Metern überraschte den Wolfhager die sogenannte Höhenkrankheit.

Durch den Mangel an Sauerstoff im Blut verringert sich die Bildung der roten Blutkörperchen. Es kommt zu einer Blutverdickung und Unterversorgung des Körpers. Im schlimmsten Fall führt dies zu Gerinnseln im Gehirn und dann zum Tod. „Es begann mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel“, sagt Sartor.

Er verkroch sich ins Zelt, an ein Weitergehen war nicht zu denken. Der Guide ihrer Tour stellte Axel Sartor jedoch vor eine ungewöhnliche Wahl: „Ich hätte wie üblich absteigen oder noch weitere 200 Meter nach oben gehen können.“

Axel Sartor vertraute dem Guide, raffte sich auf und folgte ihm noch weiter in die Höhe: „Ich kann es mir nicht erklären, aber er hatte recht.“ Mit jedem Schritt fühlte sich Axel Sartor besser, und er konnte den Aufstieg fortsetzen.

Anstrengendes Finale auf dem Weg zum Gipfel

Umso größer war dann die Freude, den Gipfel gemeinsam zu erreichen. „Nachts um halb 12 begann der Aufstieg am 4800 Meter hohen Kibo-Hut-Basiscamp.“ Acht Stunden Aufstieg in anspruchsvollem Terrain und einige Kletterpassagen am Ende warteten noch auf die beiden Wolfhager. „Ein sehr anstrengender Aufstieg“, sagen sie rückblickend. Die sauerstoffarme Luft hinderte sie am schnellen Vorwärtskommen. Die Kraft fehlte einfach.

„Da kamen wir schon an unsere körperlichen und mentalen Grenzen.“

Am Ende sind Werner Wiegand und Axel Sartor einerseits stolz auf die eigene Leistung, aber vor allem auch beeindruckt von der Lebensweise der afrikanischen Guides. Die Herzlichkeit und Wertschätzung der eigenen Familie stehe bei ihnen im Vordergrund.

In der nächsten Zeit lassen es die Kilimandscharo-Bezwinger langsam angehen: „Eine größere gemeinsame Reise ist nicht geplant“, sagt Werner Wiegand. Sie beschränken sich erst mal auf leichter erreichbare Ziele, beispielsweise in den Alpen.

Die Vorbereitung

Einmal wöchentlich trafen sich die beiden Männer am Herkules und liefen die Treppenstufen mit zwölf Kilo Gepäck bis zu zehn Mal hintereinander hinauf. Eine gute Ausrüstung, wie beispielsweise der Schlafsack, der Temperaturen bis zu - 20 Grad Celsius standhalten muss, ist das A und O. „Wichtig ist, den Weg nicht zu unterschätzen“, wissen die beiden Männer heute. Tägliche Strecken von bis zu sieben Stunden erfordern eine gute Kondition. (pls)

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