Übung unter Atemschutz für den Ernstfall

Einsatz bei 650 Grad: Brandschützer im Kampf gegen die Flammen

Mächtige Flammen: Im Container treffen die Brandschützer auf einen simulierten Wohnungsbrand mit vielen Überraschungen. Hier zählt jede Sekunde, jeder Handgriff muss sitzen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Mächtige Flammen: Im Brandübungscontainer treffen die Brandschützer auf einen simulierten Wohnungsbrand mit vielen Überraschungen. Da muss jeder Handgriff sitzen.

Nick Viereck kann gar nicht schnell genug wieder an die frische Luft kommen. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, sackt auf eine nahestehende Bank und nimmt einen kräftigen Schluck Wasser. „Wow, das war ganz schön anstrengend“, sagt der 21-jährige Feuerwehrmann aus Philippinenburg. 20 Minuten hat er gerade mit Kamerad René Kilian im Fire House, einem Brandübungs-container zur Heißausbildung mit Echtfeuer, gegen mächtige Flammen angekämpft. Eine schweißtreibende Angelegenheit, im Container kann es bis zu 650 Grad heiß werden. „So werden die Kameraden sehr realitätsnah auf den Ernstfall vorbereitet“, sagt Trainer Stefan Tripp, der die jungen Männer am Sonntagnachmittag vor ihrem Einstieg über eine Deckentreppe in den Container in einer ausführlichen Unterweisung auf die Übung vorbereitet hat.

An erster Stelle der Trainingsinhalte steht die Wärmegewöhnung, um die Belastungsgrenzen von Körper und Schutzkleidung kennen zu lernen. Daran anschließend geht es darum, theoretische Kenntnisse praktisch umzusetzen. Insbesondere die richtige Bedienung des Hohlstrahlrohres und richtiges taktisches Vorgehen werden hier geübt. Dazu zählen beispielsweise das Verhalten beim Flashover, einer explosionsartigen Rauchgasdurchzündung, die Kühlung von Gasflaschen oder aber auch die Sicherung des Rückzugsweges.

Der Fire House Brandcontainer, der eine Wohnungseinrichtung mit vier verschiedenen Brandstellen simuliert, ist eine computergesteuerte Anlage, die über verschiedene Sicherheitskreise sowie eine Gaswarnanlage verfügt, die zu jedem Zeitpunkt die Gaskonzentration im Container überwacht. Zudem zeigen Sensoren die Temperatur im Innenraum an und würden bei einer Überhitzung das Signal zur Abschaltung geben. Zu jedem Zeitpunkt der Übung werden die aktuellen Temperaturen im Leitstand hinter einer dicken Sicherheitsglasscheibe angezeigt, wo Trainer Stefan Tripp gemeinsam mit einem Fire House Mitarbeiter die Übung verfolgt. „Wir haben immer die Möglichkeit, die Übung abzubrechen, wenn der Trainierende abbrechen möchte oder muss“, sagt Tripp, der mit dem Vorgehen seiner zwei Schützlinge am Ende sehr zufrieden ist. „Am kniffligsten war, als Herd und Gasflaschen gleichzeitig gebrannt haben“, resümiert Nick Viereck.

Kosten: 10 000 Euro

Eine durchaus realistische Situation, der sich von Freitag bis Sonntag auf dem Gelände der Wolfhager Feuerwehr rund 120 Feuerwehrleute der Wolfhager Wehren sowie einige aus Habichtswald, Breuna und Naumburg stellten. „Insgesamt hat die Übung rund 10 000 Euro gekostet“, sagt Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst. Doch das habe sich gelohnt, denn nur so könnten die Kameraden sich unter realistischen Bedingungen auf den Ernstfall vorbereiten. Nick Viereck will die Erfahrung nicht missen, auch wenn er froh ist, nach 20 Minuten schweißtreibender Arbeit endlich wieder an der frischen Luft zu sein.

Von Sascha Hoffmann

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.