Elektromobilität

Staat fördert private E-Auto-Ladestationen jetzt mit bis zu 900 Euro – Hohe Nachfrage im Wolfhager Land

Ein Auto steht vor einer Hauswand, an dem Tankdeckel ein Stromladekabel, das aus einer Vorrichtung an der Wand kommt.
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Wallboxen (Hintergrund) ermöglichen es Verbrauchern, ihre Elektroautos zuhause zu laden. Sie werden vom Staat mit bis zu 900 Euro bezuschusst. Bedingungen dafür und Anträge gibt es auf kfw.de.

Das Interesse an Elektromobilität steigt auch im Wolfhager Land an. Verstärkt wird das dadurch, dass der Staat jetzt private Ladestationen bezuschusst – die Bedingungen dafür sind nicht kompliziert.

Wolfhager Land – Ab sofort bezuschusst der Staat private Ladestationen für Elektroautos. Bis zu 900 Euro erstattet er Verbrauchern für den Kauf der sogenannten Wallboxen sowie deren Einbau, Anschluss und Installation. Je nach Modell der Box kann das bereits die gesamten Kosten abdecken.

Damit Verbraucher in den Genuss der Fördermittel kommen, müssen sie mehrere, dafür aber nicht sonderlich komplizierte Voraussetzungen beachten. Werden die genau berücksichtigt, stehe der Förderung nichts im Wege, wie Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, sagt.

Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen.

„Vieles wird leicht überlesen“, nennt er den Hauptgrund, an dem eine Förderung scheitern könnte. „So muss die ausgewählte Wallbox zum einen auf der Liste der förderfähigen Geräte stehen.“ Die ist mitsamt allen Bedingungen auf der Internetseite der Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu finden. Dort gibt es auch den Zuschussantrag.

Strom darf nur aus erneuerbaren Energien bezogen werden

„Zum anderen ist es entscheidend, die Förderung zu beantragen, bevor die Installation erfolgt“, sagt Huntzinger. Die Installation dürfe dann nur von Fachunternehmen vorgenommen werden und nicht vom Verbraucher.

Darüber hinaus würden ausschließlich die Ladestationen bezuschusst, deren Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Ob der aus einer eigenen Fotovoltaik-Anlage kommt oder von den Stadtwerken bezogen werde, sei dabei nicht entscheidend.

Bei den Stadtwerken gibt es jedenfalls bereits viele Anfragen für Wallboxen, berichtet ihr Pressesprecher Matthias Boos. „Wir machen den Verbrauchern dann ein Komplettangebot, bei dem wir uns auch um die Abwicklung mit den Handwerkern kümmern. Wir wollen das so bequem wie möglich gestalten“, sagt er.

Aktuell seien die Stadtwerke noch im Auswahlprozess der Ladestationen. Ist dieser abgeschlossen, wolle man den Service in der gesamten Region anbieten, so Boos. Dafür stünden die Stadtwerke bereits mit lokalen Handwerkern in Kontakt. Auch diese berichten von zahlreichen Anfragen für Wallboxen und vor allem auch Fotovoltaik-Anlagen.

Auch Solarenergie wird immer stärker nachgefragt

Das Bezuschussen von Ladestationen für Elektroautos mit bis zu 900 Euro führt schon jetzt zu einer noch höheren Nachfrage nach Wallboxen und in Verbindung damit auch Solaranlagen. Das berichten mehrere Elektro-Unternehmen aus dem Wolfhager Land, mit denen die Stadtwerke den Menschen Komplettangebote für Kauf und Installation der Wallboxen zusammenstellen wollen.

„Vor allem Solaranlagen waren schon vor der Ladestation-Förderung sehr gefragt“, sagt Andreas Wassmuth von dem gleichnamigen Elektrotechnik-Unternehmen aus Wolfhagen.

Er habe bereits unabhängig von den Stadtwerken einige Wallboxen installiert. Die Aufträge der Stadtwerke kämen also erst noch dazu und bereits jetzt sei er schon bis Februar ausgebucht, wie Wassmuth sagt.

Preis für Wallbox ist erst nach Besichtigung kalkulierbar

Einen Pauschalpreis für die Ladestation mitsamt Installation kann er nicht nennen. „Der Preis ergibt sich nach einer Besichtigung von uns, wenn wir wissen, in welchem Zustand Stromleitungen und Zugänge sind und welche Modelle der Boxen in Frage kommen“, sagt Wassmuth.

Genauso geht auch Jürgen Dietrich vor, Elektromeister aus Dörnberg. Wenn wir dem Kunden dann ein Angebot erstellt haben, kann er die Förderung beantragen.“ Eine einfache Steckdose reiche als Anschluss nicht aus.

Dietrich weist jedoch darauf hin, dass es eine gewisse Wartezeit geben werde, bis der Zuschuss erst befürwortet ist – zumal es die Möglichkeit dafür erst seit dieser Woche gibt.

Bereits 50 Prozent des Bedarfs aus erneuerbaren Energien gespeist

Trotzdem hält er fest: „Die Menschen werden immer mehr für das Thema Erneuerbare Energien sensibilisiert.“ Er sieht Deutschland in diesem Bereich europaweit als Vorreiter, da bereits 50 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gespeist würden.

„Für die Menschen ist es doch spannend, unter anderem Strom, den sie auf dem eigenen Dach produzieren, auch bei sich selbst zu behalten“, sagt er. Die hohe Nachfrage werde nun durch den Wallbox-Zuschuss auch bei der Elektromobilität weiter verstärkt.

Schwieriger gestaltet sich das Installieren von Wallboxen allerdings im Bereich der Mehrfamilienhäuser, sagt Mike Blumenstein von Blumenstein Immobilien. „Bei Mehrfamilienhäusern gibt es zurzeit kaum Anfragen wegen Ladestationen“, sagt er.

Installieren von Wallboxen bei Mehrfamilienhäusern kompliziert

Die Elektromobilität sei vor allem bei Einfamilienhaus-Haushalten vorherrschend, weil es dort deutlich einfacher sei, Ladestationen installieren zu können. Möchte ein Mieter eines Mehrfamilienhauses eine Wallbox haben, müsse er sich an den Vermieter wenden und der sich wiederum an Wohnungseigentümer-Gemeinschaften.

„Bis eine Ladestation aufgestellt werden kann, gibt es erst mal viele Planungen und Prüfungen“, sagt Blumenstein. Die Umsetzung gestalte sich daher zurzeit noch schwierig.

Die genauen Bedingungen für eine Förderung sowie die Möglichkeit, Anträge zu stellen, gibt es auf kfw.de, Stichwort „Zuschuss 440“.

2889 Elektroautos sind im Landkreis Kassel zugelassen

Die Anzahl an zugelassenen Elektroautos im Landkreis Kassel steigt stark an, wie die Stadt Kassel berichtet.

Ende des Jahres 2018 gab es 1054 zugelassene Elektrofahrzeuge im Landkreis Kassel, was in 2019 um 63 Prozent auf 1654 gesteigert wurde. Stand 1. November sind es sogar bereits 2889 Elektroautos, was eine Steigerung um 74 Prozent bedeutet.

Zu beachten ist, dass in diesen Zahlen auch nicht reine Elektrofahrzeuge berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Hybrid-Autos. (Jan Trieselmann)

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